×
Beeindruckendes Konzert von Living Colour / „Da möchte keiner Vorgruppe sein“

Vier „Crossover-Pioniere“ lassen die Bluesgarage erbeben

In den oberen Etagen der Charts ist ihr Name bis dato noch nicht aufgetaucht – kein Wunder also, dass viele mit der Band „Living Colour“ noch nichts anfangen können. Dabei gilt der Rock-Vierer, neben den Ärzten??, zurzeit als beste Band der Welt.

Und genau diese New Yorker Crossover-Legenden von Living Colour gaben letzte Woche in der Bluesgarage ein Konzert, das sicherlich in die Geschichte des „Home Of Blues“ eingehen dürfte. Sänger Corey Glover, Bassist Doug Wimbish, Gitarrist Vernon Reid und Drummer Will Calhoun gehören zu den Musikern, vor denen internationale Musikgrößen den Hut ziehen – darunter auch Ober-Stone Mick Jagger, der den Jungs ihr erstes Demo produzierte und einen Plattendeal einfädelte.

Das Album „Vivid“ ergatterte Platin, die Singleauskopplung „Cult Of Personality“ schoss bis auf Platz 6 der Billboard-Charts.

Sie tourten im Vorprogramm der Rolling Stones, sahnten 1989 bei der Grammy-Verleihung den Preis für „Best Hardrock Performance“ ab und verkauften so nebenbei im Laufe der Jahre mehr als 20 Millionen Scheiben.

2 Bilder
Wenn die Zunge das Plektrum ersetzt – Bassist Doug Wimbish bei der Arbeit.

Trotz dieser Vorschusslorbeeren wollten nur 150 Fans die „Fab 4“ in Isernhagen live erleben. Die gekommen waren, erlebten ein Konzert, das man mit Worten eigentlich gar nicht beschreiben kann.

Bereits nach dem ersten Song „Ignorance“ war dann auch jedem klar, dass es an diesem Abend ordentlich was auf die Lauscher geben würde. Zudem wechselte Bassist Doug Wimbish aufgrund technischer Probleme gleich dreimal seinen Viersaiter, bekam dann aber sein Arbeitsgerät nach dem dritten Song voll in den Griff.

Insbesondere Bassist Wimbish kocht während der gesamten Show sein eigenes spezielles Süppchen, das er mit einem Bad in der Menge auf eine besondere Art und Weise würzt. A la Jimi Hendrix marschiert er durch die Fangemeinde, liebkost sein Instrument mit der Zunge und geniest sichtlich die ihm hautnah dargebrachten Ovationen.

Eher im Hintergrund glänzt Gitarrengott Vernon Reid, der einmal mehr seine Fingerfertigkeit beweist. Vielleicht ist manchmal etwas weniger Handwerkskunst mehr, zu sehr bleibt zeitweise dass Melodische bei den Stücken auf der Strecke. Dennoch, kaum eine Gruppe wandelt so stilsicher zwischen Rock, Funk und Reggae wie Living Colour.

„Everybody Wants You When You Bi – Looking At The Girls And Eyeing All The Guys” schreit Sänger Corey Glover in die Menge, die auf sein „Everybody“ lautstark antwortet. So wird der Song „Bi“ zu einem Monumental-Song, der fast die 10 Minuten-Grenze streift.

Mit „Glamour Boys“ unternimmt man einen Kurztripp in die Welt des Pop, während man mit dem schweißtreibenden „Type“ den Zugabenblock einläutet.

Zum Schluss gibt’s dann mit „Cult Of Personality“ und „Time’s Up“ noch mal ordentlich was auf die ohnehin schon arg strapazierten Löffel. Die überdimensionale Lautsprecherwand war einfach zu groß für ein Club-Konzert. Es ist einfach schade, wenn so exzellente Musiker mit ihrem Können zeitweise im eigenen Brei versinken.

„Das war das Beste, was ich bis dato live auf der Bühne erlebt habe. Ich glaube, bei denen möchte keiner Vorgruppe sein“, schwärmte einer der Besucher neben uns und marschierte noch während des Konzerts zum Merchandising-Stand, um sich einige musikalische Kostbarkeiten der Gruppe bereits vor Ende des Konzerts zu sichern.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt