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Versuchter Mord in Hameln: Entsetzen über mutmaßlichen Täter

EIMBECKHAUSEN/HAMELN. Wer ist der Mann, dem vorgeworfen wird, auf seine Frau eingestochen und die Schwerverletzte dann an einem Seil hinter seinem Auto durch die Straßen von Hameln gezogen zu haben, während der gemeinsame zweijährige Sohn auf der Rückbank saß?

Nurretin B. – Kollegen und Bekannte rätseln, was ihn zu der unfassbaren Tat brachte.
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Bei Kollegen und Sportkameraden in Eimbeckhausen gibt es seit Bekanntwerden der Tat am Sonntagabend kaum ein anderes Thema als die Frage: Wie konnten wir uns so täuschen?

Wer mit Nurretin B. gemeinsam beim Büromöbelhersteller Wilkhahn arbeitete, lernte ihn offenbar als durchaus sympathischen Mann kennen. „Jemand, der bei Problemen seine Hilfe anbietet“, sagen Kollegen. Anderen ist der 38-Jährige als stets „lustig, manchmal sogar albern und mit großer Klappe“ in Erinnerung. „Er macht gerne den Clown“, sagt ein Mann, der lange mit ihm zusammengearbeitet hat.

Nur zwei Bereiche habe es gegeben, über die mit B. nicht zu reden gewesen sei, zu extrem sein Standpunkt: Frauen und Politik, speziell die Rolle der Frau in der Gesellschaft und die Politik der PKK, der Kurdischen Arbeiterpartei: „Sein Bild von Frauen hat sich nach der Trennung von seiner ersten Ehefrau massiv verändert. Die Trennung hat ihm sehr zugesetzt, er war länger krank. Danach waren Frauen für ihn nur noch zum Putzen, Waschen, Kochen und fürs Bett da“, so ein Bekannter. Mehrere Beziehungen scheiterten, neben der zum späteren Opfer Kader K. und seiner ersten Ehefrau auch die zu einer weiteren Frau, die aus der Türkei zu ihm nach Eimbeckhausen kam.

Und auch die Unterstützung radikaler Positionen der PKK irritierte sein Umfeld. Häufiger sei er zu Demonstrationen und Kundgebungen der PKK gefahren, nach Köln oder Bonn. „Seine Meinung, dass Terrorakte in der Türkei der richtige Weg seien, um die Sache der Kurden zu unterstützen, hat zu vielen Streitgesprächen geführt“, berichtet ein Kollege. Nurretin B. ist deutscher Staatsbürger, hat aber einen türkisch-kurdischen Hintergrund.

Aufgewachsen ist B. mit zahlreichen Geschwistern in Eimbeckhausen. Er besuchte die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule, machte dort seinen Hauptschulabschluss. Er engagierte sich im Sport, der begeisterte Fußballer spielte beim VfB Eimbeckhausen und beim TSV Nettelrede, war zeitweise auch Trainer. Auch bei denen, die ihn vom Fußball kennen, löst die Tat Erschütterung und Fassungslosigkeit aus. „Er war immer der Erste, wenn es irgendwo anzupacken galt. Ein Kumpel“, sagt ein Sportkamerad. Eine Kurzschlusshandlung trauen ihm Bekannte zu, „aber keine in dieser Form, mit dieser Brutalität. Was ist bloß in ihn gefahren? Er scheint zwei Gesichter zu haben.“



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