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Uwe Schünemann hat Schwein

Sie sind an diesem Samstag sehr früh aufgestanden. Schon morgens um sechs haben CDU-Ortsverbandschef Thilo Meyer und seine Helfer aus Tündern ihren Informationsstand zusammengepackt und ihn vors Hochzeitshaus in die Hamelner Fußgängerzone geschafft. Unterm orangefarbenen Zeltdach legen die Christdemokraten die obligatorischen Utensilien des Straßenwahlkampfs aus: Plakate, Flyer, Luftballons, Sticker, Buttons und jede Menge Kugelschreiber. Es beginnt zu regnen, doch davon lassen sich die Konservativen nicht verdrießen. Etliche Passanten suchen Schutz unter den jetzt als Regenschutz dienenden Sonnenschirmen – und kommen mit den Wahlkämpfern ins Gespräch.

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Autor:

Ernst August Wolf

Einem großen silbernen Behälter im Hintergrund entströmt leckerer Bratenduft, der sich langsam über den ganzen Platz verbreitet. In der Röhre dreht sich gemächlich ein 50-Kilo Spanferkel, dessen Gar-Prozess von Landwirt und Schlachter Karl-Friedrich Meyer aus Tündern sorgfältig überwacht wird. „Fünf bis sechs Stunden braucht das schon, um fertig zu werden“, erklärt der 53-Jährige. „Damit kriegen Sie etwa 100 Personen satt.“ 600 Euro koste so etwas, sagt Meyer. „Sechs Euro pro Person, geht doch. Wir haben das schon oft gemacht. Der Bratenduft zieht die Leute an, und das ist das Entscheidende.“ Diesmal gibt jeder für die Portion eine Spende zugunsten eines evangelischen Kindergartens.

Mittlerweile ist auch der Landratskandidat Uwe Schünemann eingetroffen und stürzt sich mit hochgeschlagenem Mantelkragen sofort in den Straßenwahlkampf. Der entpuppt sich angesichts der Präsenz der ganz in Schwarz gekleideten Schünemann-Gegner des Aktionsbündnisses „Faires Hameln-Pyrmont“ und den rote Äpfel verteilenden Sozialdemokraten als viel Nervenstärke erfordernder Nahkampf.

Am liebsten grille er zu Hause Steaks, verrät Schünemann in einer Kampfpause. Das sei ideal, um mit Freunden in guter Atmosphäre Gespräche zu führen. Nein, politische Symbolik verberge sich hinter diesem kulinarischen Wahlkampfeinsatz nicht, aber: dennoch „brauchen wir keinen Veggie-Day, weder am Donnerstag noch samstags. Jeder soll das essen, worauf er Lust hat, da soll sich der Staat raushalten“.

Als es dann von der Marktkirche elf schlägt, kommt der große Moment. Unter Anleitung von Meyer säbelt der Kandidat das erste Stück vom Spanferkel und serviert es mit etwas Krautsalat Bürgermeisterin Sylke Keil. Die kostet und lächelt anerkennend. „Immer etwas mehr machen als bloß vor Ort zu sein“, erklärt Schünemann seine Wahlkampfdevise, greift sich einen Stapel Flyer und wendet sich mit der Frage „Haben Sie Appetit auf ein Stück Spanferkel?“ wieder potenziellen Wählern zu.

Schlachter Karl-Friedrich Meyer (li.) gibt fachkundige Anleitung, als

CDU-Kandidat Uwe Schünemann das erste Stück vom Spanferkel schneidet.eaw

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