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Am Frauentag 1967 gegründet / Keine Emanzen / Heute "ruhige Kugel"

Vier Jahrzehnte keine Männer - Kegelclub "Ohne Ihn" feiert Jubiläum

Bückeburg (bus). Weltweit wird der 8. März heutzutage als Internationaler Frauentag gefeiert. Die Tradition des Ehrentages reicht, obwohl die Quellen unterschiedliche Ereignisse als Anlass heranziehen, weit zurück. In Bückeburg kommt dem Datum in einem überschaubaren Zirkel weiblicher Mitbürger eine ganz besondere Bedeutung zu. Just am 8. März 1967 wurde in der ehemaligen Residenzstadt ein Kegelverein gegründet, dessen Mitgliedschaft sich ausschließlich aus Frauen zusammensetzt(e). Programmgebender Name des Sammelbeckens: Damen-Kegelklub "Ohne Ihn".

Das internationale Ereignis bezieht sich mal auf die Sozialistin Clara Zetkin, mal auf Arbeiter- und Soldatenfrauen, die am 8. März 1917 in Sankt Petersburg streikten. Wieder andere Darstellungen nennen Wladimir Iljitsch Lenin als Urheber. Gleichwie: 1975 ernannte die UNO den 8. März als Internationalen Frauentag an. Heute ist dieser Tag in Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Kasachstan, Kirgisistan, Kuba, Mazedonien, Moldawien, in der Mongolei, in Russland, Serbien, Tadschikistan, in der Ukraine, in Usbekistan, Vietnam und Weißrussland gesetzlicher Feiertag. Und in Bückeburg haben am 8. März die Gründungsmitglieder von "Ohne Ihn" in der Gaststätte "Fenkner" das 40-jährige Bestehen ihrer Gemeinschaft gefeiert. "Mit ihm", wie die charmante Runde betonte. Womit Hermann Fenkner gemeint war, der gemeinsam mit Ehefrau Brigitte den kegelsportlichen Aktivitäten der ursprünglich 16 Evastöchter seit dem Gründungstag des Vereins gastronomisch zur Seite steht. "Mit dem Einsetzen der neuen Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre hatten wir eigentlich nicht viel am Hut", gab die vieljährige "Kegelmutter" Ingeborg Eckert zu verstehen. Seinerzeit hätten sportliche, freundschaftliche und nachbarliche Aspekte die von Sophie Rösener begründete Vereinigung zusammengeführt. Der keineswegs emanzipatorisch unterfütterte Männerausschluss war nicht die einzige Besonderheit von "Ohne Ihn": Als die Gründerinnen zum ersten Mal zusammenkamen, war der Neubau der Fenknerschen Kegelbahn noch nicht abgeschlossen und die aktive Ausübung des Vereinssports musste noch ein Weilchen hintangestellt werden. Und heute treffen sich die Keglerinnen im Vierwochenrhythmus, ohne auch nur die Standfestigkeit eines einzigen Kegels zu gefährden. "Wir schieben jetzt sozusagen eine ruhige Kugel", erläuterte Eckert, dass bei den Zusammenkünften der gesellige Gedankenaustausch die wichtigste Rolle übernommen hat. Häufig wandern die Gedanken an diesen Abenden an Rhein und Mosel, in den Harz und an die Ostsee - alles Gegenden, die Ziele der zahlreichen Ausflüge gewesen sind. Dass die Freundinnen Sophie Rösener, Inge Pavel, Ilse Sievert und Elly Klein das Geschehen nur noch aus dem Keglerinnenhimmel begleiten können, stimmt die Frauen zwar ein bisschen traurig, kann sie aber nicht davon abhalten, weitere Tagesausflüge auf die Beine zu stellen. Während der Jubiläumsfeier freute sich die Truppe ganz speziell über die Anwesenheit von Karoline Feldermann. Die langjährige Kegelmutter blickt wachen Auges auf mittlerweile 88 Lebensjahre zurück. Auch Helga Spier, die sich große Verdienste um die Organisation der Fahrten und den Zusammenhalt der Finanzen erworben hat, galt ein besonders herzliches Willkommen. Apropos Finanzen: Paragraph 9 der "Ohne Ihn"-Satzung legt penibel dar, welche pekuniären Nachteile den Klubmitgliedern (per Statut alles "gut beleumundete Bürgerinnen") drohen. Zuspätkommen sowie das Vergessen von Nadeln oder Orden schlagen mit 50 Pfennig zu Buche, jede Pumpe befördert zehn Pfennig in die Kasse. Und unentschuldigtes Fehlen kostet eine Mark. "Mit dem Fehlen haben wir aber kaum Einnahmen erzielt", erinnerte sich die Festgemeinschaft. "Wir wollten ja immer alle dabei sein."



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