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Vier, die in große Fußstapfen treten wollen

Bad Münder. Keine Angst vor den großen Fußstapfen Rüdiger Buttes haben, Ideen entwickeln, kreativ und zielstrebig sein – so beschrieb NDZ-Chefredakteur Marc Fügmann das Anforderungsprofil für den künftigen Landrat. Vier Männer trauen sich das zu. Bei der NDZ-Podiumsdebatte zehn Tage vor der Wahl konnten sie ihre Vorstellungen, wohin sich der Landkreis entwickeln soll – und vor allem, wie das zu schaffen ist – deutlich machen. 200 Zuschauer nutzten im Martin-Schmidt-Konzertsaal die Gelegenheit, die Kandidaten kennenzulernen.

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Vom stellvertretenden Landrat Torsten Schulte (Grüne), der im kleinen Dorf Bensen aufgewachsen ist, erfuhren die Gäste, dass es in seiner Kindheit nur zweimal wöchentlich Fleisch gab; einmal werktags und dann den klassischen Sonntagsbraten. Er gehe seiner Partei beim von ihr ins Spiel gebrachten „Veggie Day“ nicht darum, den Fleischkonsum zu verteufeln, sondern das Bewusstsein dafür zu schärfen.

Uwe Schünemann (CDU) gefielen die Äußerungen des Grünen – auch seine Meinung zu Mastställen – so gut, dass er zugab: „Ich würde über dieses Thema gerne mit Herrn Schulte als Landwirtschaftsminister sprechen.“ Der 49-Jährige, der zehn Jahre niedersächsischer Innenminister war, fühlt sich zu jung für den Ruhestand und möchte „der jungen Generation eine Zukunft sichern“.

Hermann Schmidtchen (Unabhängige) zeigte sich, als mit 64 Jahren der Älteste in der Runde, kampfbereit – kein Wunder, als Oberst a.D. Er musste allerdings eingestehen, dass er sich während des Wahlkampfes wohl nur selten in Bad Münder habe blicken lassen – an ein Konzert des Polizeikorps Hannover im Martin-Schmidt-Saal konnte er sich erinnern. Das werde er als Landrat natürlich besser machen.

Tjark Bartels (SPD) versuchte, die Zuschauer mit seiner Kompetenz zu überzeugen: Als Familienvater, Jurist, Projektmanager und Bürgermeister der Gemeinde Wedemark sei er der ideale Kandidat, um den Landkreis zukunftsfähig aufzustellen.

Bad Münder wird Prognosen zufolge bis zum Jahr 2025 15 Prozent seiner Einwohner verlieren. Die Kandidaten zeigten bei diesem Thema Einigkeit: Nur durch Schaffung von Arbeitsplätzen könne dem entgegengewirkt werden. „Der einzige Grund für Menschen, ihr Zuhause zu verlassen, ist die Hoffnung auf ein besseres Leben“, ist Schulte überzeugt. Zuzug und Zuwanderung seien die Schlüsselwörter. Vor allem müsse man die Abwanderung der jungen Leute verhindern.

Schünemann möchte einen Philosophiewechsel herbeiführen – Unternehmen sollen es leichter haben bei der Ansiedlung. Dabei sollen Investitionslotsen unterstützen. „Ein großer Wachstumsmarkt in Bad Münder ist der Pflegebereich, dieser muss gefördert werden.“

Einen Blick auf die Verteilung der Gelder des Landes möchte Bartels richten. Der momentane Schlüssel berücksichtige den großen Zuzug in die Ballungsräume nicht.

Einen weiteren Aspekt sieht Schmidtchen in den Rahmenbedingungen speziell für Frauen. „Ihnen müssen die Karrieremöglichkeiten auch mit einer Familie erhalten bleiben.“

Der verstorbene Landrat Rüdiger Butte hatte einen zentralen Grundschulstandort befürwortet. Ohne Not wolle niemand Grundschulstandorte schließen, erklärte Bartels, aber irgendwann sei ein Punkt erreicht, wenn eine pädagogisch wertvolle Arbeit nicht mehr zu leisten sei. Über das Gebäude der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule als zentraler Standort könne man verhandeln. Bartels musste sich dafür verteidigen, 30 Millionen neue Schulden für einen Schulneubau in der Wedemark gemacht zu haben: „Nur mit einer attraktiven Infrastruktur können wir auf Zuzug von Familien hoffen.“

Schulte hat selbst, wie er zugab, in den vergangenen Jahren im Rat für die Schließung von zwei Grundschulen votiert. Bei den großen Anforderungen, die heute an Lehrer gestellt würden, mache es manchmal einfach keinen Sinn an Kleinstschulen festzuhalten.

Natürlich habe er sich während des Wahlkampfes nach Hachmühlen getraut, sagte Schünemann. Mit seiner Unterschrift unter den Zukunftsvertrag zwischen dem Land und der Stadt Bad Münder hatte er – damals noch als Innenminister – die Weichen für die Grundschulschließung gestellt. Und er ist auch heute noch überzeugt von seiner Entscheidung: „Der Vertrag ist eine große Chance für die Stadt.“

Als Geschäftsführer der BHW/Postbank-Akademie ist Schulte selbst Anrainer des

Deisterhangs – und kennt die Diskussion um das Maststallvorhaben. Er habe auch zu Hause in 400 Meter Entfernung einen Schweinemaststall als Nachbarn. „Mast gehört in unsere Region“, äußerte sich der Grüne für viele überraschend. Es gebe jedoch nur ein Miteinander – Einwohner und Landwirte. In diesem Fall müsse man klären, ob es nicht einen sinnvolleren Standort gebe. Schünemann stellte daraufhin Schulte die Kompetenz als Landwirtschaftsminister aus. „Man muss hier ohne Ideologien rangehen. Sobald ein Gutachten Gefahren für die Patienten bescheinigt, kann das Vorhaben nicht genehmigt werden.“ Auch Bartels verteufelte die Mastställe nicht per se: „Wir dürfen die Kette nicht am schwächsten Glied, dem Landwirt, durchbrechen.“col

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