weather-image
16°
Gymnasium feiert seine "Urgesteine" Karl-Heinz Brandt und Holger Deiters

Von jetzt an sind sie Ex-Adolfiner: Abschied von "Kalle" und "Paule"

Bückeburg (bus). Am Gymnasium Adolfinum sind Karl-Heinz Brandt und Holger Deiters verabschiedet worden. Für das Adieu von "Kalle" und "Paule", wie die Oberstudienräte in Pennäler- und Kollegenkreisen nicht nur hinter vorgehaltener Hand benannt werden, nahmen sich Kollegium, Freunde und Wegbegleiter am Zeugnisferien-Mittwoch außergewöhnlich viel Zeit. Die offizielle Etappe der Abschiedsfeier sprengte den gewöhnlichen Rahmen um ein Vielfaches und dauerte länger als zwei Stunden. Während der Elogen bogen sich in dem für den "gemütlichen" Teil des Vormittags reservierten Schampus- und Schnittchen areal zuvor topfeben aufgelegte Schnittkäsescheiben nahezu hauteng um die ihnen untergefügten Brötchenhälften.

Heinz-Ulrich Gosemann (Mitte) verabschiedet Karl-Heinz Brandt. R

Die in den "wohlverdienten Ruhestand wechselnden verdienstvollen Kollegen" (Schulleiter Heinz-Ulrich Gosemann) erfuhren Sympathiebekundungen in mannigfaltiger Ausformung. Im Anschluss an die jeweiligen Würdigungen Gosemanns und die Aushändigungen der von der Landesschulbehörde ausgefertigten Urkunden wurden Brandt und Deiters ein ums andere Mal mit Geschenken, Spielen und Anekdotischem überrascht. Dabei waren die beiden Hauptdarsteller (Brandt: "Geht's bald ab zum Schrottplatz?"; Deiters: "Ich habe in den letzten Tagen körperliche Unruhe verspürt") offensichtlich gar nicht auf eine zeitweilig an Kindergeburtstage erinnernde Veranstaltung vorbereitet. Brandt, inklusive Schulzeit 44 Jahre lang Adolfiner, gab aus seinem aktuellen Gefühlshaushalt die Begriffe Erleichterung sowie Vorfreude auf ein Leben ohne Wecker und Gong, aber auch Frust, Streit und lästige Bevormundungen preis. Er hoffe, dass an der (schulpolitischen) Reformfront möglichst bald Ruhe einkehren werde. Deiters (früherer Spitzname "Knüppel-Paule") nannte als persönliche Nahziele Entspannung, Ruhe und Abschalten sowie als Wünsche für die zurückbleibenden Pädagogen Ausgleich, Contenance und Harmonie. Einen erklecklichen Teil der Schnittkäsescheibenbiegung hatte Studiendirektor Johannes Seiler zu verantworten. Der Haare- und Naseweiß absolvierte unter dem in der Feier nirgends auftauchenden Stichwort "70/71" einen vorgeblich nach geschichtlichen, literarischen und musikalischen Aspekten komponierten "Bildungsspaziergang", dessen Stationen jeglichen Sinnzusammenhang vermissen ließen - der aber, trotz Wien, Berlin und alledem - mit reichlich Applaus belohnt wurde. Seiler kamüber das Stöcks ken der 1966 (sic!) von der Musikgruppe "Cream" veröffentlichten Aufnahme "Tales Of Brave Ulysses" - Textprobe: "And the colors of the sea blind your eyes with trembling mermaids" - und den gemeinsamen Geburtstag (7. Oktober) von Brandt (1944) und Ulrike Meinhof (1934) auf das Höcksken "Vienna Teng", welche eine heuer in Spezialistenkreisen gern gehörte US-amerikanische Pianistin, Sängerin und Singer-Songwriterin taiwanischer Abstammung ist. Zwischendurch reichte die 70/71er-Tour bis ins erste nachchristliche Jahrhundert zurück. Die Erkenntnis Seilers, dass in der Zwischenzeit mehrere Kalenderreformen den eigentlichen Sinn von auf Jahrtausende zurückliegenden Daten Bezug nehmender Jahrestage ad absurdum geführt haben, vermochte den heftig aufbrausenden Beifall ebenso wenig zu behindern wie dessen Schlusswort: "Es war schön, Sie als Kollegen gehabt zu haben."

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare