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Stimmungsschwankungen prägen den Kantaten-Gottesdienst in der Nikolai-Kirche

Von Leid, Schmerz und Trauer zur ausdrucksstarken Lobeshymne

Rinteln (dis). Mit "Ich hatte viel Bekümmernis", BWV 21, hat sich Wolfgang Westphal während eines sehr gut besuchten Kantaten-Gottesdienstes in der St. Nikolai-Kirche einem Werk zugewandt, das in mehrfacher Hinsicht aus dem Kantatenschaffen Bachs herausragt.

Mit "Ich hatte viel Bekümmernis" hat sich Wolfgang Westphal am S

Schon die Dauer der Aufführung von 40 Minuten ist ungewöhnlich lang. Außerdem erreicht der Komponist bei seiner Darstellung der verschiedenen Bekümmernisse Intensität und Dramatik, die an seine großen Hauptschöpfungen erinnern. Leiden, Schmerz und Trauer prägen die Musik des ersten Teils, in dem Seufzermotive, Tränenstrom und das aufwühlend gestaltete Bild einer Sturmflut bedrückende Stimmung charakterisieren. Danach schlägt die Atmosphäre um. Durch Vertrauen des Sünders auf die Gnade Gottes gibt es nun so freudiges Frohlocken, dass im Schlusssatz eine kraftvolle Lobeshymne angestimmt werden kann. Dieses und noch viel mehr entnahmen die Anwesenden den Einführungsworten von Wolfgang Westphal. Auch Pastorin Astrid Bunselmeyer ging später in ihrer Predigt anschaulich auf die Thematik ein. Bachs Kantaten sind durch den Strom ihrer Gedanken und der Reinheit ihres geistlichen Gehaltes ein Höhepunkt kirchlicher Chormusik im Gottesdienst, ihre Bewältigung stellt ein Ziel dar, das ebenso viel Fleiß wie Begeisterung erfordert: Und an beidem mangelte es den Interpreten nicht, zumal ihr Leiter seine umfassende Erfahrung einbrachte, um aus der Partitur das Besondere herauszufiltern. Eingebettet in Gemeindelied, Gebet und Lesung erfuhr das Stück mit seinem reichhaltigen Aufgebot an Instrumentalisten und Vokalisten unter dem sorgsamen und agilen Dirigat des Kreiskantors somit eine sehr respektable Wiedergabe. Man denke an den stimmstarken und generell ausdrucksbewusst reagierenden Schaumburger Oratorienchor, der aktionssicher und mit gewohntem Einsatz bei der Sache war, und das farbenreich eingesetzte Schaumburger Kammerorchester, in dem die Oboe klangvoll mit der ersten Violine und der Sopranistin dialogisierte. Über die in den Gesamtablauf eingebundene Solisten-Equipe lässt sich zudem nur Positives sagen: Sahrah Davidovic bereicherte die Einstudierung mit schlankem Sopran, Undine Mentzel und Jörg Erler durch getragenen Alt sowie agilen Tenor, und der für Sebastian Brendel eingesprungene Dietmar Sanderwegen seines gut ansprechenden Baritons. Nach Gebet, Segen und der Wiederholung des Schlusschores endete der Kantaten-Gottesdienst, den Matthias Neumann tonschön auf der Orgel mit der "Fuge G-Dur", BWV 541, begonnen hatte, in dankbarem Applaus.



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