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Und der Anleger ist oft der Dumme

Die großen deutschen Fondsgesellschaften haben in jüngster Zeit für zahlreiche Fonds erfolgsabhängige Gebühren eingeführt – und das zusätzlich zu den üblichen Verwaltungskosten. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat kürzlich bei einer der wichtigsten Fondsgruppen, den weltweit investierenden Aktienfonds, untersucht, für welche Fonds eine erfolgsabhängige Gebühr fällig wird und wie sie gestaltet ist.

Autor:

Albrecht Scheuermann

Viele Fonds haben die Zusatzgebühr schon länger und profitieren erheblich von ihr. So konnte die DWS, eine Fondsgesellschaft der Deutschen-Bank-Gruppe, aus ihrem global anlegenden Fonds Global Value für das Geschäftsjahr 2008/2009 eine Erfolgsbeteiligung von rund 6,7 Millionen Euro herausziehen – was die Rendite des Fonds um 1,36 Prozentpunkte verringerte. Das war mehr als ärgerlich für die Anleger: Der Fonds hatte im entsprechenden Jahr ein Drittel seines Wertes verloren. Und er war nach Abzug der Kosten nur noch 0,03 Prozentpunkte besser als seine selbst gewählte Messlatte, der weltweite Aktienindex MSCI World Value.

Fondsgesellschaften verteidigen die Erfolgsgebühr gern damit, dass sie auch dem Anleger nutze, indem sie das Fondsmanagement ansporne. Ein systematischer Renditevorsprung von Fonds mit Erfolgsgebühr lässt sich allerdings nicht feststellen. Die Argumentation der Befürworter gehe also ins Leere.

Viele Anleger fänden es gerecht, wenn eine Prämie im Erfolgsfall an eine Beteiligung in Verlustphasen gekoppelt wäre. Dann müsste das Fondsmanagement auch einmal Geld zurückzahlen, wenn es für Anleger nichts herausholen konnte. Doch solche Fonds fand „Finanztest“ nicht.

Im Gegenteil: Selbst renommierte Gesellschaften wie AGI, Deka, DWS und Union sind nicht einmal dazu bereit, Verluste aus der Vergangenheit zu berücksichtigen, bevor sie für Erfolge kassieren. Rund die Hälfte der untersuchten Fonds hat keinen derartigen Puffer. Mit Beginn jedes neuen Geschäftsjahres löschen sie zum Nachteil der Anleger die alten Ergebnisse aus dem Gedächtnis.

Erfolg ist ein dehnbarer Begriff. In der Fondsbranche ist es üblich, einen Wertpapierindex als Maßstab heranzuziehen. Nur wenn ein Fonds den Index übertrifft, ist er erfolgreich. Was Anlegern meist nicht klar ist: Eine Erfolgsgebühr kann bei vielen Fonds auch fällig werden, wenn der Fonds ein dickes Minus erwirtschaftet hat. So wie beim DWS Global Value.

Die meisten untersuchten Fonds wählen als Messlatte nicht einen Aktienindex, sondern eine feste Prozentmarke. Bei jedem fünften gilt bereits das Überschreiten der 0-Prozent-Hürde als Anlageerfolg. Liegt die Messlatte schon so niedrig, sollte wenigstens der Anteil der Fondsgesellschaft am Erfolg gering sein. Die Gesellschaften schneiden sich recht unterschiedliche Stücke vom Kuchen ab, die Spanne reicht von 5 bis 25 Prozent. Der Spaß hört auf, wenn eine 0-Prozent-Hürde mit einer 20-prozentigen Beteiligung am sogenannten Erfolg kombiniert wird.

Die Erfolgsgebühr ist aber nur einer von mehreren Posten. Es wäre normal, dass die Fondsgesellschaft zunächst alle sonstigen Kosten abzieht, ehe sie den Anlageerfolg misst. Doch so fair gehen längst nicht alle Anbieter mit ihren Kunden um. Selbst renommierte Fondsanbieter wie die Sparkassengesellschaft Deka, DJE und Union Investment berechnen die Erfolgsgebühr vom Bruttoertrag des Fonds – vor Abzug der Verwaltungskosten von ein bis zwei Prozent im Jahr. Durch diesen Trick liegt der Erfolg, mit dem die Manager ihre Gebühren berechnen, deutlich höher als das, was Anleger als Erfolg zu sehen bekommen.

