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Die historische Führung mit der Fürstin führt an die versteckten Ecken der Kurstadt

Von Quellwasser und Perücken

Autor:

der Klasse 4 c der Herderschule

Bad Pyrmont. Wir, die Klasse 4 c, haben eine besondere Verbindung zu dem Verein Pyrmonter Fürstentreff. Schon zweimal waren wir bei dem Zar-Peter-Umzug – Dezember 2013 und 2014 – aktiv dabei: verkleidet als Eisprinzessinnen und Weihnachtswichtel.

Den Heimatort besser kennenlernen, das ist uns allen wichtig. Vor ein paar Monaten hielten wir im Sachunterricht Referate über besondere lokale Themen, zum Beispiel das Schloss, den Kurpark oder die Dunsthöhle. So vereinbarte unsere Klassenlehrerin Regine Hüttmann mit der Vereinsvorsitzenden Christiane Richter eine historische Stadtführung.

Am Donnerstag, 16. April, marschieren wir alle zur Putz- und Kleiderkammer des Vereins. Dort lagern unzählige Kostüme, Perücken, Hüte, Schmuck, Pelze und andere Accessoires. Unsere Lehrerin und ein paar Kinder durften sich mithilfe der 2. Vorsitzenden Renate Bonse umkleiden. Detlef Richter, der Mann der Vorsitzenden, erzählte uns so einiges Wissenswertes: „Sakrosankt“, das heißt, die Adligen waren damals unberührbar. Vor Adligen musste das Volk einen Diener (die Herren) oder einen Knicks (die Damen) machen. Das zeigt er uns anschaulich. Die Herrscher winkten immer mit der Handfläche nach außen.

Die Hausherrin Fürstin Luise zu Waldeck (im echten Leben Bettina Schlüter) erzählt uns an einigen Plätzen in Bad Pyrmont Geschichten aus der Vergangenheit. Dabei schlüpft sie immer wieder mal ganz in die Rolle der Fürstin. Mit Stolz erzählt sie: „Mein Mann, der Fürst Anton Ulrich, hat Pyrmont im Jahre 1720 die Stadtrechte gegeben.“ Zar Peter, so erzählt sie weiter, den wir ja schon kennen, war einer der berühmten Kurgäste. An einem Haus in Bad Pyrmont hängt es an einer Tafel festgehalten: „Hier wohnte 1716 Zar Peter der Große.“ Der Zar reiste aus gesundheitlichen Gründen nach Pyrmont. Das ist eine sehr lange Strecke, und er brauchte 3 Monate, um in unseren Heimatort zu gelangen. Mit ihm reiste ein ganzer Hofstaat: Diener, Soldaten, Zofen und Hofnarren. Auch seinen gesamten Geld- und Schmuckbesitz nahm er mit, aus Sorge, in Russland könnte er beraubt werden. Zar Peter genoss wie andere Kurgäste das heilsame Quellwasser.

Bad Pyrmont und die 19 Quellen – davon sieben trinkbare – das gehört unbedingt zusammen. Uns hat erstaunt und fasziniert, dass aus der Helenenquelle täglich 300 000 Liter Wasser hervorsprudeln. Eine Führung macht Durst und so dürfen wir in der Wandelhalle eine Quelle unserer Wahl kosten. Auch damals, so erzählt die Fürstin Luise, tranken die Menschen das gute Heilwasser. Im Jahr 1556 verbreitete sich die Kunde in ganz Deutschland, dass das Pyrmonter Wasser leidenden Menschen hilft. So kam es zu dem großen Wundergeläuf und mehrere 10 000 Menschen kamen nach Pyrmont.

Später kamen auch immer wieder Gäste nach Pyrmont, besonders gern im Sommer. Auf der um 1668 angelegten Hauptallee sollte man täglich 30 Becher Quellwasser trinken und sich bewegen. Doch wer so viel trinkt, muss auch oft auf die Toilette. Wir können es kaum glauben: Man hatte 300 Plumpsklos bauen lassen und jeder Adlige hatte seine eigene abschließbare Toilette.

Wir erfahren weiter von den damaligen hygienischen Verhältnissen. Die Menschen wuschen sich nicht sehr oft und nach einer gewissen Zeit juckte es einen überall; so wurden Perücken- und Rückenkratzer erfunden. Kleine Hunde, sogenannte Schoßhunde, sollten das Ungeziefer von den Menschen auf sich locken. Vor dem Rathaus machen wir noch ein Gruppenfoto und die Führung endet in der Putz- und Kleiderkammer. Wir bedanken uns herzlich bei den Mitgliedern des Vereins und gehen voller Eindrücke zurück in die Schule.




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