×
Wie steht es um die Trinkwasserqualität im Weserbergland? Fragen und Antworten zum Welttag des Wassers

Unter Kontrolle

Wasser ist das am besten überwachte Lebensmittel. Dass das keineswegs selbstverständlich ist, weiß jeder, der in südlichen Ländern Urlaub macht, Wasser in Flaschen kauft, sogar zum Zähneputzen benutzt, weil dort Wasser oft nicht nur mit Bakterien, sondern auch mit Schwermetallen belastet ist oder so stark gechlort, dass man schon beim Riechen aufs Trinken verzichtet. Zum Tag des Wassers haben wir mit den technischen Leitern der Stadtwerke in unserer Region über unsere Trinkwasserversorgung gesprochen: Thomas Sewald (Rinteln), Michael Sokoll (Schaumburg-Lippe) und Helmut Feldkötter (Hameln).

Autor:

von hans Weimann

Wer liefert das Wasser?

Die Wasserversorgung wird von kommunalen Unternehmen sichergestellt: den Stadtwerken Rinteln, den Stadtwerken Schaumburg-Lippe, dem Wasserverband Nordschaumburg und den Stadtwerken Hessisch Oldendorf. Dazu kommen kleinere Wasserversorger wie die Wasserbeschaffungsverbände.

Die Stadtwerke Rinteln liefern Wasser für die Kernstadt und alle Dörfer. Das Wasserwerk in Engern, das noch auf Rintelner Gebiet liegt, für die Stadtwerke Schaumburg-Lippe. Dafür hat man als eigenes Unternehmen, die „Schaumburger Trinkwasser- und Aufbereitungsgesellschaft“ gegründet. Die Stadtwerke Rinteln fördern aus den Brunnen Heinekamp, Deckbergen, Goldbeck und Hohenrode etwa 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr.

Die Stadtwerke Schaumburg-Lippe beliefern die Städte Bückeburg, Obernkirchen, Stadthagen und die Gemeinden bis zum Mittellandkanal. Die Samtgemeinde Nienstädt betreibt noch ein eigenes Wasserwerk, das ebenfalls von den Stadtwerken Schaumburg-Lippe technisch gewartet wird. Für Obernkirchen gibt es noch Brunnen im Stiftswald, für Stadthagen Brunnen im Schaumburger Wald. Die Gesamtförderung der Stadtwerke Schaumburg-Lippe beträgt rund 4,2 Millionen Kubikmeter im Jahr.

Die Stadtwerke Hameln sichern die Wasserversorgung in der Hamelner Kernstadt, in Afferde, Holtensen, Hilligsfeld, Tündern, Hastenbeck, Wehrbergen und Rohrsen und fördern jährlich etwa 3,4 Millionen Kubikmeter aus ihren Wasserwerken Tünderanger, Hohes Feld, Haarbach und Halvesdorf.

Die Stadtwerke Hessisch Oldendorf GmbH wurden 1992 gegründet. Gesellschafter sind die Stadt Hessisch Oldendorf mit einem Geschäftsanteil von 80 und die Westfalen Weser Netz GmbH mit 20 Prozent.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts verschlechterte sich die Wasserqualität der Brunnen in Wesernähe durch die Weserversalzung. Deshalb haben die Hessisch Oldendorfer nach einer Alternative gesucht. 1994 wurde das Wasserwerk Herrenteich zwischen Hessisch Oldendorf und Welsede in Betrieb genommen. Die Stadtwerke Hessisch Oldendorf fördern rund 650 000 Kubikmeter im Jahr.

Welche Risiken gibt es für unser Trinkwasser?

Dünger und das in den Hinterlassenschaften von Kühen, Schweinen und Hühnern enthaltende Nitrat, das bei Regen in der Erde versickert, können das Trinkwasser verunreinigen. Greenpeace mahnt regelmäßig die Grenzwerte an.

Die Umweltschutzorganisation befürchtet, dass der Boom der Biogasanlagen und die wachsende Massentierhaltung Nitrat im Grundwasser wieder ansteigen lassen könnte.

