×
Kultur und Erlebnis mit Tourismuspfarrerin Tabea Frey

Ulms Münster-Turm ist höher als der Kölner Dom

Ulm (nu/jlg). In Ulm und um Ulm herum – das Münster, gotisches Monument der Superlative, ist weithin sichtbar. Groß ist es, sehr groß. 20 000 Gläubige finden darin gleichzeitig Platz. Tabea Frey ist dort seit zehn Jahren Tourismuspfarrerin: Ein seltener Beruf. „Jeden Tag kann man darin etwas Neues entdecken“, sagt sie. Mal mystisch düster, mal hell strahlend, begegnet der Pfarrerin ihre Kirche.

Den höchsten Kirchturm der Christenheit haben die Ulmer im 19. Jahrhundert ihrer Kirche verpasst. Mit 161,53 Metern übertrifft er sogar die Türme des Kölner Doms um fast fünf Meter. Danach galt der 1377 begonnene Bau als vollendet. Viel Ulmer Stolz steckt darin. Ein Münster, das es mit jedem bischöflichen Dom aufnehmen kann, in dem aber nie ein Bischof das Sagen hatte. Denn die 51 Altäre wurden, wie der gesamte Münsterbau, ausschließlich von Ulmer Bürgern finanziert.

Heute gehören vier Geistliche zum Münster: eine Prälatin, ein Dekan und zwei Pfarrer. Tabea Frey ist eine davon. Seit zehn Jahren übt die zierliche Blondine neben ihren pastoralen Aufgaben das speziell fürs Münster geschaffene Amt einer Tourismus- oder Gästepfarrerin aus. Im Sommer 2002 hat sie das Konzept für diese Mischung aus Seelsorge und Gästeführung entworfen. Es war Grundlage für ihre Bewerbung, denn die Ulmer hatten erkannt, dass ihre besondere Kirche auch besondere Strategien verlangt. Rund 60 ehrenamtliche Helfer stehen der Tourismuspfarrerin bei ihrer Arbeit zur Seite. Während der Saison sind sie für die Kirchenbesucher täglich für Fragen und Informationen rund ums Münster da. Und viele erleben das Münster so, wie Tabea Frey es erlebt. „Mein Gott, wie bin ich klein“, entfuhr es ihr, als sie das erste Mal den Kirchenraum betreten hatte.

Ergänzend zum Angebot der Ulm/Neu-Ulm-Touristik listet ein 52-seitiger Prospekt der Münstergemeinde über 100 Führungen durch das Münster auf. Neben der beliebten „kleinen Führung“ mit jeweils einem wechselnden Aspekt des Münsters im Blick gibt es spezielle Thementouren, die in sonst verschlossene Bereiche des Baus vordringen, etwa in den Keller oder ins Gewölbe. Die Tourismuspfarrerin organisiert zudem Münsternächte und Ausstellungen, die über die Region hinaus Beachtung finden.

4 Bilder

Das Münster ist eine evangelische Kirche: Schon 1530 beschloss die Bevölkerung Ulms mit großer Mehrheit den Übertritt zum Protestantismus. Viel Prunk und die prachtvollen Privataltäre fielen in der Folge dem Bildersturm zum Opfer. So mancher gotische Altar wurde damals als „altes G’lomp“ verfeuert. Dagegen stellte der Rat das in jener Zeit fast provozierend neue Chorgestühl unter Schutz. „Wir spüren bis heute, was verloren gegangen ist“, sagt Tabea Frey. „Aber wer das nicht weiß, ist erst einmal angenehm überrascht.“ Weit und offen mit viel Luft für die eigene Begegnung mit dem Raum übe das Münster einen besonderen Reiz aus.

Aber man darf sich nichts vormachen: Im Winter hat es im Münster schon mal Minusgrade! Dann werden dicke rote Fleece-Decken an die Kirchenbesucher verteilt. Ein Kirchgang wird dann zu einem harten Dienst an Gott. Ungebrochen hingegen ist der regelrechte Boom im Kirchentourismus. Tabea Frey erklärt das mit einer „modernen Pilgerschaft“. In einer mobilen Gesellschaft würden unterwegs Orte aufgesucht, an denen man ankommen könne.

Gleichwohl wirbt die Stadt an der Donau mit dem Slogan „Ulm ist mehr als nur das Münster“. Zu Recht. Alleine in Fußdistanz rund um den Münsterplatz lassen sich zahlreiche Attraktionen bei einem gemütlichen Stadtrundgang erkunden: Das Stadthaus des New Yorker Stararchitekten Richard Meier in Nachbarschaft zum Münster sorgt seit 1994 für Aufsehen. In dem teils runden Gebäude ist auch die Tourist-Information untergebracht. Die „Neue Mitte“ ist nur wenige Schritte vom Münsterplatz entfernt. Durch mutige Stadtplanung sind in den vergangenen Jahren faszinierende Bauwerke entstanden. Die Bibliothek etwa präsentiert sich als Glaspyramide. Sehenswert ist auch die kunsthistorische Sammlung des Ulmer Museums im Kiechelhaus, einem der erhaltenen Patrizierbauten Ulms.

Mehr erfahren Interessierte bei der Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH unter 0731 / 1 61 28 30, E-Mail: info@tourismus.ulm.de; Internet: www.tourismus.ulm.de

Ein Münster der Superlative: Das Ulmer Gotteshaus bietet Platz für 12 000 Menschen und hat mit 161,53 Metern den höchsten Kirchturm der Christenheit. Kein Wunder, dass es über 100 verschiedene Führungen gibt, die unter anderem von Tourismuspfarrerin Tabea Frey durchgeführt werden.

Fotos: Ulm-Tourismus

Wer im Glashaus sitzt…: Die Stadtbibliothek ist eines von vielen bemerkenswerten Gebäuden der Stadt.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt