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Wilhelm Bödeker gibt zwei Ölgemälde aus Familienbesitz an die Rodenberger Jacobi-Gemeinde

Vergessener Pastor kehrt auf Leinwand zurück

Rodenberg (bab). Nach 350 Jahren haben zweiÖlgemälde den Weg zurück nach Rodenberg gefunden. Die Bilder, die sich seit Mitte des 17. Jahrhunderts in Familienbesitz befunden haben, zeigen den ehemaligen Pastor Julius Tegt meier und dessen Frau. Durch eine Schenkung der Nachfahren bekommen die Bilder jetzt einen Platz in der Kirche. Unter Tegtmeier schlossen sich die Kirchengemeinden Rodenberg und Grove zu einer Gemeinschaft zusammen.

Obwohl der 1597 geborene Tegtmeier 26 Jahre in Rodenberg tätig war, ist sein Wirken in der Mithoff-Chronik anders dargestellt. Dabei fällt in die Amtszeit des vergessenen Pastors von 1638 bis 1664 die Vereinigung der Rodenberger mit der Grover Gemeinde. Die St.-Jacobi-Gemeinde weist in ihrer eigenen Chronologie den Seelsorger Tegt meier als Nachfolger eines Ludolf Koritzer und Vorgänger eines Rudolf Lodemann aus, wie der heutige Pastor Ralf Janßen aus der Kirchenliste entnimmt. Beide kommen bei Mithoff auch vor, dass Lodemann aber als Amtsnachfolger eines Konrad Mensching erwähnt wird, ist rätselhaft. Dafür taucht die Person Tegtmeiers bei Mithoff im Jahr 1669 auf. Tegtmeier starb aber 1664. Der 87-jährige Wilhelm Bödeker aus Hannover ist der Spender der Ölgemälde. Der darauf abgebildete Pastor Julius Tegtmeier und dessen Frau Maria Christina sind Vorfahren von Bödekers verstorbener Frau Liselotte. Bödeker versichert, dass die Familienchronik Tegtmeiers Wirken in Rodenberg von 1638 bis 1664 belegt. "Man kann mit Sicherheit sagen, dass er in Rodenberg zu der Zeit Pastor war", beteuert er. Der Name Mensching sagt ihm etwas, dessen Rolle kann er aber nicht einordnen. In Mithoffs Aufzeichnungen wird beklagt, dass esüber die Zeit um die 1640er Jahre kaum Aufzeichnungen gibt. Über die Zeit zuvor schreibt Mithoff aber auch über die Kirchengemeinden detailliert. Es waren turbulente Ereignisse, die sich während des Dreißigjährigen Krieges in Rodenberg abgespielt haben. Die Ölgemälde entstanden 1650, zwei Jahre nach Kriegsende. 1629 wurden demnach Wallonen in der Stadt einquartiert. Deren Brutalität kostete den Nachtwächter das Leben und danach schändeten die Truppen die Kirche. Pastor war damals besagter Koritzer, der im Kampfgetümmel von einem Degenhieb auf den Kopf schwer verletzt wurde. Weil auch ein Korporal durch die Kämpfe zwischen Bürgern und Soldaten das Leben ließ, rächtensich die Wallonen auf Befehl des Majors. Am Ende wurden die Rodenberger gezwungen, ihre Kirche selbst in Brand zu setzen. Diese stand an der Kapellengate. Den Rodenbergern, die hofften, ihre Kirche irgendwann wieder aufbauen zu können, fehlte aber schlichtweg das Geld. Sie durften deshalb mit Erlaubnis von Bürgermeister und Rat in die Grover Kirche zum Gottesdienst gehen. Dem Wunsch sei entsprochen worden, weil die kirchlichen Interessen der beiden Gemeinden seit der Reformation eng miteinander verknüpft und ohnehin nurein Pastor für beide zuständig gewesen sei, so die Chronik. Zudem hatte der Krieg die Bevölkerung arg dezimiert. Zur endgültigen Vereinigung kam es aber erst 1643, als die Rodenberger die Hoffnung auf eine eigene Kirche aufgegeben hatten. Sowohl Bödeker als auch Janßen wundern sich, dass Tegtmeier bereits 1650 zwei Gemälde in Auftrag geben konnte. "Das zeugt davon, dass es wieder einen gewissen Wohlstand gab", meint Janßen. Die Bilder haben alle Zeiten überstanden und auch in der jungen Vergangenheit noch abenteuerliche Geschichten erlebt. So wurden sie 1973 mittels wohlwollender Hilfe einer Kulturbeauftragten aus der DDR von Liselotte Bödekers Vater zur Tochter in die Bundesrepublik geschickt. Als Wert wurde der zur Ausführung erlaubte Höchstbetrag von 100 Ostmark angegeben. Da Bödekers Töchter keinen Anspruch auf die Gemälde erheben, hat er sie nun an die Kirche verschenkt. Janßen hat sie aus Hannover abgeholt und wird sie am 1. Advent der Gemeinde im Gottesdienst übergeben.




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