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Ein Probelauf: Erster Rintelner Karaoke-Abend im "Cho's"

Und gnadenlos spielt das Orchester immer weiter...

Rinteln (cok). Eine Karaoke-Bar zu führen, so ähnlich, wie es sie in Korea, ihrem Mutterland, an jeder Ecke gibt, das würde Sandra Kunze, Wirtin des "Cho's", schon sehr gefallen. Am Wochenende startete sie zusammen mit ihrer Partnerin Anna Kunze einen ersten Versuch, ob so was den Rintelnern wohl gefallen könnte. Und - ja, es könnte!

Karaoke im "Cho's": Beifall gibt es für jeden, der nach vorne ko

"Karaoke", das ist ein Begriff, der umschreibt, dass es rund um ein Orchester einen ausgesparten Platz gibt, der ausgefüllt werden soll: Wo in den Originalsongs die Sänger singen, spielt die Karaoke-Maschine die bloße Begleitung ab, damit mutige Amateure sich als Popstars erproben können. Einzige Unterstützung: Der jeweilige Text erscheint auf dem Bildschirm. Da gut zu sein, ist ganz schön schwer, und zum Amüsement der Gäste in dem voll gepfropften koreanischen Bistro am Kirchplatz gab es so einige Sänger, über deren Versuche, ihren Lieblingsinterpreten zu kopieren, man herzlich lachen konnte. Wie soll es etwa auch gelingen, aus dem Stehgreif ausgerechnet die melancholischen,so sehr von der Stimme Kurt Cobains geprägten und zudem ehr melodiearmen Songs der Grunge-Rockband Nirvana zu interpretieren? Jeder, der nach vorne kommt und sich das Mikrophon schnappt, hat sich vorher aus einer Liste vonüber 1000 Songs einen ausgesucht, an den er sich heranwagen will. Und manche wählen wirklich sehr geschickt. Eine blonde junge Frau zum Beispiel sang mit heller, klarer Stimme Juliane Werdings herzzerreißenden Song vom "Tag, als Conny Kramerstarb" - da lief einem schon der Schauerüber den Rücken, so gut traf die Sängerin den Ton der Ballade über die tragische Liebe zu einem jungen Drogensüchtigen. Karaoke-Singen, das bedeutet immer große Stimmungswechsel. Gerade noch kann man tief gerührt sein, da nehmen sich drei aufgedrehte Mädchen - wer weiß, welchen Anlass eine von ihnen dazu hatte - den bass-stimmigen Klaus Lage-Evergreen "Tausendmal berührt - tausendmal ist nichts passiert" vor - natürlich ein musikalisches Desaster,über das man sich nur kringelig lachen konnte. Gnadenlos nämlich spielt das Background-Orchester weiter, auch dann, wenn aus dem Mikro nur noch lachendes Gestammel kommt. Schlimm ist das aber keineswegs, wenn Songs so missraten - im Gegenteil, wie mehrere Gäste bestätigen: "Es müssen welche dabei sein, die nicht so gut singen - oh, was haben wir schon gelacht!" Und plötzlich horchen alle auf. Wurde die normale Musik wieder angestellt, nur besonders laut, besonders eindringlich, seltsam lebendig? Nein, es ist eine junge Frau aus Rinteln, die mit größter Selbstverständlichkeit und wunderbar ausdrucksstarker, gefühlvoller Stimme die Ballade "My Immortal" von Evanescence intoniert. Ihre Art zu singen fällt nicht umsonst heraus. Janna Tegtmeier, die Sängerin, hatte schon Gesangsunterricht und beginnt gerade eine Ausbildung als Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Hatte sie den Song extra für den Karaoke-Abend geübt? "Nöö", sagt sie fröhlich. "Meine Freunde haben mich gerade überredet, doch auch mal zu singen." Nach ihrem Auftritt ist erst mal Pause. Keiner traut sich so schnell wieder ans Mikrophon - jedenfalls nicht, solange nicht noch ein bisschen mehr Alkohol die Stimmen wieder löst. Es soll später aber, so hört man, wieder sehr lustig geworden sein. Und eines ist klar: Im "Cho's" gibt es bald wieder Karaoke.



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