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Ausstellung in der Rodenberger Kunst-Praxis löst Diskussionen aus

Und immer die Opfer im Blick

Rodenberg (tes). "Blick auf die Opfer": Unter diesem Titel hat Künstlerin Gertrud Schmidt eine Ausstellung in der Rodenberger Kunst-Praxis "Courage" präsentiert. Die pensionierte Lehrerin erklärte in einem umfassenden Vortrag die Entstehungsgeschichte ihrer Werke und lud im Anschluss zur Diskussion ein zum Thema "Opfer verdienen unsere Aufmerksamkeit".

Mit Acryl-Glasuren verwendet Gertrud Schmidt eine schwere Technik. "Man sieht nicht, was man malt", erklärte die Künstlerin, die eine eigene Arbeitsmethode mit Fliesenkleber entwickelt hat. So wirken die Werke besonders plastisch. Andere der insgesamt 28 ausgestellten Bilder basieren auf Seidenmalerei. Ganze Geschichten verbergen sich auf den Leinwänden, sollen gleichermaßen Feststellung wie Aufforderung sein. Dabei steht die Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Thema "Opfer" stets im Vordergrund. Wann haben Opfer Sinn? Ist der Opfertod der Soldaten wirklich ein Heldentod? Wie steht es um freiwillige Opfer wie bei Selbstmordattentätern? Zu den religiösen Hintergründen entstand schnell eine Diskussion, angefangen von den Opferriten im Alten Testament oder Tieropfern der Germanen an der Rodenberger Windmühle bis hin zu innerfamiliärer Gewalt aus Gründen der "Ehre". Niemand identifiziere sich gerne mit den Opfern, bedauerte Schmidt. Medien lenkten die Aufmerksamkeit zuerst auf die Täter - wie jüngst beim Amoklauf in Finnland. Die Suche nach Erklärungen beruhige nur die Nichtbetroffenen. Oft gebe es keinen Schuldigen, meinte die Künstlerin. "Das Schicksal ist ungerecht." Bei Gewaltverbrechen kam im Publikum der Wunsch nach einem "Opferstatus" auf, der Opfern automatisch Hilfe zusichert - nicht nur dem Täter. Wie groß die Distanz zu Opfern sein kann, zeigt Schmidt mit ihren zwei Welten in einem Bild, das den Irakkrieg aus dem Blickwinkel einer Fernsehzuschauerin dokumentiert. Auch einige Besucher meinten, Fernsehen und Computerspiele verstärkten den Gewöhnungseffekt an die alltäglichen Horrorbilder. Da beruhigte es die Künstlerin auch nicht, wenn ihr Enkel sage:"Da sterben doch nur die Bösen." In ihren Bildern lenkt die Laatzenerin die Aufmerksamkeit auf die Opfer und platziert bei aller Gewalt kleine Zeichen der Hoffnung - einen Clown, ein fröhliches Kind oder eine Erinnerung an die geliebte Tante. Diese selbstlose Verwandte habe sie als Kleinkind während des Krieges aufgenommen und brachte mit viel Aufopferungsbereitschaft wieder Glanz in ihr Leben. Für alle Opfer sei es wichtig, die Kunst des Verzeihens zu lernen und das Selbstwertgefühl zu stärken, betonte Schmidt. "Wer selbstlos ist, braucht ein starkes Selbst." Eine Auswahl der verkäuflichen Bilder ist noch vier Wochen lang in den Räumen von "Courage" in der Maschwiese 12 in Rodenberg zu sehen.




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