×
Fuy Hay Ming knüpft mit seiner Firma Geschäftsbeziehungen zwischen China und Deutschland

Von der Pulverstraße auf nach Beijing

Bückeburg. Ein Bückeburger in Beijing: Den Ort, an dem vergangene Woche die olympischen Spiele zu Ende gingen, hat Fu Hay Ming, Geschäftsführer der China Business Contact GmbH, erst vor wenigen Tagen besucht. Dort erlebte der Schaumburger, der Firmen bei der Vermittlung von Geschäftsbeziehungen hilft, die umfassenden Vorbereitung en hautnah. "Die Vorfreude auf die Spiele war groß, die Chinesen haben die Spiele verdient", sagt er.

Autor:

michael Grundmeier

Wer das unscheinbare Büro Fus an der Pulverstraße betritt, ahnt zunächst nicht, dass hier weltweite Geschäfte abgewickelt werden. Auf einem Schrank steht eine Konfuzius-Figur, daneben stapeln sich Kartons mit Großhandelsprodukten. Einen ersten Fingerzeig geben die teuren Visitenkarten aus Pergament. Der Firmenname wurde in chinesische Schriftzeichen übersetzt, vor der Bückeburger Telefonnummer steht die deutsche Ländervorwahl. "Ich brauche keine Werbung, ich lebe von der Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Kunden", erklärt der gebürtige Hongkonger mit gepflegtem Understatement. Sogar russische Firmen hater schon beraten. Fu, der perfekt Mandarin spricht, ist ein gefragter Kenner Chinas. "Ich verstehe mich als eine Brücke zwischen Deutschland und China, helfe bei den Vorbereitungen, stelle die Kontakte her und begleite meine Klienten." Bevor die Delegationen zu Besprechungen zusammenkommen, erklärt er den Mitgliedern die Feinheiten der chinesischen Kultur ("Visitenkarten werden mit zwei Händen überreicht"),übersetzt bei den Verhandlungen und hilft durch den "grauenhaften" Verkehr. Erst im Juli hat Fu im Auftrag einer Firma aus Dresden den Kauf einer zweieinhalb Millionen Dollar teuren Altreifenpyrolyse-Anlage begleitet Seit langem dient der Schaumburger aber auch heimischen Firmen als Türöffner. Die Zusammenarbeit mit einem Extertaler Kühlfahrzeughersteller hatte ihn 2001 zur Gründung der "China Business Contact Gmbh" veranlasst. Davor war Fuüber ein Jahrzehnt Geschäftsführer dreier China-Restaurants in Hameln, Rinteln und Bückeburg. "In dieser Zeit habe ich viele Leute aus der heimischen Geschäftswelt kennengelernt und Kontakte geknüpft, die bis heute halten", sagt Fu. Als immer mehr Konkurrenz den Umsatz verdarb, trennte sich der inzwischen 53-Jährige von den Lokalitäten. "Ich war immer öfter unterwegs. Beides ließ sich nicht miteinander vereinbaren." Auch wenn viele ehemalige Gäste seinen Rückzug bedauern: "Die Zukunft in der Gastronomie ist schwierig, ich will das nicht mehr machen." Eine gute Zukunft sieht Fu dagegen im China-Geschäft. "Wenn man in Deutschland investieren will, gibt es viel Bürokratie, allein ein Antrag auf vorläufige Genehmigung hat 67 Seiten", so Fu. In China seien die Behörden flexibler, der Service besser. Anders als noch vor einigen Jahren, sind es heute vor allem die großen Konzerne, die in China investieren. "Für kleine Firmen ist es ein bisschen spät. In den 90ern wurde man mit einer Million Dollar wie ein Kaiser behandelt, jetzt kostet es viel mehr Geld", macht Fu deutlich. Auch sonst hat sich im deutsch-chinesischen Verhältnis einiges verändert. China, lange Zeit ein reines Entwicklungsland, ist inzwischen zu einer der führenden Wirtschaftsmächte der Welt aufgestiegen. "China ist kein Niedriglohnland mehr, hier wird inzwischen Hightech hergestellt. Ich habe gerade erst eine Dresdner Firma beraten, für die in China eine komplette Anlage auf dem neuesten Stand der Technik gebaut wurde", erzählt der Firmenberater. Aufgrund der stark gestiegenen Devisenreserven (das 1,3 Milliarden-Einwohner-Land besitzt vor Japan und Russland den weltweit größten Sparstrumpf), investiert China inzwischen verstärkt im Ausland. "Es gibt sehr viel Geld in China", sagt Fu, "besonders interessiert sind die Chinesen aber an Know-how." In der Zeit, in der die olympischen Spiele stattfanden, reiste Fu nicht nach China. "Bekannte, die sich auch die Spiele anschauen wollten, haben zwar Karten, aber keine Visa bekommen", erzählt Fu. Schon im Vorfeld gab es verstärkte Kontrollen, jedes Dokument wurde geprüft. "Früher konnte ich einfach über die Grenze gehen, vor kurzem wurde ich gleich mehrmals kontrolliert", sagt der Vielflieger. Die Wettkämpfe verfolgte der Fußballfan ganz entspannt im Internet. "Ich gucke vorallem Pferdesport, der fand in Hongkong statt." Als Fu Hongkong 1973 verließ, war die Halbinsel am Perlfluss noch britische Kronkolonie. Inzwischen bildet die heutige Sonderverwaltungszone eines der Finanzzentren Chinas. "Ich bin mit 18 Jahren aus Hongkong ausgewandert, habe es aber nie vergessen", sagt Fu. Obwohl er sich in Bückeburg sehr wohlfühlt und die "Ordentlichkeit der Deutschen" lobt, hat er immer noch Sehnsucht nach der Stadt am "duftenden Hafen". Fu: "Am meisten vermisse ich meine Eltern und die guten Einkaufsmöglichkeiten."




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt