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Kriegsgräber und Hexenteiche: "Historischer Ortsspaziergang" durch Schaumburg

Verbrecher kamen in den Glockenturm

Schaumburg (clb). In die Welt des Mittelalters, zu Türmen und Burgen, und in die Zeit, als die Grafen noch herrschten, führt der historische Dorfspaziergang diesmal - in den Ortsteil Schaumburg, benannt nach der bedeutendsten erhalten gebliebenen Burganlage im gesamten Wesertal. Vor der gespaltenen Linde, die sich vor dem Eingang der Burg befindet, beginnt zugleich die 6,8 Kilometer lange historische Route.

Von der Gerichtslinde bis zum Schaumburger Ritter: 6,8 Kilometer

Gerichtslinde: Die riesige, im Laufe der Jahre auseinander gewachsene Linde gilt mit ihren mindestens 500 Jahren alsältester Baum des Landkreises. Da in germanischer Zeit unter ihr regelmäßig Gerichtstage stattfanden, trägt sie den Namen Gerichtslinde. Torhaus: Das Tor, Eingang in die Burg, beherbergtüber seinem gotischen Untergeschoss die im frühen 17. Jahrhundert umgestaltete Drostenwohnung. Die "Welsche Haube" des Torturmes wie auch der Fachwerkanbau sind bei der Renovierung 1908 hinzugefügt worden. Georgsturm: Der 30 Meter hohe Bergfried, auch "Dicker Turm" genannt, war am Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch ein rund zehn Meter hoher Stumpf erhalten. Wieder aufgebautüberstand er 1945 mehrere Artillerietreffer, die heute noch zu sehen sind. Palas: An der Südseite zum Wesertal erhebt sich der Renaissancebau des Palas, auch "Schloss" genannt. Dieser diente im 16. Jahrhundert als Witwensitz. Glockenturm: Der von Efeu eingerahmte Turm war lange Zeit das Amtsgefängnis. Hier saßen unter anderem auch mehrere Studenten aus der Rintelner Universität ein. Um 1800 folgte der moderne Anbau an den Torturm. Coverden: Von der Schaumburg geht es zur nächsten Station, der Domäne Coverden. Von dort aus ließen die Grafen das zur Burg gehörende Land bebauen. Streuobstwiesen: Unterhalb der Domäne erstrecken sich zwei große Streuobstwiesen mit Apfel- und Birnenbäumen, auf denen eine Bewirtschaftung ohne den Einsatz von Pestiziden erfolgt. Hohlwegbündel: Auf der Weide nördlich der Domäne ist ein sogenanntes Hohlwegbündel zu sehen: Ehemalige Saumpfade, die vor Jahrhunderten hangaufwärts zur Burg führten. Das Hudewaldstück repräsentiert die frühe Waldnutzung vor der Forstwirtschaft der letzten 200 Jahre. Kastanienallee: Die Allee mit den unzähligen Rosskastanien befindet sich unterhalb des Dorfes und ist ein bei Spaziergängern beliebter Weg. Friedenseiche: Neben der Rosenstraße befindet sich die Friedenseiche, die anlässlich des 100. Jahrestages der Völkerschacht bei Leipzig gepflanzt wurde. Rosenthaler Straße 15: Das als Pension gebaute Haus diente seit 1936 als Kinderheim. Feuerwehrgerätehaus: An der Einmündung zum Postweg befindet sich das 1953 gebaute Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr. 1982 pflanzte der damalige Ortsbürgermeister Karl Lorenz eine dort eine Friedensbuche. Trafohaus: 1910 wurde im damaligen Ostendorf mit dem Bau von Anlagen zur elektrischen Stromversorgung begonnen. Seit 2005 wird das Trafogebäude vom Verkehrs- und Heimatverein genutzt. Panoramaweg: Die Burgstraße gilt als sogenannter Panoramaweg mit unvergleichlichem Blick auf die Schaumburg und das Wesertal. Kriegsgräberstätte: Weiter geht es nun in Richtung Paschenburg. Die 1982 angelegte Kriegsgräberstätte erinnert an die Abwehrschlacht, die in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges im Schaumburger Land stattgefunden hat und bei der Hunderte von Soldaten starben. Paschenburg: Diese Burg ist ein 1842 durch Revierförster Karl Kayser errichtetes Gasthaus, das einst von einem Park umgeben war. Von dem Aussichtsturm soll man, so heißt es, 26 Flussbiegungen der Weser sehen können. Die Hexenteiche: Bis 1680 wurden 400 Personen in der Grafschaft Schaumburg der Hexerei verdächtigt und hingerichtet. Richter ließen zur Wahrheitsfindung die "Wasserprobe" durchführen, bei der die Verdächtigten an einer Leine befestigt und ins Wasser gelassen wurden. Höchstwahrscheinlich sind auch die beiden Teiche östlich der Schaumburg Schauplatz dieser Szenarien gewesen. Schaumburger Ritter: Der Rundgang endet wieder an seinem Anfang - an der Schaumburg. Das davor liegende Gasthaus "Schaumburger Ritter" ist wohl dasälteste im Rintelner Stadtgebiet. Bereits im 15. Jahrhundert sollen dort Bauern, Lieferanten und Söldner eingekehrt sein.

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