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Ungeliebte Geldspritze

Bad Münder. In diesem Monat wird es zwei Jahre alt – das Bildungspaket. Von einer Erfolgsgeschichte lässt sich aber bislang nicht sprechen. Die finanzielle Hilfe für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus sozial schwachen Familien wird nur selten nachgefragt; auch in der Kurstadt.

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„Das läuft sehr schleppend“, sagt Uwe Hochgreve. Und er muss es wissen. Als Mitarbeiter des Familienbüros Bad Münder informiert und berät er Hilfebedürftige über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) – so der offizielle Name der Sozialleistung. Doch das Interesse an der Geldspritze vom Bund ist offenbar gering. „Wenn wir zwei Anfragen im Monat haben, ist das viel“, berichtet der Verwaltungsangestellte.

Und das obwohl die Fördermittel zum Abruf bereitliegen. Einer aktuellen Untersuchung zufolge sind im vergangenen Jahr bundesweit rund 40 Prozent des Geldes aus dem Bildungspaket ungenutzt geblieben. Allein der Landkreis Hameln-Pyrmont schickt mehr als 570 000 Euro aus dem Bildungspaket für 2012 zurück an die Bundesregierung. Insgesamt standen dem Kreis im mehr als 1,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Hochgreve kann diese Entwicklung bestätigen. Auch in Bad Münder gebe es durchaus noch Luft nach oben. Auf die Frage, warum sich die Zahl der Anträge in Grenzen hält, zuckt er mit den Schulter. „Das Bildungspaket ist bei den Leuten wohl noch immer nicht richtig angekommen“, sagt der Mann vom Familienbüro. Er habe außerdem festgestellt, dass viele Hilfesuchende vor dem Papierkram zurückschrecken. „Dabei kommt man auch als Laie mit den Anträgen gut klar.“

Wie Sprecherin Sandra Lummitsch mitteilt, wurden 2012 im Kreis rund 768 000 Euro aus dem BuT an bedürftige Familien ausgeschüttet. Der Betrag setzt sich vor allem aus folgenden Posten zusammen (Zahlen gerundet): Klassenfahrten und Ausflüge, 174 000 Euro; Schulbedarf, 298 000 Euro; Schülerbeförderung, 37 000 Euro; Lernförderung, 157 000 Euro; Mittagessen, 72 000 Euro; Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, 30 000 Euro.

Luft nach oben sieht die Verwaltung vor allem bei den letzten beiden Punkten. Der Zuschuss für das Mensa-Essen in der Schule werde „oft nicht in Anspruch genommen, weil die Eltern den Eigenanteil von einem Euro nicht übernehmen wollen oder können oder weil das Essen in der Mensa ,out‘ ist, heißt es in der Erklärung aus dem Kreishaus.

Die Teilhabeleistungen – dabei geht es um Mitgliedsbeiträge für Vereine und Zuschüsse zu Freizeiten – seien „nur schwer an den Mann zu bringen“. Die Eltern zeigten hier nur wenig Initiative.

Der Landkreis hat im Oktober zwölf Schulsozialarbeiter eingestellt – finanziert aus dem BuT. Deren Aufgabe sei es auch, Eltern und Schüler an das Bildungspaket heranzuführen. Erste Erfolge, so heißt es, zeichnen sich bereits ab.ch/fh



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