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GfW-Vortrag: Hauptmann Martin Heinemann schildert Eindrücke aus dem Sudan

UN-Beobachter in einer anderen Welt folgert: "Zeigen zu wenig Präsenz"

Bückeburg (ly). Krankheiten, Ungeziefer, Regen ohne Ende und unerträgliche Hitze: Wer als Mitteleuropäer in den Sudan fliegt, der landet in einer anderen Welt. Hauptmann Martin Heinemann vom Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr war ein halbes Jahr als UN-Militärbeobachter im Südsudan und hat sich dort eine Malaria eingefangen. Er ist wieder genesen undschilderte jetzt auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) während eines Vortrags in der Achumer Schäfer-Kaserne recht lebhaft seine Eindrücke.

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Heinemanns Fazit: "Wir zeigen dort zu wenig Präsenz." Kein Wunder, denn der Sudan (33 Millionen Einwohner) ist Afrikas größter Flächenstaat und etwa siebenmal so groß wie Deutschland. Rund 10 000 Soldaten, 750 Beobachter und zivile 700 Polizeiberater können da wohl kaum ständig präsent sein. Aus Deutschland kommen zurzeit 40 der unbewaffneten UN-Beobachter. Seit 1983 haben Konflikte im Sudan - weltweit eines derärmsten Länder - nach offiziellen Schätzungen ungefähr zwei Millionen Menschenleben gefordert. Hinzu kommt das ungewisse Schicksal von mehr als vier Millionen vertriebenen und entführten Sudanesen oder Flüchtlingen aus Nachbarländern. Bestimmt wurde das Geschehen maßgeblich von Kämpfen zwischen der arabisch-islamistischen Regierung im Norden und dem christlich-animistisch dominierten Süden, den die Rebellen als Rückzugsraum und logistische Basis nutzen. Obwohl sich in der westlichen Konfliktregion Darfur, die laut Bundeswehr mittelfristig befriedet werden soll, zurzeit eine humanitäre Katastrophe abspielt, verweigert die Regierung in Khartum hartnäckig eine Stationierung von UN-Blauhelmen. Die Vereinten Nationen sehen eine ihrer Hauptaufgaben darin, die Einhaltung des fragilen Friedensabkommens zu überwachen. Martin Heinemann, der im Rahmen der Beobachtermission "Unmis" im Südsudan eingesetzt war, hat zwei Verstöße festgestellt. Erstens: Ungeachtet des Verbotes und ihrer internationalen Ächtung gibt es Kindersoldaten. "Das sind Personen unter 18 Jahren, die nicht einmal bewaffnet sein müssen, sondern sich auch nur im Umfeld bewaffneter Kräfte aufhalten können",wie der Hauptmann definiert. Zweitens berichtet Heinemann über nicht angekündigte Verlegungen von Truppen. Bewaffnete Auseinandersetzungen hat er indes nicht beobachtet. "Mein subjektives Sicherheitsempfinden war besser als im Kosovo." Schlecht ist gar kein Ausdruck für die Bedingungen, unter denen die Beobachter arbeiten. "Am Tag der Ankunft muss man eine Unterkunft organisieren und mietet sich in der Regel selbst irgendwo ein", erzählt Heinemann, der die ersten Wochen allerdings im Zelt gelebt hat. "Manchmal gibt es sogar Strom." Arbeiten ging zunächst nurmit vielen Pausen, weil anfangs im Büro (mit Wellblechdach) eine Klimaanlage fehlte. "Länger als 20 Minuten am Stück konnte man sich dort nicht aufhalten'', so der Referent. "Später konnten wir die Hitze dank Klimaanlage auf 40 Grad Celsius drücken." Die meiste Zeit war Heinemann unterwegs. Eine Patrouille kann bis zu zehn Tage dauern. Regen heißt Stillstand, und die Regenzeit dauert im Sudan drei bis fünf Monate, je nach Region. Vielleicht noch dies: Der Flugplatz, über den der größte Teil der humanitären Hilfe für den gesamten Südsudan abgewickelt wurde, hat eine Landebahn aus Sand. Allen Widrigkeiten zum Trotz: "Meine Eindrücke", sagt Hauptmann Heinemann, "möchte ich nicht missen."



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