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US-Präsidentschaftswahl: „Mehr Seifenoper als Realität“

BAD MÜNDER. Es ist das größte politische Ereignis des Herbstes: die US-Präsidentschaftswahl, der ungleiche Zweikampf zwischen Hillary Clinton, der Frau von Ex-Präsident Bill Clinton, und Immobilienmilliardär Donald Trump.
Tim Stroud ist US-Bürger und lebt in Bad Münder. Für ihn ist der Wahlkampf eines: ein Skandal.

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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

„Ich habe das Gefühl, dass Donald Trump übermäßig in den Medien vertreten ist. Hillary Clinton dagegen geht unter“, sagt er. Der Englisch-Dozent habe neulich auch mit seinen Studenten über den Wahlkampf gesprochen. Die Antworten seien beunruhigend gewesen. „Sie konnten mir viel über den Wahlkampf von Trump erzählen, von Clinton kannten Sie nicht einmal das Wahlprogramm“, erklärt er. Zudem finde er es erschreckend, dass innerhalb des Wahlkampfs immer wieder neue Skandale auftauchten, wie beispielsweise die sexuellen Übergriffe Trumps auf Frauen.

Stroud würde am Liebsten keinem der beiden Kandidaten seine Stimme gegen. „Meiner Meinung nach ist keiner qualifiziert, die USA zu regieren. „The Donald“ ist ein Rassist, frauenfeindlich, und kann keine Kritik einstecken. Hillary Clinton hat zu viele Geheimnisse. Aber lieber vier harte Jahre mit Hillary als vier schädliche Jahre unter der Führung Trumps“, sagt er. Trotzdem befürchtet er, dass Donald Trump trotz allem aus dem Wahlkampf als Sieger hervorgehen wird.

Zudem beschäftigt den Englisch-Dozenten ein weiteres Thema: „Meine Verwandten haben Angst. Die Idee eine Mauer zwischen Mexiko und Amerika zu bauen, ist eine Bedrohung für die Beziehung der Länder. Zudem hört man viele Gerüchte, es könnte ein neuer Bürgerkrieg entstehen“, sagt er und ergänzt: „Wenn ich daran denke, bekomme ich Angst um meine Freunde und Familie.“

Von der neuen Legislaturperiode erwartet er vor allem eines, viele Enttäuschungen. Das Gute daran sei, dass dieser garstige Wahlkampf endlich vorbei sei. Auswirkungen auf die Beziehung zwischen den USA und Deutschland sieht Stroud nicht. „Ich glaube, die beiden Länder brauchen einander. Egal, wer gewinnt – Deutschland und Amerika werden weiterhin zusammenarbeiten.“

Die Aussage unterstützt auch Jürgen Hardt, Koordinator für transatlantische Beziehungen. Er sagte gegenüber heute.de: „Die transatlantische Partnerschaft und insbesondere die Partnerschaft mit Deutschland ist ein ganz wichtiger, nutzbringender Faktor für die USA. Weder Trump noch Clinton würden diese Beziehung leichtfertig aufs Spiel setzen.“

Es geht nicht um Demokratie, nicht um Trump oder Clinton.

Der gebürtige US-Amerikaner Mark Allen Shepherd, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern seit Jahren in Bad Münder lebt, bewertet die Präsidentschaftswahl ganz anders. Für den Schauspieler steht die Demokratie im Vordergrund. „Das Wahlrecht ist wahrscheinlich das wichtigste und grundlegendste Recht eines jeden US-Bürgers“, erklärt er. „Und dieses auszuüben, ist ein Recht, dass jeder US-Bürger hat, egal wer er ist, ob nun der reichste Milliardär oder ein durchschnittlicher Arbeiter.“ Und jeder habe die gleiche Anzahl an Stimmen, nämliche eine, so Shepherd. Die ganze Zeit versuche er, sich einzureden, dass es nicht um Clinton oder Trump gehe, sondern um die Demokratie. „Es darf keine Rolle spielen, welche Einschaltquoten und welche Reichweiten die Rede-Duelle der beiden Kandidaten erzielen“, kritisiert Shepherd. Demokratie sei keine Ware, die an der Börse gekauft, verkauft oder gehandelt werden dürfe, betont er.

Auch den Wahlkampf sieht er sehr kritisch. „Viele haben im letzten Jahr durch die Berichterstattung eine besonders dramatische Achterbahnfahrt zu sehen bekommen, die eher einer Seifenoper als der Realität gleicht.“ Letztlich sei aber am wichtigsten, dass der Gewinner der Wahl gemeinsam mit den anderen Staatsoberhäuptern für das Gemeinwohl sorge. „Perfekt wird es nicht, aber: Wahlen gehen und Wahlen kommen. Die Herausforderung wird sein, das Beste daraus zu machen“, sagt Shepherd.

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