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Evangelische Kirche kündigt ihren Gemeinden deutliche Kürzungen bei Gemeindehäusern an

Viel Platz für immer weniger Mitglieder

Bad Münder (jhr). Immer weniger Mitglieder, Sanierungsstau, Pastoren im Gemeinde-Spagat, weniger Geld – die Gemeinden der evangelischen Kirche stehen vor großen Herausforderungen. Bislang wurde beim Personal gespart, ab 2013 soll auch bei den Gemeindehäusern gespart werden. Wie viel Geld dann in den einzelnen Gemeinden für Bewirtschaftung und Instandhaltung zur Verfügung gestellt wird, hängt von der Zahl der Mitglieder ab. Fest steht bereits: Für einige Gemeinden wird die Unterhaltung ihrer Gebäude deutlich schwieriger.

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Seit 1997 gibt es bereits eine Richtlinie der Landeskirche Hannovers, nach der die Gemeinderaumflächen an die Zahl der Mitglieder gekoppelt werden sollen. Jetzt wird sie auch umgesetzt: Während der jüngsten Sitzung des Kirchenkreistages votierten die Delegierten für eine Änderung der Finanzsatzung. Ab 2016 sollen nur noch Zuweisungen entsprechend der Mitgliederzahl gewährt werden. Von 2013 an werden die bislang darüber hinausgehenden Zuweisungen jährlich sukzessiv gekürzt. „Wir haben einen deutlichen Überhang an Gemeinderaumflächen“, hat Regine Koch, Leiterin des Kirchenkreisamtes Hameln, mit ihren Mitarbeitern festgestellt. In Regionalkonferenzen hat sie den Beteiligten erläutert, was ihr Amt im Jahr 2010 ermittelt hat: Nach dem vorgegebenen Schlüssel stand tatsächlichen Gemeinderäumen in einer Größenordnung von 10 658 Quadratmetern ein Soll von 6776 Quadratmetern gegenüber. „Wir haben es vorgestellt, damit man bei Zeiten anfängt, darüber nachzudenken – und nicht erst 2013, wenn die Reduzierungen in Kraft treten“, sagt Koch.

Im Bereich der Kirchengemeinden in Bad Münder wird deutlich, wie groß die Unterschiede im Raumangebot der einzelnen Gemeinden sind – und wie weit sie teilweise von der Vorgabe abweichen. Die Diskrepanz ist in der Petri-Pauli-Gemeinde besonders groß: Auf 425 Quadratmeter beläuft sich der Soll-Wert – tatsächlich gehören zur Gemeinde 825 Quadratmeter. „Eigentlich ist es nicht zu viel“ sagt die Kirchenvorstandsvorsitzende Margret Luther. Gerechnet werde ja nicht nur der große Gemeindesaal, sondern auch viele kleinere Räume – die allerdings genutzt werden: als Jugendraum, für einen Spielkreis, als Archiv, als Sekretariat. Sie sieht die Gemeinderaum-Frage als eines der großen Themen für den im März neu zu wählenden Kirchenvorstand. Thema wird es auf jeden Fall: Gerade im neueren Teil des Gemeindehauses, gebaut in den 70er Jahren, stehen Sanierungsarbeiten an.

In Bakede gibt es derzeit keinen Flächenüberhang. Mit dem Neubau des Kindergartens wurden zwar Gemeinderaumflächen frei, gleichzeitig wird das Gebäude aber neu strukturiert, sodass es den Vorgaben der Landeskirche entspricht.

Im Beber sieht das anders aus: Der Bestand liegt bei rund 180 Quadratmetern, der Gemeinde stehen aufgrund ihrer Mitgliederzahl aber nur 115 Quadratmeter zu. „Für so eine kleine Gemeinde wie Beber, die nicht so einen großen Haushalt hat, ist das schon ein empfindlicher Einschnitt, wenn wir bis 2016 anteilig die Sach- und Baukosten kürzen“, sagt Koch. Kirchenvorstandsvorsitzende Ursula Buschhorn verweist auf Gespräche, die sie mit ihren Kirchenvorstandskollegen zu dem Thema führen will. Wichtig ist ihr, dass das Ensemble von Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus langfristig erhalten bleibt. „Dafür haben wir schon in den 80er Jahren gekämpft“, sagt sie.

Auch in Eimbeckhausen ist der Bestand mit 200 Quadratmetern höher als er nach den Vorgaben der Landeskirche sein dürfte – 162 Quadratmeter. „Dort gibt es Überlegungen, wie man zu Veränderungen kommen kann“, erklärt Koch. Pastor Dirk Jonas weist darauf hin, dass intern bereits diskutiert werde, wie das ehemalige Pfarrhaus direkt neben dem Gemeindehaus gestaltet werden könnte, damit auf das Gemeindehaus-Gebäude verzichtet werden kann. „Bislang gibt es aber keine konkrete Planung“, stellt er heraus.

„Flegessen und Nettelrede haben keine Probleme, da ist alles stimmig mit den Quadratmeter-Vorgaben“, erklärt Koch. 120 Quadratmeter sind es in Flegessen, 100 in Nettelrede. In Hachmühlen allerdings hat die Gemeinde mehr Platz zur Verfügung als nach dem Schlüssel vorgesehen: 160 Quadratmeter sind vorhanden, 115 würden der Gemeindegröße entsprechen. „Die Situation ist sicher nicht so, dass Gemeinden etwas abtrennen oder verkaufen müssen. Aber man kann ja beispielsweise schauen, ob man andere Nutzer mit hereinbekommt, die sich an den Kosten beteiligen“, so Koch.

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