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Viele Münderaner hadern mit ihrem Kur- und Landschaftspark

BAD MÜNDER. Eva Briese genießt den Herbst. Auf einer Bank am See des Kur- und Landschaftsparks lässt sie den Blick über die Stadt schweifen. „Das ist mein Lieblingsplatz hier. Einfach nur schön.“ Wer sich zu ihr setzt, kommt sofort mit der Wahl-Hamburgerin mit münderschen Wurzeln ins Gespräch. Auch über den Park.

Rund ein Viertel der 200 Stühle vor der Musikmuschel sind zerstört worden. Fotos: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Sie könne die ewige Nörgelei der Münderaner über ihren Park nicht verstehen, sagt sie. Kaum schwärme sie im Bekanntenkreis von der Stimmung, von der Ruhe, von dem Reiher, der sich regelmäßig in Sichtweite am See niederlässt, schon schwenken ihre Gesprächspartner auf die Themen Müll, Zerstörung, mangelnde Pflege um. „Beziehungsstatus: Es ist kompliziert“, lacht Briese über das Verhältnis vieler Münderaner zu ihrem Park – und scheint damit den Punkt zu treffen.

Auf der einen Seite ist er da, der Stolz über 7,6 Hektar Parklandschaft direkt angedockt an Wohngebiete. Auf Errungenschaften wie das Gradierwerk, auf die Konzertfläche samt Musikmuschel, Bewegungspark und Brunnen. Mehr als zweieinhalb Kilometer Spazierweg durchziehen ihn, mit stattlichen Bäumen stattete ihn der Schweizer Landschaftsarchitekt Prof. Dieter Kienast vor rund 20 Jahren aus. Auf der anderen Seite wächst seit vielen Jahren der Frust über Beschädigungen, über nächtliche Partys, über den damit verbundenen Abfall. „Der Zustand des Kurparks ist der einer Müllhalde. Das ist kein Aushängeschild für Bad Münder“, stellt beispielsweise Michael Wabnitz fest.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich auch Stadt und Kur- und Verkehrsverein. Und von den aktiven Ehrenamtlichen des KVV stellen sich immer mehr die Frage, warum sie ihre Zeit und auch Geld einsetzen. „Man verliert die Lust, etwas zu machen“, räumt der Vize-Vorsitzende Hans-Werner Beisner ein.

Grüner Draht sichert die Schwarzdornbündel des Gradierwerks am Kurpark.
  • Grüner Draht sichert die Schwarzdornbündel des Gradierwerks am Kurpark.
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Neben den immer wieder neuen Attacken aufs Mobiliar, auf Errungenschaften wie das Wassertretbecken, stört ihn der Stillstand. „Wir haben das Gefühl, mit unseren Vorhaben einfach nicht weiterzukommen. Alles hängt derzeit am Kurhotel“, sagt Beisner. Die Brunnenanlagen im Park wollen die Ehrenamtlichen besser sicht- und wahrnehmbar machen, die Möglichkeiten der aktiven Freizeitgestaltung noch ausbauen. Am Montag will er mit dem KVV-Vorstand Bürgermeister Hartmut Büttner aufsuchen, um sich über die weitere Entwicklung am und im Kurpark auszutauschen. Ein Thema dabei könnte auch die Bepflanzung im unteren Teil des Parks sein, das große Beet zwischen Musikmuschel und St. Annen-Brunnen war in diesem Jahr mehrfach Thema, wenn es um den Pflegezustand des Kur- und Landschaftsparks ging. Abhilfe scheint bereits in Planung: Das Beet soll im kommenden Jahr eine Ganzjahresbepflanzung erhalten.

Zerstörte Stühle

Mehr als nur natürlicher Schwund: 200 Stühle hat der Kur- und Verkehrsverein vor fünf Jahren für 5000 Euro neu für den Kurpark angeschafft – rund 50 sind inzwischen durch Vandalismus zerstört worden. „Die Leute, zumeist Jugendliche, lassen ihren ganzen Frust daran aus“, sagt Hans-Werner Beisner, stellvertretender Vorsitzender des KVV. Damit die Stühle aus dem Park, die bei Konzerten vor der Musikmuschel zum Verweilen einladen, nicht in privaten Gärten eine neue Heimat finden, hat der Verein sie mit einem Söltjer-Symbol gekennzeichnet. Die individuelle Zeichnung schreckt vielleicht Diebe ab, schützt aber nicht vor mutwilliger Beschädigung. Besonders häufiges Schadensbild: Abgebrochene Rohre im Lehnenbereich und scharfe Kanten. Wer auf den Stühlen Platz nimmt, tut gut daran, vorher einen genauen Blick auf das Sitzmöbel zu werfen – will er nicht auf dem Rücken landen.

Teurer Schwarzdorn

Nicht schön, aber sicher: Grünes Maschendrahtgeflecht sichert seit dem Sommer den Schwarzdorn des Gradierwerks. Als es vor fast 30 Jahren errichtet wurde, war bereits klar, dass der Schwarzdorn irgendwann ersetzt werden muss – doch bei der chronisch klammen Stadt wurde die finanziell aufwendige Sanierung immer wieder geschoben. Die Folge: Der Notbehelf Maschendraht sorgt nun dafür, dass der Schwarzdorn an Ort und Stelle bleibt und das feine Zerstäuben des herabrinnenden Sohlewassers ermöglicht. Soll der Schwarzdorn erneuert werden, wird das durchaus ein finanzieller Kraftakt: Wurden vor fünf Jahren die Kosten noch auf rund 20 000 Euro geschätzt, wird inzwischen nach KVV-Angaben mit Kosten zwischen 70 000 und 120 000 Euro gerechnet.



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