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GmbH ersteigert Areal vom Land / Im Internet auf Käufer-Suche / Aber die Rechnung ohne Grabbe gemacht

Tunnel plus Bergwerk zum "Schnäppchen"-Preis

Ahnsen//Schopsdorf (tw). Das klingt auf den ersten Blick nach Schnäppchen: "Nur" 24 900 Euro möchte die "Zweitehandhaus GmbH" mit Sitz in Schopsdorf (Sachsen-Anhalt) für ein 8500 Quadratmeter großes Grundstück samt Eisenbahntunnel, Kohlebergwerk und Weltkriegs-Bunker - Zitat: "Ein hochinteressantes Grundstück am Wasser für den Technik- oder

Wird von "Zweitehandhaus" zum Kauf im Internet angepriesen: der

Naturfreund" - in der Gemarkung Ahnsen haben. "Nur" 19 900 Euro für einen 1771 Quadratmeter großen Landschafts-Zipfel im Bereich Wilhelmshöhe. Allein letzteres, im Internet als "Baugrundstück" angepriesene Areal hat nach Aussage der Schopsdorfer einen Wert von 38 Euro pro Quadratmeter. Gesamtwert: angeblich 65 000 Euro. Der Haken nur: Die GmbH, dieähnliche Geschäfte auch mit einem Bachlauf in Achum versucht (wir berichteten) ist in beiden Eilser Fällen gar nicht Eigentümer, denn: Ahnsens Bürgermeister Heinz Grabbe hat die Hand drauf - und denkt gar nicht dran, los zu lassen, denn für Ahnsen steht dabei viel auf dem Spiel. Vorgeschichte: Besagte Fläche, Teil eines 10 000 Quadratmeter großen Streifens mit Tunnel und Stollen, der zwischen L 451 und Aue verläuft, hatte das Landesstraßenbauamt Ende der 70er Jahre von der Gemeinde gekauft. Absicht war es, besagte L 451 eines Tages verlegen zu können; davor gehörte das Gelände der Eilser Kleinbahn. Kürzlich hatte der Land, in chronischer Finanznot, die im Topf des Landesliegenschaftsfonds befindliche Gesamtfläche über die Norddeutsche Grundstücks-Auktions AG mit Sitz in Rostock als Katalog-Objekt Nr. 089 zur Versteigerung angeboten. "Die Zweitehandhaus GmbH", so Grabbe kopfschüttelnd, "erhielt für einen - geringen - vierstelligen Betrag den Zuschlag". Preist das "erhöhte Grundstücksplateau, bei dem sich durch Baumbeschnitt wieder ein schöner, unverbaubarer Ausblick in die Natur" herstellen lasse, seitdem zum Wiederverkauf an. Problem dabei: Das Baugesetzbuch räumt den Kommunen bei diesen Grundstücksgeschäften ein Vorkaufsrecht ein. Eben darauf sollte Ahnsen per Unterschrift verzichten. Doch der Bürgermeister wurde hellhörig ... "Auf den 10 000 Quadratmetern befindet sich auch eine Gasdruck-Regelstation der Stadtwerke Schaumburg-Lippe, ein Teil der Haltebucht und ein Krötentunnel", weiß Grabbe, der nach längerem hin und her eine Liegenschaftskarte sowie den zwischen dem Land und der GmbH abgeschlossenen Kaufvertrag erhalten hat. Die Stadtwerke seien vom Käufer aufgefordert worden, die dort seit 1937 stehende Regelstation zu entfernen. Gleichzeitig sollten zwölf Bäume gerodet werden. Letzteres ist inzwischen erfolgt, ersteres wird nicht geschehen. Denn die Gemeinde ist bestrebt, ihr Vorkaufsrecht auszuüben. "Wir wollen", sagt Grabbe, "dass der Kaufvertrag rück abgewickelt wird." Ziel sei es, dass Ahnsen das Gesamtareal selbst erwerbe. Nicht zum Wiederverkaufspreis der Schopsdorfer in Höhe von insgesamt 45 000 Euro, sondern für eben jenen geringen vierstelligen Betrag, für den die Zweitehandhaus GmbH das Gelände vom Land ersteigert hat. Wenn es auf der Homepage der GmbH heißt: "Wir versuchen nach Möglichkeit, solche Objekte einzukaufen, die mit relativ geringen Aufwand wieder bewohnt werden können, denn viele unserer Kunden wollen möglichst schnell einziehen, um anderweitig keine Miete mehr bezahlen zu müssen", schüttelt Grabbe nur mit dem Kopf. Zumal der Streifen, der an seiner schmalsten Stelle weniger als zehn Meter messen soll, für einen Privatinvestor "völlig wertlos", weil für eine Bebauung ungeeignet sei. Die Gemeinde aber könne die Fläche wegen der Aufbauten nicht der Abrissbirne überantworten. Grabbe: "Jetzt ist das Land am Zug. Aber von dem haben wir seit dem 23. März nichts mehr gehört ..."

Bestandteil des "Immobilien-Schnäppchens": Das "Kohlebergwerk" s
  • Bestandteil des "Immobilien-Schnäppchens": Das "Kohlebergwerk" samt Zugang. "Die Herstellung eines ordentlichen Eingangs ist möglich", heißt es auf der Homepage der GmbH.
Ahnsens Bürgermeister Heinz Grabbe zeigt auf die Gasdruck-Regels
  • Ahnsens Bürgermeister Heinz Grabbe zeigt auf die Gasdruck-Regelstation der Stadtwerke, die auf dem Gelände steht - sie sollte weg. Fotos: tw
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