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Viele Helfer bauen der Hamel ein neues Bett

Hameln (tk). Kleiner Fluss mit Modellcharakter: In den Sommermonaten bekommt die Hamel bei Groß Hilligsfeld ein neues Bett. Dann rollen Bagger in dem Hamelner Ortsteil an, bewegen 6000 Tonnen Erde und leiten die Endphase des „Modellprojekts Hamel“ ein. Auf einer Länge von 120 Metern soll der Fluss verlegt werden, um das Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen.

Die Hamel bei Groß Hilligsfeld wird verlegt. Die alte Mühle ist ein Wanderhindernis für viele Fischarten.

Hameln (tk). Kleiner Fluss mit Modellcharakter: In den Sommermonaten bekommt die Hamel bei Groß Hilligsfeld ein neues Bett. Dann rollen Bagger in dem Hamelner Ortsteil an, bewegen 6000 Tonnen Erde und leiten die Endphase des „Modellprojekts Hamel“ ein. Auf einer Länge von 120 Metern soll der Fluss verlegt werden, um das Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen.
 Seit drei Jahren arbeiten mehrere Verbände, örtliche Initiativen und die Kommunen Hameln, Bad Münder und Coppenbrügge als Partner unter der Trägerschaft des Unterhaltungsverbandes zusammen, um das „Modellprojekt Hamel“ zu realisieren. Es ist eines von mehreren in Niedersachsen geförderten Pilotvorhaben, in denen effektive Maßnahmen zur künftigen Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU erprobt werden sollen. Diese sieht vor, die Durchlässigkeit für Fische und Pflanzen in den Gewässern zu verbessern.
Baumaßnahme
kostet 200 000 Euro
 
 Viel sei bereits erreicht worden, sagt Andreas Bruns, Leiter der Unteren Wasserbehörde in Hameln. „Die umgesetzten Maßnahmen reichen aber noch nicht aus, um den gewünschten Zustand zu erzielen.“ Bisher wurden an der Hamel Neubepflanzungen vorgenommen, Kiesbänke eingebracht, Abstürze beseitigt und Wehre aufgelöst. Bis 2015 muss die Lenkungsgruppe, die das Projekt betreut, die Richtlinien umsetzen. Nun steht die Stadt vor einem der größten Vorhaben – die Hamel bekommt in Groß Hilligsfeld auf einer Länge von 120 Metern ein neues Flussbett, denn bisher verhindert die Wehranlage der ehemaligen Mühle die Durchgängigkeit für Fische und wirbellose Tiere. „In der Mühle stürzt das Wasser drei Meter in die Tiefe; keine Chance für Fische, diese Hürde zu überwinden, um stromauf- oder abwärts zu schwimmen“, so Bruns. Der nördliche Bogen der Hamel soll daher mit dem Aushub des neuen, weiter südlich gelegenen Bachlaufes verfüllt werden, gleichzeitig soll der neue Verlauf ein natürliches Gefälle bekommen: mit Steil- und Gleithängen und Störsteinen, die für Dynamik sorgen sollen. Außerdem sollen Laichplätze für Lachse entstehen. Die Stadt plant, auf 400 Metern links und rechts des Baches Auenwiesen anzulegen, mit typischen Gehölzarten wie Erlen, Weiden und Eschen – eine Maßnahme, die auch dem Hochwasserschutz Rechnung trägt, erläutert der Fachmann. 
 Rund 200 000 Euro wird das gesamte Bauvorhaben kosten. Mit 20 000 Euro ist die Stadt Hameln beteiligt, weitere 50 Prozent stammen aus EU-Geldern, 40 Prozent trägt das Land. Bereits im Vorfeld hatte die Kommune die angrenzenden Grundstücke erworben, um dem Projekt ein entsprechendes Landschaftsbild geben zu können.
 „Hintergrund der umfangreichen Arbeiten an dem Gewässer ist seine Bedeutung für den Artenschutz. Die Hamel und weite Bereiche der umgebenden Flächen sind als sogenanntes FHH-Gebiet ,Hamel und Nebenbäche eingetragen“, erklärt Bruns. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) weist bestimmte Gebiete als besonders schützenswert aus. Als passionierter Angler weiß der Leiter der Behörde, dass Groppen und Bachneunaugen in der Hamel leben – beides sind seltene und geschützte Fischarten. Außerdem hätten Untersuchungen des Landes ergeben, dass die Hamel große Potenziale für Auenwälder habe und das bestimmte Staudenarten vorhanden seien, die andernorts nicht mehr existieren. Nun versprechen sich die Planer von der Umleitung der Hamel, dass gerade diese seltenen Fisch- und Pflanzenarten auch von hier aus in andere Bäche wandern und dort wieder heimisch werden.
 Daran arbeiten nicht nur die städtischen Mitarbeiter, sondern auch Helfer des Nabu, Interessengruppen der Landwirtschaft und Fischereivereine mit. Gemeinsam wollen sie nun die Umleitung stemmen.



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