weather-image
15°
Vor Gericht: Berufungskammer gibt Bewährung / Angeklagte in Handschellen vorgeführt / Verstoß gegen Gastrecht

Untersuchungshaft als Warnschuss für drei Ladendiebe

Rinteln/Bückeburg (ly). Warnschuss für drei Asylbewerber: Sechs Wochen hat das Trio nach Ladendiebstählen in Untersuchungshaft verbracht. Nur sieben Tage nach den Anfang April in der Klosterstraße begangenen Taten hatte das Rintelner Amtsgericht kurzen Prozess gemacht und die Angeklagten zu Gefängnisstrafen von vier, sechs und acht Monaten verurteilt, jeweils ohne Bewährung (wir berichteten).

Im Berufungsverfahren setzte das Landgericht in Bückeburg die Strafen jetzt aus. Zur Verhandlung vorgeführt wurden die beiden Frauen sowie ein Mann in Handschellen, fünf Wachtmeister ließen sie nicht aus den Augen. Das Justizgebäude konnten die reisenden Ladendiebe aus Heimen in Lage, Kassel und Bergkamen als freie Menschen verlassen. "Die Kammer gibt sich der Hoffnung hin, dass die Untersuchungshaft zur Warnung reicht", sagte der Vorsitzende Richter Friedrich von Oertzen. Dennoch hat der Präsident des Landgerichts "für dieses Verhalten kein Verständnis". Es sei "ein erheblicher Verstoß gegen das Gastrecht, wenn man seinen Gastgeber beklaut". Die Asylbewerber, zwischen 23 und 45 Jahren alt, waren extra nach Rinteln gereist, um dort gewerbsmäßig Diebstähle zu begehen. Warum ausgerechnet Rinteln? "Das hat sich zufällig so ergeben", behauptete eine der Frauen. Und ihr Motiv? "Das Geld reicht vorne und hinten nicht", erklärte Verteidiger Dr. Detlev Binder (Bielefeld). Aus zwei Geschäften an der Klosterstraße hatte das Trio Kleidung, Parfüm und Schmuck im Gesamtwert von fast 1000 Euro erbeutet, um die Sachen später zu verkaufen. Die Frauen waren mit einem Kinderwagen samt Kleinkind unterwegs, in dem die Ware verstaut wurde. Der Mann wartete am Blumenwall und sackte das Diebesgut ein. Noch am selben Tag wanderten die Langfinger in Haft. Ein Zeuge hatte die Asylbewerber im Blumenwall beobachtet. "Sie dürfen in Deutschland nicht arbeiten, bekommen Gutscheine und wenig Geld", warb Verteidiger Binder um Verständnis. "Da ist die Verlockung natürlich groß." Staatsanwalt Frank Hirt kann das nicht nachvollziehen. "Sie finden hier einen Lebensstandard vor, der wesentlich höher ist als in ihren Heimatländern", erklärte Hirt und fügte hinzu: "Stehlen, um satt zu werden, kann ich nachvollziehen." In diesem Fall sei jedoch von Gewinnstreben auszugehen. Harte Urteile wie die erstinstanzliche Rintelner Entscheidung, die von Oertzenübrigens als richtig bezeichnete, sollen Diebesbanden abschrecken. So etwas spricht sich schließlich herum. Zu Beginn der Berufungsverhandlung hatten sich alle Angeklagten schuldig bekannt, eine der Frauen unter Tränen. Danach ging es nur noch um das Strafmaß. Die Urteile sind bereits rechtskräftig.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare