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Nach ihrer Zeit bei Ikea arbeitet Sandra Hofmeister (33) als Einrichtungsberaterin

Viel mehr als bloß "Kissenknickerin"

Rinteln. Bis vor kurzem richtete die Rintelner Innenarchitektin Sandra Hofmeister (33) beim Möbelhaus Ikea die Musterzimmer ein, vom großen Möbelstück bis hin zum kleinsten Accessoire. Nun aber macht sie sich als Einrichtungsberaterin selbstständig - und wer mit ihr spricht, der kann sofort große Lust bekommen, in der eigenen Wohnung alles ne u zu machen.

Sandra Hofmeister. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Man kann mit der Architektur so viele Gefühle ausdrücken", sagt sie. "Und an der Art, wie eine Wohnung eingerichtet ist, merkt man sofort, ob die Menschen hier gerne wohnen oder ob sie einfach nur so da sind." Was ihre eigene Wohnung betrifft, da beschwerte sich ihr Freund schon früh, dass jedes Mal, wenn er nach Hause kommt, alles schon wieder ganz anders aussieht. "Ja, es ist eben immer schwerer, seine eigene Wohnung einzurichten, als den anderen gute Hinweise zu geben", meint sie dazu. Eigentlich wollte sie Architektin werden und hatte sich in Detmold an der Fachhochschule beworben. Da es Wartezeiten hinzunehmen galt, machte sie in der Zwischenzeit eine Zimmermannslehre bei Requardt in Rinteln und gehörte neben einer jungen Kollegin zu den ersten beiden Frauen in ganz Niedersachsen, die "Zimmerinnen" wurden. Während dieser Zeit ging es oft darum, an alten Häusern das marode Fachwerk zu ersetzen, und dieser Umgang mit dem Holz hat sie schon auf manche verrückte Idee rund um ihre eigenen Möbelentwürfe gebracht, Esstische aus rohen Dielen etwa, oder kleine Beistelltische, bestehend aus Holzstämmen mit Metallfüßen. Schließlich hatte sie die Möglichkeit, in Detmold als Nachrückerin ein Studium der Innenarchitektur zu beginnen, die Entscheidung musste ganz schnell fallen, und da sie zum Zeitpunkt der Benachrichtigung noch im Urlaub war, schickte sie ihren Großvater zur Universität, damit er sie einschreiben sollte. "Ich sah es als ein Zeichen an", sagt sie. "Und ich bin froh, dass ich es erkannt habe." Die Innenarchitektur ist nicht nur "Kissenknickerei", sondern umfasst praktisch alle Gebiete, die irgendwie das Innenraumleben betreffen, vom Grundrisszeichnenüber Bauplanerarbeitung bis hin zur Bauabnahme, falls man mit anderen Gewerken zusammengearbeitet hat. Das spielte allerdings während ihrer Arbeit in der Marketingabteilung von Ikea keine so große Rolle. Dort ging es darum, die Ikeamöbel so in Szene zu setzen, dass sich die Möbelhausspaziergänger problemlos vorstellen könnten, dort sofort einfach einzuziehen. Zu jeder dieser Zimmerparzellen (auch Bad und Küche darunter) gehörte eine Art Geschichte und Biographie ihrer virtuellen Bewohner, um die herum die passende Einrichtung gebaut wurde. Als aber die Entwürfe immer stärker aus Schweden selbst vorgegeben wurden und sie nur noch umsetzen durfte, was von der Firmenstrategie her vorgeplant war, entschloss sich Sandra Hofmeister, zu kündigen und eigene Wege zu gehen. "Ich kann mich auf jeden Wohnstil einlassen - egal ob die typischen ,Eiche rustikal'-Möbel dazu gehören sollen, ob es darum geht, Küche und Wohnzimmer zu vereinen oder eine ganz modern puristische Einrichtung zu entwerfen", sagt sie. "Oft, wenn etwas nicht stimmig ist, reicht es schon, eine Wandfarbe zu ändern, einige Möbelstücke einfach zu entfernen oder verschiedene Lichtquellen geschickt zur Raumgestaltung einzusetzen. Die meisten Leute achten ja gar nicht aufs Licht und was man damit erreichen kann." "Raum-Rausch" heißt ihr Beratungsunternehmen, das im Logo kühle Buchstaben mit einer verspielten Schleife vereint und auch im Internet mit einer Online-Wohnberatung präsent ist. Die Einrichtung des Rintelner Tennisheimes und der "Kosmetikinsel" gehören zu ersten Arbeiten vor Ort. Ihre eigene Wohnung übrigens ist ganz und gar sparsam eingerichtet, wenige Möbel, im Laufe des Lebens zusammengetragen, kein einziger großer Schrank, weiße Wände, einige großformatige Bilder. "Ich hab's halt gern kahl", meint sie. Und sieht doch mit ihren langen blonden Haaren und der rosaroten Kleidung eigentlich so aus, spricht so lebhaft, dass man genau das Gegenteil vermutet hätte.



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