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Ehemaliger Landwirt bringt auf dem Wochenmarkt Biobackwaren und -käse an die Kundschaft

"Und noch ein kleines Keks gewünscht...?"

Rinteln. Gelassener als Karl Pape (67) vom Vollkornbäckerstand Kornblume kann kaum ein Marktbeschicker sein. Egal, wie viele Kunden um Biobrot und Biokäse anstehen, er bewahrt Ruhe, wählt aus, packt sorgfältig ein und kein Käufer geht, ohne dass er ihm noch - wie er es immer sagt - "ein kleines Keks" über den Tresen reicht.

Karl Pape in auch heute wieder auf dem Wochenmarkt. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

Es ist kein Zufall, dass der ehemalige Landwirt aus Grupenhagen bei Aerzen ausgerechnet Bioware verkauft. Zwar hat er auf seiner Land- und Viehwirtschaft, die er vor vielen Jahren aufgab, nicht biologisch gewirtschaftet: "Das war damals eben nicht so", aber wenn er heute noch mal anfangen könnte, dann würde er es unbedingt tun. "Als Bauer weiß man ja, wie das mit dem Spritzen ist", sagt er. "Und beim Biologischen schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, man lebt gesund und tut was für die Welt, in der unsere Nachkommen leben werden." Und da steht er also, in seiner gemütlichen Strickjacke und der für ihn so typischen dicken Mütze mit den Ohrenklappen. Mit den Kunden ein bisschen zu plaudern, überhaupt mit Menschen zu tun zu haben, das liegt ihm, das gefällt ihm. Nicht umsonst war er zehn Jahre lang Ortsbürgermeister in Grupenhagen, dazu fast seit jeher im Vorstand der Forstgenossenschaft und Vorsitzender des örtlichen Heimatvereines. "Du kannst reden!" so hatte sein Chef um ihn geworben. "Du hast Talent!" So arbeitet er nun seit sieben Jahren für die Brüder Henning und Friedrich Pettig, die in Aerzen ihre Vollkornbäckerei betreiben, wo das wirklich leckere Brot nach eigenen Rezepten aus frisch gemahlenem, biologisch angebautem Getreide gebacken wird, aus nichts anderem als Biomehl, Wasser und Hefe. Auf dem Wochenmarkt in Springe gehört er zum vertrauten Bild, und auch die Rintelner würden seinen Stand auf dem Dienstagsmarkt sehr vermissen. "Ja, den habe ich hier gut in Gang gebracht", meint er. "Man kann schon sagen, dass die Umsätze gestiegen sind..." Er hat auch immer so freundliche Sprüche parat. Konnte sich jemand für einen der vielen biologisch produzierten Käse entscheiden, heißt es bestimmt: "Wie immer - die gute Sorte!" Fragt einer: "Kann man die Rinde mitessen?", antwortet er: "Das kann man - und da hat man gleich ein bisschen mehr, nee?" Und als eine alte Frau ganz traurig klagt, dass nicht mehr ihrer Ärztin das Vollkornbrot mitbringen soll, weiß er gleich was Tröstendes zu sagen: "Na, dafür haben Sie dann auch keinen so weiten Weg mehr bis zur Praxis hin." Ist ein Einkauf erledigt, dann heißt es immer: "Schöne Woche noch!" - so sicher ist er, dass man garantiert auch wiederkommt. Und das kommt man auch gern, für gutes Brot und gute Worte. Kein Wunder, das sein Chef sagt: "Karl, Du kannst hier verkaufen, bis du achtzig bist!"

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