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Vorstand abgewatscht

Bad Münder. Die Zahlen sprechen eine dramatische Sprache. Der Dispokredit ist erschöpft, und wenn Mitte Januar die Beiträge an Land- und Kreissportbund gezahlt werden müssen, droht dem größten Sportverein der Stadt möglicherweise das Aus. Das jedenfalls fürchtet der TuSpo-Vorstand mit Dieter Reckler an der Spitze. In einer außerordentlichen Versammlung, zu der ein Zehntel der 1200 Mitglieder erschienen waren, schlugen die Wellen hoch. Reichlich Hickhack schon bei der Debatte um die Tagesordnung. Schwer verständliche Darstellungen zu Rechtslage und Antragsfristen strapazierten die Nerven vieler Anwesender. Die Reizthemen Kassenlage und Beitragsreform waren zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf dem Tisch. Relativ einvernehmlich abgehakt wurde eine Änderung der Kündigungsfristen. Hier soll es künftig zwei Termine im Jahr geben.

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Was dann folgte, war alles andere als konstruktiv, sondern geprägt von einer aufgeheizten Stimmung und Beleidigungen, die nicht selten ins Persönliche abdrifteten. Statt eines „Flickenteppichs“ bei den Beiträgen streben Reckler und sein Vorstandsteam eine vereinheitlichte Abgabe von 8 statt 5,25 Euro für Kinder und Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr und 14 Euro für Erwachsene an. Familien sollen künftig 20,90 beziehungsweise 24,40 Euro zahlen. Bei 1004 Beitragszahlern erhofft sich der TuSpo-Vorstand davon ein um gut 37 000 Euro höheres Beitragsaufkommen.

Hallengebühren, Verwaltungsaufwand, vor allem aber stark erhöhte Kosten für Übungsleiterentgelte seien, so Reckler und Vorstandmitglied Gerd Runge, Grund für die bedenkliche finanzielle Schieflage des Vereins.

„Es gibt auch andere Sichtweisen“, hielt Tischtennis-Jugendwart Ulf Pöhler dagegen. Er übte zudem scharfe Kritik an der gescheiterten Konfliktlösung zwischen Vorstand und Finanzausschuss. Pfiffe und tumultartige Szenen nicht nur bei der Feststellung aus dem Publikum, dass die Reform für jüngere Mitglieder angeblich „rund 266 Prozent Erhöhung“ ergeben soll. Der Versuch des Vorstands, die Beitragsreform zu rechtfertigen, blieb in der aufgeheizten Atmosphäre letztlich chancenlos.

Für den Finanzausschuss legte Recklers Gegenspieler Jürgen Molitor einen Alternativvorschlag vor. Danach soll das Beitragsaufkommen um 18 000 auf 110 000 Euro gesteigert werden. Das Modell des Turnerchefs sieht eine Mehrbelastung für Jugendliche um 1,75 Euro und für Erwachsene um 1,50 Euro vor. Familien sollten künftig 18 beziehungsweise 23 Euro zahlen. „Außerdem brauchen wir Zeit, um für den Verein ein Zukunftskonzept zu entwickeln“, sagte Molitor und forderte gleichzeitig vom Vorstand „freien Zugang zu allen Daten“.

Bei der Abstimmung setzte sich Molitors Modell mehrheitlich durch. Seine gleichfalls geforderte Einsetzung einer Finanzkommission konnte der Vorstand jedoch durch Nichtzulassung zur Tagesordnung verhindern.

Die Situation in der zerstrittenen TuSpo ist damit nicht einfacher geworden. Immerhin scheint ein Zerbrechen des Zehnspartenvereins aber erst einmal abgewendet. Finanzlage und Stil der Auseinandersetzung machen es der Vereinsführung jedoch alles andere als einfach. Recklers mahnende Worte „Vielleicht gibts uns 2015 gar nicht mehr“ scheinen nach diesem Abend aber nicht völlig aus der Luft gegriffen.



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