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„Vivaldi, das ist Finger-Jogging“

BAD MÜNDER. „Das ist was Besonders, kein x-beliebiges Konzert, sondern ein ganz persönliches“, sagt der Cellist Karl Simko. Ein Heimspiel, das sich der 25-jährige Münderaner schon lange gewünscht hatte.

Musikgenuss und beste Unterhaltung: Die Mitglieder des Quartetts spielen technisch brillant und amüsieren mit Details über Händel und „polnische Bierfiedler“. Foto: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

Im Rahmen der von Kantor Dean Schrammar betreuten Reihe der „Klanghorizonte“ gastierte das von Simko 2013 gegründete Quartett „4 Times Baroque“ jetzt in der mit über 100 Konzertfreunden sehr gut besuchten Petri-Pauli-Kirche.

Zu hören gab es ausschließlich Stücke von der ersten, im März bei Sony erschienenen CD des Quartetts. „Mit der sind wir jetzt auf Tour“, so Simko. „In einem gemieteten VW-Bus. Nach Bad Münder geht´s nach Altenburg, dann in die Nähe von Frankfurt.“ Dass sich junge Leute alter Musik verschreiben, sei durchaus ungewöhnlich. „Normalerweise entdeckt man die als Student erst sehr viel später“, stellt Karl fest.

Die jungen Musiker wissen ihre Zuhörer nicht nur mit technisch perfekt und ausdrucksvoll gestalteten Kompositionen von Händel, Pierre Prowo, Arcangelo Corelli und Antonio Vivaldi zu begeistern, sondern erobern auch mit ihrem Jungmännercharme schnell die Herzen der Konzertbesucher.

„Über die Angst, uns zu verspielen sind wir längst hinaus, dennoch gibt es keine Routine. An irgendetwas feilt man immer, an Klangfarben, am Ausdruck, immer wieder ist etwas neu“, erläutert Simko. Auch in Vivaldis „Kammerkonzert in F-Dur“ gäbe es „kribblige Stellen“. „Vivaldi, das ist Finger-Jogging, von Anfängern gefürchtet“, berichtet der Flötist Jan Nigges. Er erweist sich zudem als überaus unterhaltsamer Lehrmeister, der die Stücke, die Instrumente und Komponisten in jugendnaher Sprache sehr plastisch, bildhaft und humorvoll näherbringt. Und so erfahren die Besucher, dass sich hinter der Komposition von Pierre Prowo eigentlich Georg Philipp Telemann verberge. „Ein Fake, dem auch die Musikwissenschaftler des 21. Jahrhunderts aufgesessen sind“, stellt Nigges amüsiert fest. Und Händel muss mit seiner Rinaldo-Overtüre das englische Publikum „total verwirrt“ haben, so dass die Londoner sich gefragt hätten, was „der wohl während der Komposition geraucht habe“.

Die Besucher erfahren etwas von Telemann und polnischen Bierfiedlern, von denen er in einer Nacht mehr gelernt habe „als in einem ganzen Musikerleben“, hören außerdem, dass „Don Antonio Vivaldi“ eigentlich vor seiner Musiker-Karriere ein Priester war und viele andere unterhaltsame Details.

Dass „4 Time Baroque“ mittlerweile ein über die nationalen Grenzen hinaus beachtetes Niveau erreicht haben, das steht außer Frage. Für Karl Simko ist damit sicher ein Traum wahr geworden: von Bad Münder in die großen Konzertsäle Europas. Wie wohltuend ist da ein solches Konzert daheim. „Alte Kontakte, alte Gefühle“, seufzt Karl mit einem leichten Anflug von Wehmut.



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