×
Bei ihnen siegt der Respekt voreinander

Ulrich Watermann (SPD) deutlich vor Petra Joumaah (CDU)

HAMELN. Aus dem Kopf-an-Kopf-Rennen wurde dann doch nichts. In allen Gemeinden seines Wahlkreises lagen am Ende Ulrich Watermann und seine SPD vorn und Petra Joumaah von der CDU musste sich mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Für den Pyrmonter SPD-Politiker war es denn auch ein sehr entspannter Wahlabend, denn bei der Auszählung der 120 Wahllokale war nach einer guten halben Stunde klar, dass er das Rennen machen würde.

Autor:

Hans-Ulrich Kilian und Christian Branahl

„Als ich gesehen habe, dass wir in Bad Pyrmont gewonnen haben, war alles klar – und ich wusste, dass wir auch den Wahlkreis gewinnen“, sagte Watermann. Am Sonntag holte der Pyrmonter mit 42,09 Prozent der Stimmen sein zweitbestes Ergebnis nach seinem Einstieg in die Landespolitik. 1998 hatte er es als Nachfolger von Christel Thielke auf 49,5 Prozent gebracht und den Wahlkreis direkt gewonnen. Das konnte er am Sonntag erstmals wiederholen, nachdem er 2008 der damaligen CDU-Kandidatin Ursula Körtner deutlich und 2013 Petra Joumaah ganz knapp unterlegen war. Doch warum lag er diesmal mit acht Prozentpunkten Unterschied – immerhin 2718 Stimmen – so deutlich vorne und überraschte damit viele Beobachter? „Wir haben einen relativ geschlossenen Wahlkampf gemacht“, lobte Watermann den Team-Einsatz und bekannte mit Blick auf seinen Erfolg im Jahr 1998: „Es ist ein super Gefühl, so etwas noch einmal zu erleben.“

Als ich gesehen habe, dass wir in Bad Pyrmont gewonnen haben, war alles klar.

Ulrich Watermann, Wahlsieger im Wahlkreis 36

Doch reicht das als Erklärung? Watermann ist ein alter Hase, bestens innerhalb der SPD vernetzt. Das war er auch schon bei der Landtagswahl 2013 und trotzdem hat es nicht gereicht, Petra Joumaah machte das Rennen, selbst in Bad Pyrmont. Damals hatte sich ihre Vorgängerin als CDU-Landtagsabgeordnete Ursula Körtner massiv für sie eingesetzt und der Newcomerin, die außerhalb von Bad Mündern kaum bekannt war, so manche Tür geöffnet. Diesmal hielt sich Körtner heraus. Zum einen aus gesundheitlichen Problemen, zum anderen möglicherweise aber auch nach Querelen mit ihren Parteifreunden, die sie im vergangenen Jahr als Fraktionsvorsitzende der Pyrmonter CDU-Ratsfraktion geschasst hatten. Dass diese fehlende Unterstützung zu ihrer Niederlage beigetragen haben könnte, fand Joumaah am Wahlsonntag „einen interessanten Gedanken“, dem sie einmal nachgehen wolle, denn sie wüsste auch gerne, warum sie verloren habe, sagte sie. Sie habe damit gerechnet, dass es eine knappe Sache werde, sie aber den Wahlkreis gewinne.

