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Podiumsdiskussion der Grünen findet reges Interesse / „Scheinsicherheit führt Landwirte in Sackgasse“

Vehementes Plädoyer gegen „Agrarfabriken“

Bad Münder (hzs). „Wollen wir in Zukunft eine naturverträgliche Landwirtschaft mit traditionellen bäuerlichen Betrieben oder risikobehaftete industrielle Agrarfabriken mit Qualzuchten?“ so die zentrale Frage der Diskussion, zu der die Bündnis90/Die Grünen in die Rohmelbad-Gaststätte eingeladen hatten. Resonanz und Interesse waren groß, obgleich kaum unterschiedliche Standpunkte aufeinander prallten: Betroffene Landwirte waren ferngeblieben, und so oblag es allein dem münderschen Grünen-Chef Dr. Helmut Burdorf, den Sachstand zu den Reizthemen „Hähnchen- und Schweinemast in Bad Münder“ zusammenzufassen.

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Der „Notanker Veränderungssperre“ habe Zeit verschafft, um das Gespräch ebenso wie den notwendigen Kompromiss zu suchen. Selbst ein geruchloser Stall, so Burdorf, sei dabei jedoch nicht akzeptabel. Tierschutz, so die einhellige Meinung der Anwesenden, bleibe ein „Knackpunkt“ und bei den Maststall-Planungen in Bad Münder nach wie vor ungelöst.

Stallgrößen, Mistentsorgung, Geruchsbelästigung, Vogelgrippe – Themen, die sehr engagiert diskutiert wurden, ehe unter der Moderation der stellvertretenden Grünen-Landesvorsitzenden Anja Piel Eckehard Niemann vom „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ und der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer die lokale Problematik auf eine landes- und bundesweite Ebene hoben. Ihre Feststellung: Es seien Agrarkonzerne wie Wiesenhof und Rothkötter, die die Fäden der Landwirtschaftspolitik zögen. Schon jetzt drohe bei stagnierendem Verbrauch eine Überproduktion. Doch infolge der „Versippung“ von Landesregierung, Bauernverband und Großbetrieben würden der verhängnisvolle Weg der Agrarkonzerne und der ihnen zuliefernden abhängigen Mastbetriebe massiv weiter beworben. „Die Folge: Die Bauern sterben langsam“, so Niemann, der nachdrücklich vor Investitionen ins System der Mastbetriebe warnte. In der vermeintlichen Sicherheit lauere, angeheizt von Politik und Bauernverband, eine erbarmungslose Abhängigkeit, an deren Ende der Abstieg des selbstständigen Landwirtes zum Bediensten einer industriellen Agrarfabrik stehe.

Auch Meyer warnte vor dem Verlust bäuerlicher Betriebe zulasten von Agrarfabriken. Die suchten derzeit infolge von zunehmenden Bürgerprotesten verstärkt Standorte in Süd- und Ostniedersachen. „Mit einer Stadt, die ihre Zukunft im Kur- und Gesundheitsbetrieb sieht, ist das aber unvereinbar“, so Meyer zur Situation in Bad Münder. Den betroffenen Landwirten müssten Alternativen aufgezeigt werden. Die erblickt Niemann beispielsweise darin, dass „sich die Landwirte unersetzbar machen“, statt nicht absetzbarer Überproduktion „nicht austauschbare Qualitätsprodukte“ erzeugten und außerdem „über eine Mengenreduzierung endlich eine vernünftige Preispolitik“ realisierten.



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