weather-image
Buchhandlung Wanderer startet mit maritimer Lesung in den „blutigen Krimi-Herbst“

Urlaubsausklang bei Mord und Meeresbrise

Bad Münder (hzs). „Wattenmörder“ prangt in blutroten Lettern auf dem pechschwarzen T-Shirt von Andreas Schmidt. Der verspeist grinsend eines der hellroten Heringshäppchen und macht es sich zur Lesung im grün-weiß gestreiften Strandkorb bequem.

270_008_5775596_lkbm_Andreas_Schmidt_WattenMord1.jpg

Immer mehr Besucher drängen zur ersten Freiluft-Lesung in den von der Familie Pauksch zur Verfügung gestellten Innenhof, von Buchhändlerin Dudo Wanderer liebevoll umsorgt mit Sitzkissen, wärmenden Wolldecken gegen die abendliche Kühle und so manchem Gläschen Wein.

Das Duo Maritim, die ehemalige russische Musikdozentin und Akkordeonistin Radmira Grüne und Coupletsänger Klaus Kohrs, sorgen für die nötige musikalische Brise, im Mittelpunkt aber steht der Text vom „Wattenmörder“ Andreas Schmidt.

Der Wuppertaler, Jahrgang 1969, ist ein charmanter Erzähler, der im leichten Plauderton schon Biografisches mit unmerklichen Spannungsbögen versieht und das vorwiegend weibliche Publikum schnell in seinen Bann zieht. Mit leicht heiserer Stimme berichtet er von seinen Anfängen als Groschenroman-Autor und findet zustimmendes Nicken – nicht nur bei Rosita Hoppe aus Hamelspringe, die sich gleichfalls in diesem Genre betätigt.

Nach einem musikalischen Intermezzo heißt es dann aber „Immer Tote bei die Fische“, und Schmidt liest das, was in jedem Kriminalroman ein erster Höhepunkt ist, die Auffindung der Leiche. Die schwimmt im „Wattenmord“ im riesigen Aquarium des Multimar-Wattforums in Tönning. Präzise Recherche im Urlaub vor Ort hat Schmidt zu einer ebenso präzisen Schilderung technischer und örtlicher Einzelheiten geführt. Die Szene gerinnt zu einer eindrucksvollen, atmosphärisch überaus dichten Schilderung, die an die diesbezüglichen Qualitäten einer Patricia Highsmith denken lässt: einfühlsam, ohne aufgesetzte, effekthaschende Mätzchen. Das gilt auch für Schmidts Charaktere. Eine Vater-Tochter-Beziehung, ein aus dem Leben gegriffener Ermittler namens Norbert Ulbricht, ein Mann mit vielfältigen Brechungen, Ecken und Kanten, kein zur Identifikation einladender Supertyp. Alles bei Schmidt ist echt, authentisch und glaubhaft, sodass der Übergang zum Unheimlichen und Bizarren nahezu unmerklich ist.

Nicht nur die abendliche Dämmerung bewirkt deshalb bei den sich im Innenhof drängenden Zuhörern ein wohliges Gruseln.

Ein maritimer Küstenkrimi, ergänzt durch eine humorvolle musikalische Meeresbrise, das war so recht ein gelungener Urlaubsausklang und ganz sicher der Einstieg in einen vielversprechenden „blutigen Krimi-Herbst“. Den wird Dudo Wanderer am Dienstag, 27. September, mit einer Lesung fortsetzen. Zu Gast ist die Trägerin des Deutschen-Krimi-Preises 2012, Mechtild Borrmann („Der Geiger“), im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaales.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt