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Viele ehrenamtliche Brandschützer kämpfen gegen Vorurteile

BAD MÜNDER. Das Klischee ist in den Köpfen: Neues Gebäude, neue Autos, neue Ausrüstung – all das Geld für die paar Leute, die eh nur rumsitzen und ab und zu mal einen trinken wollen. Und wenn es brennt, kommt ja dann doch die Berufsfeuerwehr – und die Freiwilligen gucken zu. Pustekuchen!

Ehrenamt in herausragender Position: Mündersche Feuerwehrleute setzen sich aus Berufung für andere ein. Foto: Rathmann/Archiv
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Wer in Bad Münder ein Haus löscht, einen Schwerverletzten aus dem Auto schneidet, Keller auspumpt, abgebrochene Äste zersägt, ausgelaufenes Öl abstreut, Veranstaltungen überwacht und noch vieles mehr – der macht das ehrenamtlich. Nicht als Beruf, sondern als Berufung. Als Hobby. Weil er helfen will, Tag und Nacht, in seiner Freizeit. Beruf, Schule, Studium, Familie, Freunde – all das müssen die Kameraden mit ihrer Tätigkeit vereinbaren. Und darauf setzen, dass ihr Umfeld tolerant genug ist, um Übungen, Schulungen und nie planbare Einsatzzeiten mitzumachen.

„Ich muss leider immer wieder feststellen, dass es in der Bevölkerung diesen weitverbreiteten Irrtum gibt“, sagt Nettelredes Ortsbrandmeister Matthias Heber. Er werde nach Bränden oder anderen Großalarmen immer wieder gefragt, ob denn auch die örtliche Freiwillige Feuerwehr dort war. Viele wüssten zwar, dass es diese gibt – „allerdings ist der Irrglaube, dass eine Berufsfeuerwehr von wo auch immer noch zu den Einsätzen kommt“.

Es gibt gute Gründe, so etwas zu glauben. Große Feuer löschen, Schwerverletzte aus Autowracks bergen, gefährliche Stoffe beseitigen – und Tag und Nacht bereit sein, das klingt nach einem Vollzeitjob. Und der ist es ja in manchen Gegenden auch: In Niedersachsen müssen Städte ab 100 000 Einwohner eine Berufsfeuerwehr einrichten, darunter ist dieser Schritt freiwillig. In Hameln gibt es eine hauptberufliche Wachbereitschaft, eine Art Grundgerüst mit 35 Kräften.

Die gleiche Arbeit, mal haupt-, mal ehrenamtlich: Man stelle sich vor, das gäbe es bei Lehrern oder Elektrikern.

Eine kleine Kommune wie Bad Münder, zumal noch in Finanznöten, könnte sich eine Berufsfeuerwehr ohnehin kaum leisten. Sie ist froh um jeden Freiwilligen, der diese wichtige Aufgabe unternimmt. Und ist – zusammen mit der ebenfalls ehrenamtlichen Politik als Entscheider – verantwortlich dafür, die Feuerwehr angemessen auszustatten. Angefangen von Schläuchen über Uniformen, Werkzeuge und Atemschutz bis hin eben zu Fahrzeugen und Gebäuden. Genau diese Investitionen – gerade arbeitet die Stadt ein vom Rat beschlossenes 11,5-Millionen-Euro-Paket ab – spielen durchaus eine Rolle in Sachen Irrglauben, findet Stadtbrandmeister Carsten Koch: „Die Leute sagen dann: Guck, da bekommen die paar Hansel im Dorf ein neues Fahrzeug, damit sie mit Blaulicht rumfahren können.“ Dass die paar Hansel genau so geschult und ausgebildet sind wie Berufsfeuerwehrleute und mit ihrem Fahrzeug auf dem neusten Stand der Technik auch in den Nachbarorten im Notfall da sind: leider zu oft nicht bekannt.

Ortsbrandmeister Heber kann aus Nettelrede viele Erlebnisse voller Missverständnisse schildern. Dabei kommen die Fragen („Wart ihr da – oder hat das nur die Berufsfeuerwehr gemacht?“, „Geht ihr auch in brennende Häuser“?) durchaus von Menschen, die fest im Ortsleben verwurzelt sind.

Mitunter ärgert Stadtbrandmeister Koch die Einstellung einiger Bürger, die mit dem großen Missverständnis einhergeht. Menschen, die nicht wissen, dass sie mit einem Anruf den ehrenamtlichen Feuerwehrmann, die ehrenamtliche Feuerwehrfrau von der Familie oder vom Arbeitsplatz wegholen. „Die denken, wir sitzen den ganzen Tag im Feuerwehrhaus und warten auf den Alarm“, sagt Koch. Anrufen soll man trotzdem, wenn etwas ist, keine Frage. Aber immer mit dem Wissen: Wer da kommt, um mir zu helfen, der macht das, weil er es wichtig findet. Und nicht fürs Geld.



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