Die heimischen Wasserwerke haben das Problem früh erkannt. Bereits vor 25 Jahren haben die Landkreise Schaumburg und Hameln-Pyrmont die IG Weser ins Leben gerufen, die 2002 in eine GmbH umgewandelt worden ist.

Dem Verbund gehören die Stadtwerke Bad Pyrmont, Schaumburg-Lippe, Hameln, Hessisch Oldendorf und Rinteln sowie das Wasserwerk Emme an. Die Landwirte, die Trinkwassergewinnungsgebieten Flächen bewirtschaften, werden in Fragen der Düngung beraten. Das wirkt sich positiv aus. So liegen die Nitratwerte je nach Einzugsgebiet in unserer Region zwischen 6,4 und 20,6 Milligramm je Liter (Schaumburg) 24,4 Milligramm (Hameln) und 23,7 Milligramm (Rinteln), Werte weit unter dem gesetzlich festgelegten Grenzwert von 50 Milligramm.

Neu in die Schlagzeilen ist der Unkrautvernichter Glyphosat gekommen. Über die Gefahr, die von dieser Chemikalie ausgeht, streiten Wissenschaftler.

Die jüngst errechneten Werte, die für Schlagzeilen gesorgt haben (Gylphosat im Bier) lägen allerdings weit unter der gesundheitlich bedenklichen Belastung, wurde schnell dementiert. Thomas Sewald (Rinteln) sieht noch einen anderen Aspekt: Glyphosat ist teuer. Landwirte werden also schon aus wirtschaftlichen Gründen das Mittel sparsam einsetzen.

Wie groß ist die Gefahr durch einen Ölunfall?

Gering. Trinkwasserbrunnen sind so weit in der Landschaft verteilt, dass ein örtlich begrenzter Unfall die Trinkwasserversorgung nicht gefährden würde. Fracking, das viele als Gefahr für das Trinkwasser sehen und dabei auf die Erfahrungen in den USA verweisen, ist in unserer Region noch kein Thema.

Gefährliche Keime im Wasser?

Wasser wird in vielen Schritten aufbereitet, unter anderem mit UV-Licht. Schlagzeilen machten die Legionellen, so benannt nach den Legionären der französischen Fremdenlegion, weil hier beim ersten Mal die Lungenkrankheit attestiert worden ist. Im Jahr 2013 erkrankten in Warstein 160 Menschen. Schuld sind hier nicht Stadtwerke, denn am hauseigenen Wasserzähler kommt sauberes Wasser an. Das wird erst im Gebäude kontaminiert durch einen Film aus Bakterien, Pilzen und Algen, der sich ablagern kann, wenn lange Zeit kein Wasser durch die Leitung fließt. Deshalb sollte man vor allem nach dem Urlaub das Wasser einige Zeit laufen lassen.

Ist unser Wasser hart?

Meist ja, aber in unterschiedlichen Härtegraden (genaue Werte finden man im Internet auf der Homepage der jeweiligen Stadtwerke). Hartes Wasser entsteht durch die Böden, durch das es sickert. Wasser nimmt auf seinem Weg Mineralien auf. Kommt Trinkwasser aus Oberflächenwasser wie aus den Talsperren im Harz, dann enthält es deutlich weniger Kalk.

Kaffeemaschinen, Boiler, Wasserkocher muss man bei uns regelmäßig entkalken. Allerdings verursacht Kalk keineswegs so große Schäden, wie Hersteller von Kalktabs gerne glauben machen möchten. Erst bei einer Erhitzung des Wassers auf über 60 Grad vermehrt sich Kalk- oder Kesselstein.

Einheitliche Wasserpreise gibt es nicht.

Das hat mehrere Ursachen: Einmal die historische Entwicklung der jeweiligen Stadtwerke, dann die Infrastruktur, das Leitungsnetz, das man braucht, um das Wasser in die Häuser der Bürger zu bringen.

