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Vor 50 Jahren rollte die Motorisierung durch den Altkreis

BAKEDE. Vor 50 Jahren lief die Motorisierungswelle im Landkreis Springe gerade an. Heinrich Bähre, heute 95 Jahre alt, hat damals kräftig am Aufleben des Straßenverkehrs im Altkreis Springe mitgewirkt. Ganz unbürokratisch funktionierten dabei oftmals auch PKW-Zulassungen an seinem Heimatort Bakede.

Alles noch gültig: Die verschiedenen Führerscheine der letzten Jahrzehnte und ein alter Hanomag mit SPR-Kennzeichen.

Autor

Heinz Bähre Reporter

1965 hatte er sich im Alter von 45 Jahren entschlossen, von der Stuhlindustrie im Sünteltal zu seinem neuen Arbeitgeber, dem damaligen Landkreis Springe, zu wechseln. Für Führerscheine und Kfz-Zulassungen war er zuständig.

Die Zulassung des Fahrzeugs war auch damals ein bürokratischer Akt, der eine gewisse Planung erforderte. Der Autokäufer hätte mit dem Bus über Bad Münder nach Springe fahren müssen, um sein Fahrzeug anzumelden. Als sich rumgesprochen hatte, dass Bähre beim Landkreis arbeitet, nahm der Wunsch der Bakeder nach kleinen Gefälligkeiten zu. Abends brachte jemand den Kfz-Schein, Personalausweis, Versicherungskarte und einen Geldschein vorbei. „Heinrich, den lässt du mir doch morgen sicher zu“, war der dabei immer geäußerte Wunsch. Am Folgetag nach Feierabend ging dann alles retour. Brief und Schein, die abgestempelten neuen Nummernschilder und das restliche Wechselgeld gingen an den frischen Autobesitzer. Im Laufe der Zeit bekamen selbst die Ehefrau Waldtraut und die beiden Söhne Routine beim abendlichen Klingeln an der Haustür.

„Manchmal ging im hektischen Tagesgeschäft aber auch etwas richtig schief“, erinnert sich Bähre. Die freien Kfz-Nummern wurden vor 50 Jahren in Karteikästen aufbewahrt, auf die alle Mitarbeiter Zugriff hatten. Ein paarmal ist da ein Kennzeichen doppelt ausgegeben worden. Einige Wochen fuhren dann zwei Fahrzeuge mit den gleichen Nummern herum. Erst beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg fiel die Doppelvergabe auf.

Heinrich Bähre mit Urenkel Jonas vor dem damaligen Eingang zur Zulassungsstelle auf dem heutigen Museumshof. Fotos: Bähre
  • Heinrich Bähre mit Urenkel Jonas vor dem damaligen Eingang zur Zulassungsstelle auf dem heutigen Museumshof. Fotos: Bähre

Ende der 60er Jahre kamen die heute gängigen reflektierenden Nummernschilder auf. In der Zulassungsstelle waren sieben Personen beschäftigt und fast alle hatten eines Abends die neuen Nummernschilder – gesponsert von der Firma Lange aus Völksen. Damals eine übliche, verkaufsfördernde Maßnahme, heute undenkbar.

Bähre erinnert sich auch noch an die damaligen „Lappen“ zurück: Was heute auf Plastikkarten eingetragen wird, war früher auf mehrseitigen Papierheftchen vermerkt. Die rosa Scheine waren nur ein kurzes Zwischenspiel in den 90er Jahren, weiter verbreitet war der noch heute gültige „graue Lappen“. Mancher dieser Scheine trägt auf der zweiten Seite die Unterschrift von Bähre.

Auf dieser Seite ist auch in manchen Führerscheinen der „Säuferbalken“ eingetragen. Wenn einem wegen Alkoholauffälligkeiten die Fahrerlaubnis auf Zeit entzogen war, wurde bei Wiedererteilung dort unten der frühere TÜV-Vermerk einfach durch einen Querstrich ersetzt, im Volksmund „Säuferbalken“ genannt. Bei Polizeikontrollen gab es dann bei diesen Personen auch intensivere Nachfragen. Dadurch gerieten aber auch diejenigen in Verdacht, die bei der Bundeswehr oder Bundespost zunächst einen Dienstführerschein erworben hatten. Wenn der Lappen für den Zivilbereich umgeschrieben werden musste, bekam das Papier ebenfalls den ungeliebten Balken.

Auch die Vorliebe mancher Mitbürger auf besondere Kennzeichenkombinationen gab es damals schon. Meist waren es Schnapszahlen oder andere gängige Kombinationen, die für ein kleines Trinkgeld in die Kaffeekasse möglich wurden.

Bähres erster Arbeitsplatz war noch im Nebenflügel des damaligen Landkreisgebäudes, heute befindet sich dort das Ordnungsamt der Stadt Springe. Später erfolgte der Umzug quer über den Hof, dort wo heute das Heimatmuseum und die Flüchtlingshilfe zu finden sind. Oft gab es großes Gedränge und Wartezeiten bis in den Nachmittag, weiß Bähre. Formulare wurden handschriftlich oder von einer Sekretärin mit einer Schreibmaschine ausgefüllt.
Heinz Bähre hat seine Erinnerungen und die seines Vaters niedergeschrieben. Das Buch „Bürokratie ist meine Leidenschaft“, 182 Seiten, kann für 8,50 Euro direkt beim Autor per Mail bestellt werden: info@heinz-baehre..de

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