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Wärme und Strom für den Deisterhang

Bad Münder. Björn Priesett hat große Pläne. Der 33-Jährige will neben dem landwirtschaftlichen Hof seiner Familie ein Holzheizkraftwerk errichten. Abnehmen sollen den Großteil der dort produzierten Energie – Strom und Wärme – die Anrainer des Deisterhangs. Priesett rechnet mit einer Investitionssumme von fünf bis sechs Millionen Euro. Schon 2015 soll die Anlage in Betrieb gehen.

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„Mich wundert selbst, dass noch keiner vor mir auf die Idee gekommen ist“, sagt Priesett, der im Hauptberuf bei Ardagh Glass beschäftigt ist. Monatelang hat er sich intensiv mit dem Thema befasst, mit Herstellern und Ingenieurbüros verhandelt, Konstruktionspläne studiert, sich durch Vorschriften gewühlt, Summen kalkuliert und unzählige Gespräche geführt – nicht zuletzt mit den potenziellen Kunden: den Kliniken und Bildungseinrichtungen am Deisterhang. „Von allen habe ich positive Signale bekommen“, sagt Priesett.

Anders als in den nicht unumstrittenen Biogasanlagen würden im Holzheizkraftwerk keine Nahrungsmittel verheizt. Ihm schwebe als Brennstoff vornehmlich Baumschnitt vor, wie er beispielsweise bei Straßenpflegearbeiten als Abfallprodukt anfalle. Zusätzlich könnten Grünschnitt aus Kompostierungsanlagen oder Feststoff-Gärreste aus den umliegenden Biogasanlagen verbrannt werden – „ebenfalls CO²-neutral“. Vorteil seien kurze Transportwege und eine Wertschöpfung in der Region. Unterm Strich will Priesett rund 6000 Tonnen Holz im Jahr verarbeiten – mehr als genug, um die bis zu sechs großen Abnehmer mit preiswerter Energie zu versorgen. Dazu will der 33-Jährige eine Wärmetrasse bauen, die vom BHKW an der L 421 (Höhe Golfplatz) zum Deisterhang verläuft – ein Rohrleitungssystem parallel zu den vorhandenen Feldwegen.

Die Anlage solle so dimensioniert werden, dass noch weitere Abnehmer angeschlossen werden können. Priesett hat nach eigenen Angaben jüngst Kontakt zur Deutschen Klinik aufgenommen, um dort das Interesse auszuloten. „Auch hier war die Reaktion positiv.“

Gern würde er auch das Rohmelbad beliefern, um anfallende Wärme selbst im Sommer abgeben zu können. Priesett betont ausdrücklich, dass es Ziel sei, nicht nur Strom ins Netz einzuspeisen.

Auch die Stadt könne von einem solchen Holzheizkraftwerk profitieren, wirbt er. Die Attraktivität des Deisterhangs werde gesteigert und damit möglicherweise auch der Anreiz für Neuansiedlungen erhöht. Mittelfristig könne Bad Münder mit einem höheren Gewerbesteueraufkommen rechnen. „Schließlich will ich mit der Sache ja Geld verdienen“, gibt Priesett ehrlich zu. Allerdings wolle er sein Vorhaben in keinem Fall gegen den Widerstand in Politik oder Bevölkerung durchsetzen. „Ich mache das nur, wenn Akzeptanz da ist“, versichert der Jungunternehmer.

Es ist wohl auch gerade diese Zusage, die ihm im Rat viele Sympathien einbringt. „Eine ganz tolle Sache“, lobt Ingo Nagel (CDU). Und Parteifreund Hans-Ulrich Siegmund bescheinigt: „Ich habe hier in all den Jahren selten eine so durchdachte Idee gehört.“ Bürgermeister Hartmut Büttner (SPD) kann sich sogar „ein Genossenschaftsmodell“ zur Umsetzung vorstellen.

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