Die Stadtwerke Schaumburg- Lippe sind beispielsweise das Ergebnis einer Fusion der vorher selbstständigen Stadtwerke Stadthagen, Bückeburg und Obernkirchen mit jeweils eigenen Wasserwerken plus Wasserunterhaltungsverbänden. Deshalb wird hier noch heute in drei Preiszonen abgerechnet, schildert Stadtwerke-Geschäftsführer Eduard Hunker. Das Ergebnis sind Preise zwischen 1,08 und 1,57 Euro pro Kubikmeter.

In Rinteln gibt es einen einheitlichen Wasserpreis, weil Wasser quer subventioniert wird: 1,61 Euro pro Kubikmeter.

Würde man den tatsächlichen technischen Aufwand berechnen, um die Bürger von Goldbeck oder Wennenkamp mit Wasser zu versorgen, wäre der Wasserpreis für diese Dörfer erheblich höher. Das ist politisch kaum durchsetzbar. Auch die Stadtwerke Hameln arbeiten mit einem Einheitspreis von 1,44 Euro pro Kubikmeter. Bei den Stadtwerken Hessisch Oldendorf kostet der Kubikmeter 1,65 Euro.

Der Durchschnittpreis in Deutschland liegt bei 1,69 Euro, in Berlin ist Wasser mit 1,81 Euro am teuersten.

Wird Trinkwasser ein Geschäft?

Die Europäische Kommission hat vor vier Jahren versucht, Wasser in die sogenannte „Konzessionsrichtlinie“ aufzunehmen und hätte damit das Tor für private Wasserversorger geöffnet.

Bundesweit gab es Proteste auch des Verbandes der kommunalen Unternehmer, weil man Wasser, das elementarste aller Güter, nicht den gewinn orientierten Kräften des Marktes überlassen darf. Der bundesweite Protest hatte Erfolg. Das Wasser wurde von der Richtlinie ausgenommen.

Alle brauchen

Trinkwasser.

Trinkwasser wird auch für die Lebensmittelproduktion und die Landwirtschaft gebraucht. Ein Beispiel: Der größte Trinkwasserabnehmer im Schaumburger Bereich ist die Firma „Bauerngut“ in Bückeburg.

Erst jüngst ist eine 1,2 Kilometer lange Wasserleitung für das neue Klinikum in Vehlen installiert worden. Auch die Feuerwehr löscht übrigens mit Trinkwasser. Aus den Hydranten nämlich.

Wir spülen die Toiletten

mit Trinkwasser.

Eine grüne Idee war, dafür Brauchwasser aus Waschmaschine, Spülmaschine und der Regenzisterne zu nutzen.

Das Problem dabei: Es ist technisch aufwendig, weil ein komplettes zweites Leitungsnetz für Grauwasser getrennt vom Trinkwassernetz installiert werden muss. Deshalb hat sich diese Idee nur sehr begrenzt durchgesetzt.

Zentrale Versorgung gibt

es erst seit gut 100 Jahren.

Es hat lange gedauert, bis in den Städten systematisch Trinkwassersysteme aufgebaut worden sind. In Hameln ab 1895, in Rinteln ab 1902.

Vorher haben sich die Bürger über eigene oder städtische Brunnen versorgt. Außerhalb der Städte im flachen Land sind Wasserbeschaffungsverbände gegründet worden.

Erste Leitungssysteme haben bereits die Römer gebaut, die Germanen diese geniale Technik verfallen lassen, was zeigt, dass der Fortschritt kein zuverlässiger in die Zukunft gerichteter Pfeil ist. Im Mittelalter schöpfte man wieder Wasser aus oft verseuchten Brunnen und Bächen.

Wasser kommt aus dem Wasserhahn zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wasser, das man trinken kann. Wasser zum Kochen, zum Duschen, Wasser, das durch die Toilettenspülung rauscht. 127,5 Liter verbraucht nach der aktuellen Statistik des niedersächsischen Landesamtes jeder bei uns im Durchschnitt täglich. Fragen und Antworten zur Qualität unseres Wassers.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt