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Morgen entführt der Rattenfänger von Hameln zum zweiten Mal Kinder – für einen guten Zweck / Treffen um 9 Uhr

… und werden sie diesmal zurückkehren?

Hameln. Er hat die Hamelner Ratsherren vor 725 Jahren bloßgestellt, Familien unsagbares Leid zugefügt, indem er 130 Kinder entführt hat und besitzt die Dreistigkeit, diese Geschichte morgen tatsächlich zu wiederholen? Wieder sollen Kinder in Massen die Stadt verlassen und durchs Land ziehen, wieder läuft der Rattenfänger vorne weg, und er behauptet auch noch, es sei für einen guten Zweck. Volker, Ole (8) und Nora (5) Bockskopf aus Alteburg bei Aerzen mit haben von dem wundersamen Auszug gehört und wurde misstrauisch. Ein Interview soll Klarheit bringen …

Nora: Warum wollen Sie denn noch einmal Kinder entführen?

Vor allem, weil der Rattenfänger dann endlich etwas Heldenhaftes tun kann, statt immer der Böse zu sein. Es wird ein Riesenspaß für alle Beteiligten, vor allem, weil wir notleidenden Kindern hier und in anderen Ländern helfen werden. Wer den Weg geht, hilft, und wer sich in eine Spendenkarte einträgt, hilft genauso. Jeder Schritt bringt uns und anderen das Glück einen Schritt näher!

Volker: Und bekommen wir unsere Kinder diesmal wirklich heil zurück?

Dafür sorgen fast 100 ehrenamtliche Helfer inklusive Polizei, THW, Interhelp und Feuerwehr. Wir hoffen auf 725 Kinder, es könnten aber doppelt so viele werden! Anmeldungen aus ganz Deutschland und Übersee haben wir schon.

Ole: Puh, das ist gut, es ist also gar keine richtige Entführung. Wo treffen wir uns denn?

Freitagmorgen um 9 Uhr an der Marktkirche. Bringt die kostenlosen Spendenstempelkarten mit. Die gibt es im Ferienpass-Kalender der Stadt Hameln, beim Centralen Krankentransport, der Tourist-Info und im Internet unter www.wesio.de als Download. Die ersten, die einchecken, bekommen sogar Geschenke! Dann gibt es Unterhaltung bis wir um Glockenschlag 11 Uhr in Richtung Koppenberg weiterziehen.

Nora: Können meine Eltern nicht auch mitkommen?

Das ist gar nicht so schlecht. Auch Eltern waren mal Kinder. Hauptsache, die „Alten“ halten uns nicht auf, weil sie zu langsam sind! Wer den Weg nicht mitgeht, sollte die Nachbarskinder fragen, ob sie sich auf ihrer Karte eintragen können, so helfen alle im Landkreis als Sportlicher oder Sponsor.

Volker: Wohin werden denn alle entführt?

Wir folgen dem ganz alten „Hellweg“ in Richtung Osten. Heute ist das die B1, aber damals ging diese „Autobahn“ im Mittelalter mitten durch Hameln, Afferde und Coppenbrügge.

Nora: Wie lang ist denn der Weg und muss ich den ganzen Weg gehen?

Wir haben den Weg nach Coppenbrügge in 15 Etappen geteilt. Fast 15 Kilometer sind das insgesamt, aber zum Vergleich: Die Ferienwanderung ist auch acht Kilometer am Tag, und die Kinder bei der Grenzbeziehung legen 16,5 Kilometer zurück und ziehen eine Kanone dabei! Bei jeder Pause kann man mit dem Bus nach Hameln zurück und ganz, ganz kleine Kindergartenkinder, „Lahme“, „Taube“ und andere Wichtel können sogar nach zwei Kilometern am Bürgergarten die Tour verlassen. Wobei ich bemerken muss, ein junger Mann im Rollstuhl will mit und den ganzen Weg schaffen. Spornt das nicht an?

Volker: Und was passiert unterwegs?

Musikkapellen und historische Musiker werden Unterhaltung bieten. An jedem Kontrollpunkt stehen Wasser und Snacks für die eingetragenen Teilnehmer bereit. Bei der Pause werden Würstchen und so weiter gegrillt. In Coppenbrügge gibt es Schwimmen und ein Kinderfest. Überraschungen gibt es immer, weil: „Wer eine Reise tut, der kann was erzählen“.

Kinder: Was muss ich für die Entführung mitnehmen?

Außer deiner Stempelkarte, gute Schuhe. Vielleicht extra Socken und einen Rucksack voll guter Laune.

Ole: Was habe ich eigentlich davon, wenn ich mitgehe?

Was!?! Ich dachte, Kindern in Not aus aller Welt zu helfen, reicht schon als Grund. Ihr sucht euch nämlich Sponsoren – eure Mama oder euren Opa oder die Tante –, die euch für jeden Kilometer Geld geben wollen. Und dieses Geld wird gespendet. Und noch was ist toll: In 25 oder 30 Jahren wird noch von unserem Auszug erzählt, und wir waren dabei! Wir haben die Herausforderung angenommen, und werden viel weiter gehen als wir uns vorgenommen haben: die eigenen Grenzen sprengen. Wir werden vielleicht neue Freunde gewinnen. Wir wollen einen Weltrekord als „weltgrößter Kinderauszug“ aufstellen, und alle bekommen eine Urkunde dazu. Wir werden berühmt wie Superstars, weil Fernsehteams, Radiosender und viele Pressevertreter über unsere Heldentat berichten werden… o.k., vielleicht keine Superstars, aber Spaß macht’s bestimmt.

Volker: Wie kommen unsere Kinder nach Hause?

Sie kommen zum Familienfest in Coppenbrügge, um sie abzuholen, oder alle Teilnehmer werden von den Öffis nach Hameln zurückgebracht. Das schaffen die an jedem Schultag auch, oder?

Ole: Und was macht eigentlich dieser Ian Anderson?

Gute Frage! Das ist ein Super-Musiker, den eure Eltern bestimmt gut kennen. Er ist bei uns dabei und gibt abends ein tolles Konzert in der Rattenfänger-Halle.




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