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Neuerungen im Sprengstoffgesetz werden in Bad Münder ignoriert / Stadtverwaltung will informieren

Trotz Verbot: Feuerwerk über Fachwerk

Bad Münder (jhr). Für Uwe Behrendt und seine Freunde war es in der Silvesternacht schon eine befremdliche Situation: Vom Kurpark aus blickte der stellvertretende Ortsbrandmeister der Kernstadt kurz nach Mitternacht auf schillerndes Feuerwerk – das Feuerwerk über der Innenstadt. Der Blick in die gestrige NDZ-Ausgabe bestätigte ihm dann, was er bereits erwartet hatte: Zwischen Fachwerkhäusern und historischer Bausubstanz wurden in der Silvesternacht Raketen abgeschossen und Böller geworfen – und damit wiederholt gegen ein seit zwei Jahren geltendes Bundesgesetz verstoßen.

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„Ein Gesetz, dessen Einhaltung offensichtlich nicht kontrolliert wird“, wundert sich Behrendt. Die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz wurde vor zwei Jahren geändert. Neu ist seitdem, dass das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern nicht nur aus Gründen des Lärmschutzes, sondern auch aufgrund des „vorbeugenden Brandschutzes“ verboten ist. Durch die große Anzahl von Fachwerkhäusern, die die Stadt gerne zur touristischen Werbung heranzieht, wird nahezu der gesamte Innenstadtbereich zur Verbotszone.

Anders als in Bad Münder wiesen die Stadtverwaltungen in Hameln und Hessisch Oldendorf im Vorfeld des Silvesterabends ihre Bürger auf das Sprengstoffgesetz hin. In Hessisch Oldendorf wurden konkret zwei Bereiche festgelegt und mit einem „generellen Abbrennverbot“ belegt. „Immer wieder kommt es durch Feuerwerk zu Bränden. Wir haben hier in Fischbeck ein 1000 Jahre altes Stift – da kann man kein Risiko eingehen“, heißt es in Hessisch Oldendorf. Durch die öffentliche Information habe man die Bürger auf das Gesetz hinweisen und für die Problematik sensibilisieren wollen, erklärt Bürgermeister Harald Krüger. Die Erfahrungen der Ordnungsamtsmitarbeiter, die zum Jahreswechsel 2011/2012 gemeinsam mit der Polizei die Einhaltung des Gesetzes überwachten, fallen positiv aus: „Die Leute waren sehr einsichtig. Da ist kein böses Wort gefallen“, sagt Herbert Wichmann, Leiter des Ordnungsamtes der Nachbarstadt. Auch beim aktuellen Jahreswechsel habe es keine Probleme gegeben.

Eine konsequente Überwachung des gesamten münderschen Innenstadtbereichs hält hingegen Daniela Kempa, Leiterin des Einsatz- und Streifenddienstes in Bad Münder, für schwierig. Auf die Silvesternacht bereite sich die Polizei bereits mit deutlich erhöhtem Personaleinsatz vor, aber: „Ab Mitternacht geht es richtig los. Dann kommen die Anrufe, da steht die Gefahrenabwehr im Mittelpunkt.“ Streitigkeiten im häuslichen Bereich und leichtere Körperverletzungen beschäftigten die Beamten intensiv – auch beim jüngsten Jahreswechsel.

Die Stadtverwaltung will künftig intensiver auf das Sprengstoffgesetz und seine Auswirkungen auf Bad Münder hinweisen. „Wir hoffen auf das Verständnis der Anwohner“, erklärt Marcus Westphal für die Stadtverwaltung.



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