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Ein Besuch auf dem Rethof in Scheie / Fachwerkhäuser, Tiere und Bauerngarten zu sehen

"Unsere Familie wollte das Anwesen erhalten"

Scheie (jaj). "Keine Ecke unseres Hauses hat einen Winkel von 90 Grad", sagt Corinna Loose. "Teilweise sind die Dachsparren so krumm gewachsen, dass Teile von ihnen nicht mit verputzt werden konnten und jetzt in der Decke sichtbar sind", ergänzt Hans-Jürgen Hornung. " Aber gerade das gibt ein gewisses Flair", fügt er hinzu.

Und Flair hat der Rethof in der Scheier Feldmark wirklich. Das erste Mal wurde er 1388 urkundlich erwähnt. Seitdem ist er im Familienbesitz und wird zur Zeit von den Geschwistern Waltraud Hornung und Heinz Loose mit ihren Familien bewohnt, bewirtschaftet und gepflegt. Gleich mehrere Fachwerkgebäude bilden den Rethof: das Haupthaus, eine Scheune, eine Leibzucht, mehrere kleine Ställe und ein Backhaus. Später errichtete Gebäude, wie die Ställe des Nutzviehs, wurden etwas versetzt zur alten Hofstelle gebaut. So konnte der ursprüngliche der Charakter des Anwesens erhalten bleiben. "Wirhaben für unseren neuen Stall sogar die Auflage bekommen, ihn in einem bestimmten Braunton zu streichen, damit er zu den denkmalgeschützten Gebäuden passt", erinnert sich Heinz Loose. Aber die Erhaltung ihres Hofes ist diese zusätzlichen Anstrengungen wert gewesen. "Unsere Familie war es, die das Anwesen erhalten wollte. Nicht irgendwelcheÄmter", erzählt Frau Hornung. Anfang der 70er Jahre wurde der Familie noch geraten, die nicht mehr intakten Gebäude abzureißen und neu zu bauen. Doch das wollte niemand. So wurde weiter daran gearbeitet alles zu erhalten. Und während der Dorferneuerung 1988 hatte sich auch die Meinung der Behörden geändert. So wurde die Diele der Leibzucht wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück versetzt. Dort war in den 50er Jahren eine Garage gebaut worden, wie eine Bodenplatte noch heute zeigt. Vor dem Haus streunen einige Lauf-Enten durch den schönen Bauerngarten. "Die eignen sich prima zur Schneckenbekämpfung", erklärt Frau Loose. Dieser Umstand, der jedem Hobbygärtner gut gefallen würde, bereitet vor allem dem Ehepaar Hornung Freude. Sie betreiben seit 21 Jahren eine Bioland-Gärtnerei. Doch es gibt noch mehr Tiere auf dem Hof zu sehen. "Eigentlich haben wir alles außer Schweinen und Ziegen", erzählt Frau Hornung. Sie lebt mit ihrem Mann in der Leibzucht, die 1862 errichtet wurde. Eine Leibzucht war früher für den Altenteil des Hofes, also für die Generation, die ihn nicht mehr aktiv bewirtschaftet, gedacht. Die Leibzucht des Rethofs ist jedoch mit 18 mal 12 Metern ungewöhnlich groß für ein Gebäude ihrer Art. "Es gibt die Geschichte, dass einer unserer Vorfahren sich nicht sehr gut mit seinem Vater verstanden hat. Die Leibzucht ist deshalb so groß gebaut worden", erinnert sich Frau Hornung. Das Haus wird auch im Zusammenhang mit der Gärtnerei genutzt. In den früher als Schweinestall genutzten Räumen ist heute der Verkaufsraum der Gärtnerei untergebracht. In der Diele wird Obst und Gemüse gelagert. Da die Räume, wie bei den meisten Fachwerkhäusern, auch im Sommer angenehm kühl bleiben, eignen sie sich hervorragend dazu. In dem zum Hof gehörenden Haupthaus lebt das Ehepaar Loose, das ökologische Landwirtschaft betreibt, mit seinen vier Kindern. Es wurde im seltenen Dreiständerbau errichtet. Diese Bauart kann man daran erkennen, dass solche Häuser eine flache und eine hohe Dachseite besitzen und in Folge dessen ein wenig asymmetrisch aussehen. Der Kern des Haupthauses stammt bereits aus dem Jahr 1562, was durch eine dendrochronologische Altersbestimmung nachgewiesen wurde. Bei dieser Untersuchung wird anhand der Jahresringe des Holzes das Fälljahr des Baumes bestimmt. Die Bäume wurden früher vor der Verarbeitung nicht getrocknet, da sie frisch leichter zu bearbeiten waren. Aus diesem Grund geht man davon aus, dass die Hölzer spätestens zwei Jahre nach der Fällung verbaut wurden. Der Großteil des Haupthauses wurde laut dieser Untersuchung dann um das Jahr 1812 errichtet. Zu dieser Zeit wurde auch die Diele des Haupthauses verlängert, was heute noch an den leicht unterschiedlichen Balken erkennbar ist. Im Garten der beiden Häuser steht ein ungewöhnlich großes Backhaus, in dem noch der alte Backofen vorhanden ist. "Wenn ich später Zeit habe, werde ich mich mal genau mit dem Backen beschäftigen", nimmt sich Corinna Loose für die Zukunft vor. Der "Tag des offenen Denkmals" am 14. September bietet die Möglichkeit, selbst einmal die Gebäude des Rethofes zu bewundern. Auf der Diele des Haupthauses gibt es Kuchen, Kürbiskartoffelsuppe und Zwiebelkuchen aus eigener Herstellung. Auch der Bauerngarten und das Backhaus sind für Besucher geöffnet. Außerdem werden Führungen zu den Themen "Bioland-Gärtnerei" und "ökologische Landwirtschaft" angeboten. Zusätzlich stellt die AG Spurensuche der Schaumburger Landschaft ihre Arbeit vor. Weitere Infos unter: www.SchaumburgerLandschaft.de




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