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Die Gemeinschaft der „Rosenkreuzer“ möchte die Verbindungen zu Bad Münder intensivieren

Von der Vision eines neuen Menschseins

Bad Münder. Die große weiße, sehr gut gepflegte Anlage der „Internationalen Schule des Rosenkreuzes e.V. Lectorium Rosicrucianum“ am Deisterhang umgibt ein Hauch von Geheimnis. Ab und an füllt sich der Parkplatz mit Fahrzeugen von Besuchern aus ganz Deutschland. Doch kaum jemand unten im Ort weiß, was es mit der Organisation der „Rosenkreuzer“ auf sich hat. Handelt es sich um eine weltabgewandte Glaubensgemeinschaft, eine Kirche, gar eine Sekte? Unwissenheit fördert Gerüchte. „Wir wollen uns deshalb in Richtung Bad Münder stärker öffnen“, so Wolfgang Scheid-Franke, der Leiter des Zentrums, und stellt klar: „Wir sind keine Kirche.“

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Um die „Rosenkreuzer“ ranken sich mystische Geschichten von Rittern, Burgen und Heiligem Gral. Mit der Einrichtung am Deisterhang freilich hat das wenig zu tun. Die „Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes“ gibt es weltweit in mehr als 40 Ländern. In Deutschland ist Bad Münder das Zentrum der Gemeinschaft. Neben dem hiesigen Van-Rijckenborgh-Konferenzzentrum existieren deutschlandweit noch zwei weitere, das „Christianopolis“ in Birnbach bei Bonn und das „Christian-Rosenkreuz“-Konferenzzen-trum in Calw bei Stuttgart.

In diesem Jahr feiert das Münderaner Stammhaus der Schule der „Rosenkreuzer“ sein 50-jähriges Jubiläum. „Ein Grund, warum wir unseren Tempel stärker der Öffentlichkeit öffnen wollen“, so Scheid-Franke.

Aber worum geht es den „Rosenkreuzern“? Scheid-Franke: „Um die Vision einen Menschen, der Gott nahe ist, weil er sich von innen heraus völlig verwandelt hat.“ Wonach die „Rosenkreuzer“ streben, sei ein „neues Menschsein ohne Egozentrik“. In den Tempeln der „Rosenkreuzer“ treffen sich Menschen, die auf der Suche nach Sinn sind, nach etwas, das über das Sichtbare der Welt hinausweist. Scheid-Franke erklärt: „Unser Gründer Jan van Rijckenborgh zeichnete den uralten Weg einer inneren Wandlung auf, um in sich selbst einen Raum für das Licht des Ursprungs zu schaffen.“ Jenseits des Ichs und doch zugleich im Menschen selbst. Dort könne er Abstand zu sich selbst gewinnen und Eintauchen ins „Universum der Stille, jenseits der Grenzenlosigkeit von Raum und Zeit.“ Scheid-Franke weiter: „Wer Platz für diese göttlichen Vibrationen in seinem Herzen schafft, erhält die Möglichkeit zu einem neuen Menschsein.“

Dabei sei Gott nicht als Instanz gemeint, zu der jemand aufblicke und die entscheide, was Recht und Unrecht ist. Scheid-Franke ist sich sicher: „Solch eine Gottesvorstellung ist heutzutage für viele Menschen überflüssig angesichts einer Welt, in der wissenschaftliche Erklärungen für fast alle Phänomene vorhanden sind. Gott als etwas außerhalb des Menschen zu begreifen und zu ihm aufzusehen, das ist für viele keine zeitgemäße Umgangsform mehr. Dazu ist der Mensch zu weit als eigenständiges Wesen entwickelt.“

Für Scheid-Franke und die „Rosenkreuzer“ hat Gott heute seine einzige Berechtigung darin, wenn er in einem Menschen gefunden wird, der sich dadurch völlig verwandelt. „Das ist unsere Vision eines neuen Menschseins.“

Diesen Gott in sich selbst zu finden, dazu gibt es für die „Rosenkreuzer“ so viele Wege, wie es Menschen gibt. „Gott ist immer derselbe, nicht als Wesen betrachtet, sondern als Kraft.“ Es sei die Fähigkeit, diese Kraft zu erkennen, ihr in sich Raum zu geben, sich auf sie einzuschwingen und sie zum Leitmotiv des eigenen Lebens zu machen, was den Menschen verwandele und erneuere.

Doch es reiche nicht aus, über die Vision Bescheid zu wissen. Zur Verwirklichung der „Rosenkreuzer“-Vision sind die Konferenzzentren entstanden, als Orte der Ruhe, der Einkehr, des Rückzugs.

Rund 400 Menschen finden zu Lesungen und Vorträgen Platz im weiß strahlenden Tempel des Van-Rijckenborgh-Konferenzzentrums. „Wir haben pro Jahr rund 8000 Gäste, zehn Prozent davon kommen aus der ganzen Welt, etwa Spanien, Brasilien oder England,“ erklärt der Leiter des Zentrums. Mit Kirche habe das alles nichts zu tun, „Wir sind als Verein organisiert, bei uns kann für 16 Euro Monatsbeitrag jeder mitmachen. Ein Vorstand regelt die stofflichen Angelegenheiten und ein Neuner-Gremium weltweit die spirituellen Dinge. Unser Jahresumsatz liegt in Deutschland bei 2,8 Millionen Euro, aber als Verein sind wir natürlich nicht gewinnorientiert.“

Das Münderaner Zentrum, das den Namen des Gründers der Geistesschule trägt, wird unter den Titel „Utopie und Verwirklichung: Die Vision eines neuen Menschseins“ in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen für Interessierte organisieren. Auftakt der Jubiläumsreihe ist am 4. Juli. Scheid-Franke: „Dann laden wir in unseren großen Tempel ein, erläutern die Symbole und die Geschichte des Ortes. Außerdem wird es eine Ausstellung über Christian Rosenkreuz geben, einer mystischen Gestalt, die die Vision eines neuen Menschseins verwirklicht hat.“hzs



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