Information

Erste Trends gegen 17 Uhr

Als der SPD-Landtagsabgeordnete Ulrich Watermann gegen 18.20 Uhr aus Hannover kommend in der Hamelner Geschäftsstelle seiner Partei eintraf, kam er mit einem beruhigenden Vorwissen. Die Zahlen für die Sozialdemokraten waren gut, wie er bereits wusste. Klar, vorläufig nur, aber erfolgversprechend, wie er aus der Sitzung des SPD-Präsidiums, dessen geschäftsführendem Vorstand Watermann angehört. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Parteien schon am späten Nachmittag noch vor Schließung der Wahllokale mit vorläufigen Trends versorgt werden. Gegen 17 Uhr war es auch bei der Landes-SPD so weit. „Die totale Erleichterung“ habe er bei Ministerpräsident Stephan Weil gespürt, erzählt der heimische Abgeordnete, der wieder in den Landtag einzieht. „Man sah, wie die Anspannung von ihm abfiel“, gewährte Watermann Einblicke, wie sich Parteien auf den Wahlabend vorbereiten. Auch wenn sich die Zahlen immer noch hätten ändern können, so hätten die Spitzen mit dem Sieg vor Augen bereits besprochen, wie es später weitergehe. Klare Aussage, die dabei bekräftigt worden sei, so Watermann: „Wir sondieren mit allen demokratischen Kräften“ – wobei er am späteren Abend bei der Dewezet-Wahlparty ganz klar die AfD („Auf keinen Fall“) ausschloss. Selten verbrachte Watermann einen Wahlabend so entspannt. Noch während die Auszählung der Wählerstimmen lief, zeigte sich der Abgeordnete bereits um 18.45 Uhr vom Erfolg seiner Partei in den beiden heimischen Wahlkreisen überzeugt. Als er am späteren Abend sich von den Sozialdemokraten in Hameln feiern ließ, sprach er von einem „historischen Sieg“. „Die SPD ist nicht tot“, rief Watermann ihnen zu. „Sie ist sehr lebendig.“ cb

Mag sein, dass ihre Niederlage nicht ganz so deutlich ausgefallen wäre, aber den Erfolg von Watermann hätte auch eine Ursula Körtner nicht verhindern können. Watermann ist in der Landespolitik nicht zuletzt als kommunalpolitischer Sprecher seiner Fraktion sehr präsent und er war es auch als Wahlkämpfer. Noch am Sonntag haben er und sein Team in Bad Pyrmont Brötchen verteilt und um Stimmen geworben. Das hatte schon geholfen, Elke Christina Roeder zur Bürgermeisterin von Bad Pyrmont zu machen, was Watermann einst als seinen größten Erfolg bezeichnet. Spätestens jetzt kann er seinen Wahlkreissieg als noch größeren Erfolg verbuchen. Ihm trauen die Wähler offenbar zu, als erfahrener Politiker in Hannover viel für seinen Wahlkreis und das Weserbergland herauszuholen.

ANKLICKEN ZUM VERGRÖSSERN DER GRAFIK




Das würde er sogar erneut gerne mit Petra Joumaah zusammen tun, versicherte er am Sonntagabend. „Sie hat eine gute Arbeit gemacht und ich habe hervorragend mit ihr zusammengearbeitet und wünsche ihr, dass sie noch über die Landesliste den Wahlkreis verstärkt“, sagte er und tröstete seine politische Kontrahentin. „Man kann rausfliegen und wiederkomme, das habe ich alles hinter mir.“

Während sich der Wahlkampf auf die beiden großen Parteien konzentrierte, hatten es die anderen Direktkandidaten deutlich schwerer. Der notwendig gewordene vorzeitige Wahltermin machte den kleinen Parteien zu schaffen. Marc Telgheder von den Grünen – erst seit einem Jahr nach sozialdemokratischer Vergangenheit in der Partei – machte keinen Hehl daraus, nur Zählkandidat gewesen zu sein. „Ich bin über jede Stimme zufrieden“, sagte er. Trotz des Stimmenrückgangs gegenüber der Bundestagswahl sprach Delia Klages (AfD) von einem hervorragenden Ergebnis. Die Ergebnisse gelte es zu analysieren, „um es beim nächsten Mal besser zu machen“, sagte sie. Von Siegfried Meyer (Die Linke) gibt es keine Stellungnahme. Auch Markus Burgdorf (FDP) beklagte den kurzen Wahlkampf, der kaum Möglichkeiten gelassen habe, sich bekannt zu machen. Der Liberale, erst vor einem Jahr in den Landkreis gezogen, aber in Fachausschüssen auf Landesebene vertreten, gibt zu verstehen, dass künftig mit ihm zu rechnen sei. Burgdorf: „Ich bin ein Kämpfer.“


ANKLICKEN ZUM VERGRÖSSERN DER GRAFIK






Kontakt
Redaktion
Telefon: 05041 - 78932
E-Mail: redaktion@ndz.de
Anzeigen
Telefon: 05041 - 78910
Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
Abo-Service
Telefon: 05041 - 78921
E-Mail: vertrieb@ndz.de
Abo-Angebote: Aboshop

Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
X
Kontakt