Besonders undurchsichtig werden Erfolgsgebühren, wenn sie sich nicht auf ein Jahr, sondern auf kürzere Zeiträume beziehen. Je kürzer das Intervall, desto günstiger für den Anbieter. Der Fondsmanager kann sich sogar animiert fühlen, hohe Risiken einzugehen, um kurzzeitige Erfolge zu erzielen. Beispiel: Der AHW Top Dividende International A kassierte in dem Berichtsjahr 2007 laut Rechenschaftsbericht mehr als 330 000 Euro Erfolgsgebühr, obwohl er auf Jahressicht nicht einmal die 0-Prozent-Hürde übersprungen hatte. Die Gebühr verdankt die Fondsgesellschaft der vierteljährlichen Abrechnungsmethode. Mittlerweile hat sie sogar auf monatliche Betrachtungsweise umgestellt.

Tipp: Anleger sollten bei der Fondsauswahl auch auf Verwaltungskosten und Erfolgsgebühren achten. Stehen mehrere Fonds mit ähnlicher Bewertung zur Debatte, empfiehlt es sich, das Produkt ohne Erfolgsgebühr zu nehmen.

Investmentfonds sind beliebte Anlageprodukte, wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau geht. Doch nicht nur die Zahl der Anbieter und Fondsvarianten ist groß, sondern auch der Unterschied bei den anfallenden Nebenkosten. Dabei sind die folgenden Bestandteile zu unterscheiden.

Ausgabeaufschlag: Dieses Aufgeld wird beim Erwerb von Fondsanteilen fällig. Je nach Investmentgesellschaft und Fondsgattung reicht die Bandbreite von rund drei Prozent bei Anleihenfonds bis zu sechs Prozent bei Aktien- und Immobilienfonds. Für Geldmarktfonds werden zumeist keine Aufschläge erhoben. Geld sparen können Anleger bei dieser Gebühr, wenn sie die Fonds zum Beispiel bei einer Direktbank oder Online-Fondshändlern erwerben. Dort sind oft Rabatte von 50 bis 100 Prozent auf den Ausgabeaufschlag möglich, persönliche Beratung gibt es dann jedoch nicht.

Management- oder Verwaltungsgebühr: Aus dieser Gebühr, die jährlich vom Fondsvermögen abgezogen wird, bestreitet die Investmentgesellschaft die Ausgaben für das Fondsmanagement sowie Kapitalmarktanalysen und zahlt daraus auch Bestandsprovisionen für die Fondsvermittler. Unabhängig davon, bei welcher Bank die Fondsanteile des Kunden verwaltet werden, bleibt die Managementgebühr gleich. Jahr für Jahr werden dem Anleger so je nach Produkt etwa zwischen einem und zwei Prozent vom Anlagebetrag abgezogen. Wesentlich niedriger mit jährlich rund 0,2 bis 0,5 Prozent sind dagegen die Gebühren bei börsengehandelten Indexfonds – auch als ETF bezeichnet. Denn diese Fonds betreiben kein teures Fondsmanagement, sondern setzen allein auf die Marktentwicklung und bilden automatisiert nur einen bestimmten Index ab.

Gewinnbeteiligung (Performance Fee): Eine weitere Ertragsquelle haben sich viele Fondsgesellschaften in den vergangenen Jahren vor allem bei Aktienfonds durch die Einführung einer gewinnabhängigen Zusatzgebühr erschlossen. Damit wird neben der Verwaltungsgebühr ein Teil des Kursgewinns einkassiert, wenn der erzielte Anlageerfolg zum Beispiel einen bestimmten Prozentsatz überschreitet oder höher ausfällt als bei einem als Vergleichsgröße angesetzten Aktienindex.

Hilfe bei der Erfassung der Kosten einzelner Fonds leistet die Total Expense Ratio. Der englische Begriff bedeutet so viel wie Gesamtkostenquote. Die Kennzahl gibt an, wie hoch im vergangenen Geschäftsjahr die Summe von der Managementgebühr, der innerhalb des Fonds anfallenden Gebühren für die Verwahrung der Wertpapiere bei der Depotbank und anfallende Wirtschaftsprüferhonorare im Verhältnis zum durchschnittlichen Fondsvermögen war. Sie muss von der Fondsgesellschaft im Jahresbericht und im vereinfachten Verkaufsprospekt ausgewiesen werden.

Allerdings hat die Gesamtkostenquote deutliche Lücken: Nicht enthalten sind die Bank- und Börsengebühren, die der Fonds für den An- und Verkauf von Wertpapieren bezahlt, und auch die ertragsabhängigen Gewinnbeteiligungen bleiben außen vor.

Es ist völlig egal, ob an der Börse der Bulle oder der Bär regiert – die Fondsgesellschaft verdient immer. Die Anbieter haben die erfolgsabhängige Vergütung für sich entdeckt. Für die Anleger ist dabei mal wieder nicht alles Gold, was glänzt.




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