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Vor zehn Jahren: Die Tafel verteilt erstmals Lebensmittel

Es ist zehn Jahre her, dass das erste Mal Lebensmittel ausgegeben werden. Essen, das gespendet wurde, Produkte, die als zweite Wahl aus den Supermarkt-Regalen aussortiert worden waren, gingen am Theenser Anger erstmals im Dezember 2007, kurz vor Weihnachten, über die Theke. Die Tafel feiert am heutigen Mittwoch ihr zehnjähriges Bestehen.

Die Tafel sammelt und verteilt seit zehn Jahren in Bad Münder das, was nicht mehr verkauft wird. Heute findet die Ausgabe vor dem Weihnachtsfest statt. Foto: Rathmann
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Anlass zur Trauer oder zur Freude? Wir sprachen mit dem Gründer Hermann Wessling über die Anfänge.

Herr Wessling, wenn Sie auf zehn Jahre Tafel Bad Münder zurückblicken: Würden Sie alles wieder genauso machen?

Hermann Wessling: Im Rückblick: ja. Es ist eigentlich alles super gelaufen und deswegen würde ich auch alles wieder so machen. Ich bin heute noch überrascht, wie zügig der Gründungsprozess verlaufen ist.

Dieter Hainer
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Hermann Wessling
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Gab es denn trotzdem Probleme bei der Gründung im Jahr 2007?

Es ging zunächst einmal darum, passende Räumlichkeiten zu finden. Wir hatten erst die inzwischen abgerissene blaue Turnhalle im Blick. Aber aufgrund der verarbeiteten Baumaterialien war es unmöglich, das Gebäude weiter zu nutzen. Deswegen kamen wir dann auf den Theenser Anger, wo die AIBM früher einmal angesiedelt war. Das wusste ich noch, und die Räume konnten wir zum Glück von der Stadt mietfrei übernehmen. Da sorgte dann aber der Brandschutz für Probleme, wir mussten Holzvertäfelungen abreißen und vieles mehr. Außerdem haben wir umgebaut. Dafür meldeten sich erfreulich schnell tüchtige Helfer, darunter vor allem Siegfried Schönfeld und Dieter Hainer, der heutige Vorsitzende.

Die Tafeln sind heute in vielen Kleinstädten in Deutschland eine feste Institution. Vor zehn Jahren war das noch anders.

Ich habe auch lange Zeit gedacht, dass Tafeln nur etwas für Großstädte sind. Bis ich auf zwei Berichte stieß: Die Tafelgründung in Bad Pyrmont und ein kostenloses Lebensmittelangebot in Coppenbrügge. Daraufhin habe ich als Vertreter der Sozialraum-AG im Fachausschuss des Rates eine Anfrage gestellt, wie viele Bedürftige es in Bad Münder gibt. Als die zuständige Fachdienstleiterin Elisabeth Borcherding berichtete, dass es mindestens 1700 Empfänger von Arbeitslosengeld Zwei in der Stadt gebe, war für mich klar: Bad Münder braucht eine Tafel. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ines Rasch von der Arbeitsloseninitiative nahm Kontakt auf, sie ist heute noch Schriftführerin der Tafel.

Andere Vereine haben immer wieder über fehlende Helfer geklagt – die Tafel auch?

Wir haben regemäßig um Unterstützung gebeten, wenn Einzelpersonen ausfielen. Aber es gab immer wieder engagierten Zuwachs. Wir hatten zwar manchmal Engpässe, aber nie einen akuten Notstand. Die Tafel ist heute ein Dienstleistungsbetrieb, der 52 Wochen im Jahr auf die Minute funktioniert – und das, abgesehen von einem ‚Bufdi‘, zu 100 Prozent ehrenamtlich!

Seitdem es die Tafeln gibt, wird kritisiert, dass sie den Supermärkten helfen, Entsorgungskosten zu sparen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Richtig, das stimmt. Dem steht aber das Argument gegenüber, dass es unverantwortlich ist, brauchbare Lebensmittel einfach zu entsorgen. Das ist für mich als Kind der Nachkriegszeit undiskutabel. Deswegen ist es gut und wichtig, dass auch diese Lebensmittel noch eine Verwendung finden.

Und der Blick in die Zukunft: Werden die Tafeln irgendwann unnötig werden?

Es ist schön, dass es die Tafel gibt, aber bedauerlich, dass sie nötig ist. Ich gehe davon aus, dass die Tafeln noch lange, wenn nicht sogar dauerhaft bleiben werden. Trotz sozialem Fortschritt und wachsendem Wohlstand wird es immer einen gewissen Teil in der Gesellschaft geben, für den die Solidarität der Tafel notwendig sein wird.



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