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"Confessio": Andreas Kühne-Glaser stellt lutherisches Bekenntnis vor

Vom eigenen Weg zu Gott und der "Freiheit des Christenmenschen"

Rinteln (cok). Zum zehnten Mal hieß es in einer Vortragsreihe der baptistischen Gemeinde "Confessio", das heißt "Ich bekenne". Unter diesem Motto stellen sich nacheinander die verschiedenen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften aus dem Landkreis vor. Diesmal sprach Superintendent Andreas Kühne-Glaser für die evangelisch-lutherische Kirche.

"Manchmal beneide ich die Katholiken, weil sie klarer sagen können, was Kirche ist", dieses freimütige Statement gleich zu Beginn seines Vortrages war ein wichtiger Teil seiner Charakterisierung des evangelisch-lutherischen Glaubensbekenntnisses, in der er die manchmal etwas zwiespältige "Freiheit des Christenmenschen" (Martin Luther) in den Mittelpunkt stellte. "Nicht die Kirche gibt uns vor, was zu glauben ist, sondern jeder hat die Verantwortung, einen eigenen Weg zu Gott zu finden." Wie sehr diese Aufgabe, einen "eigenen Weg zu Gott" zu finden, das Herzstück des lutherisch geprägten Glaubens bildet, zeigt höchst eindrucksvoll das "Augsburger Glaubensbekenntnis" von 1530, die erste und auch heute noch grundlegende Bekenntnisschrift der Lutheraner. Ursprünglich eigentlich formuliert, um doch noch eine gemeinsame Basis mit der katholischen Kirche zu finden, drückt es im Gegenteil gerade die prinzipielle Unabhängigkeit des Menschen von einer übergeordneten Institution Kirche aus. Nur durch die Gnade Gottes (sola gratia), durch den persönlichen Glauben (sola fide) und durch das Heilswerk von Christus (solus christus) können die Menschen von der Sünde und Gottesferne erlöst werden. Dementsprechend gering ist die Bedeutung der individuellen Beichte ("Wer kennt schon alle seine Sünden"), und kirchliche Anleitungen, wie man sichdurch gute Taten, Gebete oder gar dem Kauf von Ablasszetteln von der Sünde reinigt, kann es so auch nicht geben. Entscheidende Konsequenzen in Bezug auf die "Freiheit des Christenmenschen" hat auch der Grundsatz, dass keine menschliche Instanz, kein kirchliches Lehramt die richtige Auslegung der Bibel festschreiben könne (sola scriptura - einzig die Schrift selbst zählt). Jeder soll sich selbst ohne einen allwissenden Vermittler mit der Heiligen Schrift auseinander setzen (deshalb ja auch Luthers Übersetzung der Bibel ins Deutsche) und er wird sie richtig verstehen, wenn er die Gegenwart Christus' in ihr sucht. "Ein Christenmensch ist ein freier Herrüber alle Dinge und niemandem untertan", so zitierte Andreas Kühne-Glaser Martin Luther und problematisierte damit zugleich die Gefahr, dass sich die Gläubigen in einer gewissen Unverbindlichkeit verlieren könnten. "Es geht aber nicht darum, einfach tun und lassen zu können, was man will", sagte er, "sondern die Freiheit, um die es geht, ist diejenige, zu tun und zu lassen, was Christus will." Damit die Menschen darin eine Richtung bekämen, formulierte Luther den "kleinen Katechismus", der sich an den Zehn Geboten orientiert und auch heute noch im Konfirmandenunterricht gelernt wird. Die Kirche im lutherischen Sinne sei die "Gemeinschaft der Gläubigen", eine Lebensform, etwas, das nicht einfach da ist, sondern immer wieder neu "geschieht". Darin läge eine Herausforderung, die manchmal auch eine Überforderung sein könne. "Auch wenn wir eine Sehnsucht nach Eindeutigkeit und fester Anleitung haben, muss man in der lutherischen Volkskirche Gegensätze aushalten können", sagte Kühne-Glaser. Hinweis: Der letzte Termin der "Confessio"-Reihe findet statt am Donnerstag, 22. Februar, um 20 Uhr im Gemeindehaus der Baptistischen Gemeinde. Dann geht es um das Glaubensbekenntnis der Baptisten.

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