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Erstes Oldtimer-Treffen auf dem Weseranger / Tausende Arbeitsstunden stecken in alten Schätzchen

Von der Asphaltblase bis zum Straßenkreuzer

Rinteln (who). Bei Oldtimer-Treffen zeigen sich Gestalt gewordene Träume vom Fahrzeug, das man sich als Jugendlicher mangels Masse in der Kasse nicht hat leisten können. Nicht anders war's am Wochenende bei der Schau rollender Oldies auf dem Weseranger. Von der Asphaltblase in Gestalt der BMW Isetta, Baujahr 1962, bis zum Straßenkreuzer, Marke Buick von 1954, war aufgefahren, was seine Besitzer nicht nur in ihrer Jugend zum Träumen gebracht hat.

Immer wieder muss Erich Jannek aus Rinteln zeigen, wie man aus einer BMW Isetta aussteigt: Nach vorne, weil das Unikum von Auto da seine Tür hat, an der auch noch das Lenkrad hängt. Insgesamt sieht die Isetta mehr aus wie ein Ei und war für viele Bundesbürger in der Wirtschaftswunderzeit der Einstieg ins automobile Leben. Als Herz hatte sie einen Motorrad-Motor: Von 250 auf 300 Kubikzentimeter "aufgebohrt" brachte der Viertakter immerhin 13 PS, erklärt Jannek. Der Rintelner hat seine Isetta 1996 als Geschenk zum 60. Geburtstag bekommen und selber für den Verkehr auf deutschen Straßen fit gemacht. Das Modell wurde von 1953 bis 1960 in Deutschland gebaut und dann noch zwei Jahre in England. Deshalb ist Janneks Isetta auf der Insel "geboren" und hatte hinten statt der charakteristischen eng beieinander liegenden Hinterräder aus fiskalischen Gründen nur eins. Über Schweden ist die Isetta irgendwann nach Deutschland gekommen und Erich Jannek hat sie auf vier Räder umgerüstet. "Mit viel Vergnügen beim Restaurieren." Heute genießt der pensionierte Monteur einfach nur noch Fahrvergnügen pur mit seiner Isetta, die sogar ein Klappverdeck für Sonnentage hat und für die es zu ihrer Zeit sogar einen Miniwohnwagen gegeben hatte. Die Geschichte von Erich Jannek und seinem Oldtimer ist in Variationenübertragbar auf alle anderen Freunde älterer und wirklich alter Vehikel. "Als Oldtimer gilt alles, was älter ist als 30 Jahre", erklärt dazu Rainer Schwerdtfeger, der das Treffen am Weseranger organisiert hat. Allerdings dürften über 20 Jahre alte Fahrzeuge bei solchen Treffen in der Kategorie "Youngtimer" dabei sein. So wie sein Kombi Marke Mercedes 123 von 1984, der noch täglich in Gebrauch ist, genau wie sein Opel Kadett von 1979. Für beide Autos hat der Kalletaler die passenden Wohnwagen aufgefahren. Zum Übernachten, denn wenn Oldtimer-Besitzer nicht mit ihren Schätzen abends nach der Schau wieder nach Hause fahren, dann bleiben sie lieber in der Nähe, um persönlich drauf aufzupassen. Michael Wilharm aus Nienstädt campiert gleich mit seiner ganzen Familie auf dem Weseranger. Seine Ehefrau Stefanie und die beiden Söhne Tim und Jan sehen das Ganze sowieso als Familien- und Freizeitspaß. Wilharms Sammler-Herz gehört kleinmotorigen Zweirädern mit 50-Kubik-Zweitaktmotoren. "Davon haben wir die ganze Garage voll", verrät der zwölfjährige Jan. "Als ich 16 war, konnte ich mir so was nicht leisten und musste meinen Kumpels auf ihren neuen Mopeds immer hinterherschauen", erzählt der Familienvater. Heute besitzt er zwölf Mokicks und Mopeds aus seiner Jugendzeit und darf sie mit einem Wechselnummernschild auch alle fahren. Ein Biker aus einer anderen Spielklasse startet mit seiner angejahrten Honda CBX gerade zur Rundtour: "Die hat einen Sechszylinder-Reihenmotor", erzählt Wilharm, dass die damals eigentlich kaum jemand haben wollte, "dabei kostet so was heute 5000 Euro und das war wohl früher sogar der Neupreis..." Absolut herausragend, was Hubraum und Größe angeht, ist das Schlachtschiff von Auto, das gegenüber von Wilharms Motorrädern der Schnapsglas-Klasse parkt - ein amerikanischer Straßenkreuzer. Von 1954 ist der schwarze "Buick Super" und in Top-Zustand. Rote Ledersitze hat das Monstrum und satte 188 PS aus 5,3 Litern Hubraum unter der gewaltigen Motorhaube. Als der Kapitän diese öffnet, sind schnell einige Schaulustige dabei und stellen fest, viel zu sehen gibt's nicht. Der Motor macht ohne Zusatzaggregate einen eher puristischen Eindruck - rings um die Maschine ist noch viel freier Raum. ",Erfüll endlich deinen Traum', hat meine Frau gesagt, als ich vor acht Jahren mit einer Abfindung in den Vorruhestand gehen musste", erzählt Peter Passon aus dem Auetal, als er seinen Citroën DS 20 Pallas von 1972 vorstellt. Da habe er zugegriffen, als ein Händler den Wagen soeben aus Marseille geholt hatte. Wie viele Jungs seiner Generation hatte Passon von dem Auto geträumt, dass seinerzeit in zahlreichen Filmen mitgewirkt hatte, bei Verfolgungsjagden zu Lande und auch ausgerüstet mit Schwimmflügeln für den Einsatz auf dem Wasser. "Tausende von Stunden", schätzt Peter Passon, hat er zunächst in die Restaurierung gesteckt. Unter anderem gemeinsam mit seinem Nachbarn, der mit ihm die Ledersitze und die übrige Innenausstattung komplett erneuert hat. Sein Traum ist wahr geworden - angefangen hatte er, "als ich als Junge auf dem Weg zum Klavierunterricht immer wieder an einem Pallasvorbeigekommen bin". Zu seinem Oldtimer weiß Passon noch viel mehr zu sagen: Seit Mitte der fünfziger Jahre bis 1975 ist er gebaut worden und wurde die "Göttin" genannt. Berühmt war diese für ihre hydraulische Niveauregulierung, und die Karosserie konnte um bis zu 15 Zentimeter angehoben werden. Für unvergleichlichen Fahrkomfort und auch zum Reifenwechsel. "Und wenn mal einer der beiden Hinterreifen platt ist, kann das Auto damit sogar auf nur drei Hinterrädern fahren..." Darüber hinaus habe der Pallas schon 1975 mitlenkende Scheinwerfer gehabt - "was Audi für den A6 vor etwa drei Jahren als Weltneuheit vorgestellt hat".




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