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Klinikum Schaumburg räumt Fehler ein / Ursache für Schulbusunfall weiter ungeklärt

Unnötige Odyssee durch Krankenhäuser

Rinteln. Für die zwölfjährige Larissa aus Rinteln ist es am vergangenen Donnerstag besonders dicke gekommen: Nicht nur, dass sie zunächst in Heeßen aus dem fahrenden Schulbus fiel und sich das Handgelenk brach (wir berichteten). Darüber hinaus folgte wie berichtet auch eine Odyssee durch die hiesige Krankenhauslandschaft – die allerdings nicht hätte sein müssen, wie sich gestern herausstellte. Dazu kommen weitere Ungereimtheiten.

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Nina Bernard, Pressesprecherin des Klinikums Schaumburg, spricht im Telefongespräch mit unserer Zeitung von einer „Verkettung unglücklicher Umstände“ – zulasten von Larissa.

Zunächst hätte Larissa gar nicht ins Rintelner Krankenhaus eingeliefert werden dürfen, da es über keine Zulassung der Berufsgenossenschaft (BG) verfügt. Da sich Larissa zum Unfallzeitpunkt nämlich auf dem Heimweg von der Schule befand, handelte es sich um einen sogenannten Arbeits- oder Wegeunfall. Das bedeutet, dass entsprechende Unfälle nur in Kliniken behandelt werden dürfen, die über eine BG-Zulassung verfügen. Für Arbeits- und Wegeunfälle kommen nämlich nicht die Krankenkassen, sondern die Berufsgenossenschaft auf.

Das war dem behandelnden Arzt in Rinteln, der Larissa zumindest schmerztherapeutisch behandelte, nicht klar, als er sie infolgedessen in das Krankenhaus in Stadthagen verlegen ließ. Denn auch das Stadthäger Krankenhaus verfügt über keine Zulassung der Berufsgenossenschaft.

Dort wartet man seit der Anstellung von Prof. Dr. Michael Jagodzinski, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie, zum 1. Juli noch auf die Genehmigung. Der Antrag auf die Zulassung sei sechs bis acht Wochen nach seiner Anstellung eingereicht worden. Seitdem arbeite man daran, einen „umfangreichen Kriterienkatalog“ der Berufsgenossenschaft abzuarbeiten und zu erfüllen, teilt Klinikumsgeschäftsführer Dr. Achim Rogge auf Anfrage unserer Zeitung mit. Mit der Genehmigung werde erst Anfang 2015 gerechnet.

Für Larissa bedeutete das am Donnerstag nach ihrer Fahrt von Heeßen nach Rinteln und von Rinteln nach Stadthagen eine dritte Fahrt von Stadthagen ins berufsgenossenschaftlich anerkannte Sana-Klinikum in Hameln. Sieben Stunden gingen ins Land vom Zeitpunkt des Unfalls bis zur Operation des gebrochenen Handgelenks des zwölfjährigen Mädchens.

Nur: Wieso wurde Larissa mit dem Rettungswagen überhaupt nach Rinteln gebracht und nicht von vornherein in ein Krankenhaus mit BG-Zulassung? Schließlich war klar, dass es sich um einen Wegeunfall handelte.

Klaus Heimann zufolge, Pressesprecher des Landkreises Schaumburg und damit auch der Rettungsleitstelle, sprechen sich Rettungskräfte und Leitstelle in der Regel noch am Unfallort miteinander ab, in welches Krankenhaus das Unfallopfer gebracht werden soll. In diesem Fall habe man die Schwere der Verletzung offenbar nicht erkannt und das Kind zunächst in eine der nächstgelegenen Notaufnahmen gebracht, also nach Rinteln.

Davon abgesehen gebe es „keine Vorgabe“ Arbeits- oder Wegeunfälle von der Rettungsleitstelle aus sofort zu einem sogenannten Durchgangsarzt – ein Arzt mit Zulassung der Berufsgenossenschaft – zu delegieren. „Wichtig ist, die Erstversorgung zu sichern“, so Heimann.

Larissas Odyssee wäre ihr spätestens dann erspart geblieben, wenn man in Rinteln den Unfall sofort als Wegeunfall erkannt hätte. Dann, so Klinikums-Sprecherin Bernard, wäre „Larissa selbstverständlich sofort in eine Klinik mit BG-Zulassung verlegt worden. Wir können uns für diesen Vorfall nur ausdrücklich bei Larissa und ihren Eltern entschuldigen“.

Und wenn Larissa noch schlimmer, gar lebensgefährlich verletzt worden wäre? Hätte man sie dann auch erst an eine berufsgenossenschaftliche Klinik verwiesen? Dr. Rogge verneint das. „Natürlich werden verletzte Patienten versorgt“, sagt er. Aber die Weiterbehandlung müsse anschließend in einer BG-Klinik stattfinden.

In der Konsequenz sollen nun die Mitarbeiter nochmals explizit geschult und darüber aufgeklärt werden, dass es sich bei Busfahrten auch am Nachmittag noch um Wegeunfälle handeln kann. Offenbar sei noch nicht hinlänglich bekannt, dass die meisten Schulen heute Ganztagsschulen sind, so Bernard.

Unterdessen werden Vorwürfe gegen die Schaumburger Verkehrs-GmbH (SVG) und das Subunternehmen Lahrmann, aus dessen Fuhrpark der Unfallbus stammt, laut. Eine Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte im Telefongespräch mit unserer Zeitung gestern, dass ihre Kinder wie auch andere Schulkinder schon mehrmals von Schulbustüren der Firma Lahrmann berichteten, die sich während der Fahrt geöffnet hätten. Sie und andere Eltern hätten das der SVG zwar gemeldet, aber: ohne Folgen. Auch in dem sozialen Netzwerk Facebook machen Nutzer im Zusammenhang mit Larissas Unfall ihrem Unmut über die Firma Lahrmann Luft.

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert beteuert SVG-Betriebsleiter Dirk Nolte unserer Zeitung gegenüber erneut: „Ich habe am Donnerstag zum ersten Mal davon gehört, dass sich während der Fahrt eine Bustür öffnet.“ Auch sei die Firma Lahrmann bislang nicht durch Fehlleistungen aufgefallen. „Sonst hätten wir uns von dem Unternehmen schon getrennt“, so Nolte.

Die interne Untersuchung des betroffenen Schulbusses durch die SVG sei zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen. Nur so viel: Der Notschalter, durch den das Öffnen der Tür ermöglicht werde, sei nicht betätigt worden. Ob indes der Sicherheitsschalter möglicherweise deaktiviert war, das habe die interne Untersuchung nicht in Erfahrung bringen können.

Gestern Nachmittag wurde der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungsverein (Dekra) für eine externe Überprüfung erwartet. Mit einem Ergebnis sei frühestens heute zu rechnen, hieß es. pk



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