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US-Wahl: Der Schock über Trump reicht bis an den Deister

BAD MÜNDER. Weltweit reagieren Politiker, Medien und auch Börsen geschockt auf das Ergebnis der US-Wahl. Donald Trump ist der lachende Sieger, Hillary Clinton untergetaucht. Auch in Bad Münder zeigten sich viele Menschen entsetzt über das Wahlergebnis. Die NDZ hat Menschen mit Verbindung in die Staaten befragt.

Melanie Matuszak-Röhrig

Autor:

Jens Rathmann und Benedikt Dittrich

Für Melanie Matuszak-Röhrig ist die Wahl – wie für viele andere auch – ein Schock. Clinton oder Trump, „das war nicht die beste Wahl. Aber Trump ist die schlechteste Alternative.“ Auch im Bezug auf Deutschland schätzt die 42-Jährige das Wahlergebnis negativ ein. „Ich sehe da nichts Gutes auf uns zukommen“, sagt Matuszak-Röhrig mit Blick auf die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Amerika. Die Hachmühlerin war im Jahr 2000 für ein Jahr als Studentin in den amerikanischen Bundesstaaten Idaho und Iowa.

Bei Shirin Müller liegt das Austauschjahr noch nicht so lange zurück. Die Studentin aus Bad Münder war ein Jahr lang im Süden Alabamas bei einer Gastfamilie und hat dort auch noch Kontakte. „Aus deren Sicht ist Trump das kleinere Übel“, berichtet sie über die Einwohner. „Dort waren viele mit der Präsidentschaft Obamas unzufrieden“, erklärt sie. „Ich habe befürchtet, dass die Wahl so ausgehen würde“, sagt die 20-Jährige über den Sieg Trumps, „auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte. Clinton war für viele von Anfang an nicht vertrauenswürdig.“

Randi Adler war ebenfalls ein Jahr in den USA – im Nordosten. „Ich kann und will das Ergebnis eigentlich gar nicht wahrhaben“, sagt die Studentin. Als Au-Pair im Staat Connecticut hat sie auch heute noch Kontakt zu Trump-Sympathisanten und Clinton-Befürwortern. Warum Trump gewählt wurde, darüber kann sie nur spekulieren. Trump oder Clinton – bereits der Wahlkampf habe Freunde und Familien in den USA gespalten.

Shirin Müller
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Gabriele Lösekrug-Möller
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Randi Adler
  • Randi Adler
Falko Niemeier
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Shirin Müller
Gabriele Lösekrug-Möller
Randi Adler
Falko Niemeier

Neben der guten Rethorik von Trump könne es auch eine Rolle gespielt haben, dass sich viele konservative Amerikaner nicht vorstellen konnten, dass eine Frau das Land regiert. Aber insgesamt lässt das Wahlverhalten die Studentin ratlos zurück: „Es ist mir ein Rätsel.“

Die Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller versuchte gestern bereits eine Erklärung für das Wahlergebnis zu finden. „Es gibt offensichtlich Unterschiede in der Lebensqualität zwischen Menschen, die in den USA auf dem Land und in der Stadt leben.“ Die Kluft zwischen Armut und Reichtum habe den Wahlsieg von Trump möglich gemacht – und diese Gefahr sieht die Sozialdemokratin auch in ländlichen Regionen wie in Bad Münder und der Umgebung: „Wir müssen darauf achten, dass die Schere zwischen Arm und Reich auch bei uns nicht weiter auseinanderklafft.“ Deswegen sollte es den Bewohnern und den Politikern in Deutschland wichtig sein, „was in den USA passiert.“

Vor der Wahl hatte der in Bad Münder lebende Amerikaner Tim Stroud im NDZ-Gespräch zum Wahlkampf Stellung genommen. Er hatte bereits befürchtet, dass Trump triumphieren könnte. So deutlich hatte er das Ergebnis aber nicht erwartet, sagt er jetzt. „Das ist sehr schade und es schädigt das Bild, was man von uns Amerikanern in der Welt hat“, ist der Englisch-Dozent überzeugt. Man müsse das demokratische Ergebnis akzeptieren, aber: „es fühlt sich dämlich an.“ Für die Minderheiten in Amerika, gegen die Trump während des Wahlkampfs immer wieder gehetzt hatte, hofft er nun, dass Trump sein Versprechen nach der Wahl wahrmacht, dass er ein Präsident aller Amerikaner sein möchte. Mit seinen Studenten hat er über die Wahl seither nicht wieder gesprochen: „Ich bin sicher, dass die das alle satt haben.“ Letztendlich müsse jeder nun lernen, mit dem Ergebnis umzugehen: „Wir leben in einer Demokratie.“

Seit 15 Jahren lebt Falko Niemeier bereits in den USA, er arbeitet auf Hawaii in der Tourismusbranche. Das Wahlergebnis erörterte er gestern mit seiner Mutter in Bad Münder. „Wir haben telefoniert, da war deutlich zu spüren, dass er persönlich betroffen ist“, sagt Dagmar Niemeier. Er habe das Ergebnis einfach nicht für möglich gehalten. Auch, weil der „Aloha State“ immer eine sichere Bank für die Demokraten war und dort stärker als in anderen Bundesstaaten auf Toleranz und gegenseitige Wertschätzung Wert gelegt wird. Ein Grund zur „Flucht“ sei das Wahlergebnis aber nicht, versicherte er gestern seiner Familie in Bad Münder.



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