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Jutta Krellmann, Bundestagskandidatin der Linken im Wahlkreis 47, ist privat auch „Genussmensch“

Ungerechtigkeit und Schwätzer erträgt sie nicht

Hameln. Die Nachmittagssonne steht auf dem Fenster, die Jalousien sind halb heruntergelassen, damit sich das Büro der Linken in Hamelns Domeierstraße nicht noch mehr aufheizt. Als Jutta Krellmanns Blick auf die Lamellen fällt, die ein bisschen schief vor den Scheiben hängen, hält sie nichts mehr auf ihrem Stuhl. „Das geht so nicht“, sagt sie und nestelt so lange an den Schnüren, bis die Streifen der Sonnenblende alle schön parallel ausgerichtet sind. Ist die Bundestagskandidatin der Linken eine Ordnungsfanatikerin? „Jein“, sagt sie, mit einem lang gezogenen „J“, so als müsste sie sich diese Frage erst einmal selbst beantworten.

Autor:

Brigitte Niemeyer

Hameln. Die Nachmittagssonne steht auf dem Fenster, die Jalousien sind halb heruntergelassen, damit sich das Büro der Linken in Hamelns Domeierstraße nicht noch mehr aufheizt. Als Jutta Krellmanns Blick auf die Lamellen fällt, die ein bisschen schief vor den Scheiben hängen, hält sie nichts mehr auf ihrem Stuhl. „Das geht so nicht“, sagt sie und nestelt so lange an den Schnüren, bis die Streifen der Sonnenblende alle schön parallel ausgerichtet sind. Ist die Bundestagskandidatin der Linken eine Ordnungsfanatikerin? „Jein“, sagt sie, mit einem lang gezogenen „J“, so als müsste sie sich diese Frage erst einmal selbst beantworten. Jein, sagt sie und erklärt, wie das zu verstehen ist: „Ich muss nach dem Essen nicht immer alles gleich wegräumen; das ist nicht gemütlich. Aber ein schief hängendes Bild ertrage ich nicht.“

Jutta Krellmann, 53 Jahre alt und 1,58 Meter groß, ist eine zurückhaltende Gesprächspartnerin – und eine nachdenkliche, die nicht einfach drauflos plaudert und dabei riskiert, sich zu vergaloppieren. „Ich kontrolliere mich sehr“, sagt sie und schränkt dann ein, dass sie diese selbst angelegten Zügel im privaten Kreis auch schon mal schleifen lässt. Als Gewerkschaftssekretärin „auf Augenhöhe mit den Kollegen aus den Betriebsräten“ und auch als Akteurin auf der politischen Bühne verlangt sie sich ab, sich im Griff zu haben. Und ärgert sich, wenn sie diesem Anspruch nicht gerecht wird. Als Ventil müsse dann oft die Familie herhalten. Allerdings ließen sich das weder ihr Partner noch ihr Bruder widerstandlos gefallen. „Manchmal fällt es mir schwer, nicht zu zeigen, dass ich genervt bin, dann rolle ich mit den Augen und verrate mich mit meiner Körpersprache.“ Auf Kritik reagiert sie weniger souverän, als ihr das lieb wäre: „Ich bin erstmal ziemlich betroffen und manchmal auch sauer.“ Erst mit ein bisschen Abstand gelinge es ihr, „ganz gut damit umzugehen“. Besser jedenfalls als mit „Schwätzern, die mit viel Reden glauben, das Richtige schon zu machen“. Die kann sie genauso schwer ertragen wie Menschen, die ihr plump-vertraulich dicht auf die Pelle rücken.

„Richtig schimpfen“ kann Jutta Krellmann auch: „Immer, wenn es um Ungerechtigkeiten in Betrieben geht, um unsolidarisches Verhalten.“ Den Zorn darüber arbeitet sie „am besten und am liebsten mit der Hacke im Garten ab“. Dabei kann es dann schon mal passieren, dass eine Schnecke ihr Leben lassen muss, weil sie zur falschen Zeit über die falsche Stelle im Beet kriecht.

Auf ihrer Homepage schreibt Jutta Krellmann über ihre Zeit als Chemielaborantin in der pharmazeutischen Forschung und als gewerkschaftliche Jugendvertreterin, sie sei in Diskussionen mit dem Arbeitgeber immer wieder an Grenzen ihres Wissens gestoßen. „Am Ende vieler Gespräche hatte ich oft das Gefühl, dass ich zwar Recht hatte, mir aber die Argumente fehlten.“ Die Konsequenz aus dieser Erfahrung: Sie hängt den Beruf an den Nagel und studiert Volkswirtschaft. Die Erwachsenenbildung reizt sie, weil sie darin ein Instrument sieht, Menschen zum Nachfragen zu bewegen; dazu, Informationen nicht einfach nur hinzunehmen, sondern „zu lernen, sie zu bewerten, um Position beziehen zu können“. „Eigentlich“, sagt Krellmann über sich selbst, „bin ich fröhlich – wenn man mich lässt und mich nicht ärgert“. In ihrem privaten Umfeld kann sie diese Fröhlichkeit ebenso ausleben wie den „Genussmenschen“, als den sie sich bezeichnet. Gutes Essen, gute Gespräche und Reisen gehören dazu, wobei die Reiseziele hin und wieder auch danach ausgesucht werden, was die Speisekarte am Urlaubsort zu bieten hat. „Ein gutes Leben, das wünschen sich doch alle Menschen“, sagt Jutta Krellman und gibt sich nicht damit zufrieden, dass sie in der glücklichen Lage ist, das schon zu besitzen. Ihr Zorn über die ungerechte Verteilung von Geld und Macht ist die Triebfeder, die sie anspornt, sich einzumischen – als Gewerkschafterin, als Mitglied der Linken und vielleicht bald als Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Ihre Chancen auf einen Sitz im Parlament seien „nicht schlecht“. Das Lächeln, dass jetzt um ihren Mund spielt, signalisiert: Sie freut sich auf diese Herausforderung und fühlt sich für die neue Rolle gewappnet.

Alles im Blick und ordentlich platziert: Im Beruf und auf der politischen Bühne legt Jutta Krellmann Wert auf klare Strukturen und kontrolliertes Verhalten.

Foto: Wal




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