×
Arbeitnehmer muss selbst darauf achten, ob Bahn und Bus nicht fahren

Trotz Streik muss man pünktlich sein

Landkreis (blc). Bahnstreiks sind für Kunden ärgerlich. Überfüllte Bahnsteige, verpasste Anschlusszüge und lange Wartezeiten sind die Folge. Mancher Zug fährt überhaupt nicht. Berufstätige kommen häufig nicht rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz. Aber was ist, wenn man erst Stunden später im Büro erscheint? Muss der Chef das hinnehmen? Welche Rechte und Pflichten hat ein Arbeitnehmer, der wegen eines Streiks nicht pünktlich ist?

Am Arbeitsplatz zu erscheinen ist Pflicht: „Der Arbeitnehmer trägt das sogenannte Wegerisiko“, erläutert Rechtsanwalt Martens, Vorsitzender des Anwaltvereins im Landgerichtsbezirk Bückeburg. Das bedeutet, dass er auch bei einem Streik die Pflicht hat, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Da Streiks im Moment zwölf Stunden vorher angekündigt werden, müssten die Arbeitnehmer das einplanen und früher losfahren. Der vorhersehbare Bahnstreik kann nicht als Ausrede benutzt werden, sondern gehört zum sogenannten „Lebensrisiko“.

Rechtzeitig informieren: Der Arbeitgeber kann erwarten, dass seine Angestellten die Nachrichten verfolgen und sich darauf einstellen, wenn ein Streik in den Medien angekündigt wird. Notfalls muss er mit dem Auto fahren oder auch mit einem anderen Kollegen eine Fahrgemeinschaft bilden. Ist die Strecke nicht zu weit, kann auch das Fahrrad zumutbar sein.

Ohne Arbeit kein Lohn: Da der Arbeitnehmer sich nicht auf höhere Gewalt berufen kann, gibt es auch kein Geld für die Zeit, in der er nicht gearbeitet hat. Der Arbeitgeber kann den Lohn um die ausgefallene Zeit kürzen oder auf dem Nacharbeiten der fehlenden Zeit bestehen. Natürlich kann in Absprache mit dem Chef auch ein Urlaubstag für den Streiktag angerechnet werden.

Abmahnung möglich: Wer seinen Arbeitgeber überhaupt nicht informiert oder wegen des Streiks nicht zur Arbeit kommt, riskiert eine Abmahnung. Wenn sich herauskristallisiert, dass eine Verspätung wahrscheinlich ist, muss der Arbeitnehmer schnellstmöglich die Firma informieren, beispielsweise über Handy oder einen Fernsprecher auf dem Bahnhof. In der Regel wird der Chef wegen eines Bahnstreiks nicht zu solchen Maßnahmen greifen. Aufpassen sollten dennoch die Arbeitnehmer, die vorher bereits aufgefallen sind.

Hotlines für geänderte Fahrpläne nutzen: In der Regel gibt es Servicenummern der Bahn, die über geänderte Fahrpläne informieren. Im Streikfall bleibt es dabei: Man muss selbst aktiv werden und alle Informationswege ausnutzen.

Gibt es eine Entschädigung der Bahn? „Die Bahngesellschaften sind für die Streiks nicht verantwortlich, deshalb gibt es auch keine Entschädigung für Verspätungen“, führt Rechtsanwalt Martens zu dieser Frage aus. Wer seine Reise wegen Zugausfällen oder Verspätungen nicht antreten kann, könne sein Ticket aber umtauschen oder es sich erstatten lassen. Wer sich kurzfristig lieber in sein Auto setzen möchte, kann sein Ticket bis einen Tag vor Fahrtantritt kostenlos umtauschen. Es ist auch möglich, ohne Mehrkosten den nächsten und auch höherwertigen Zug zu nutzen. Die Zugbindung wird bei Angeboten wie Sparpreisen oder Gruppenfahrten aufgehoben. Auf alternative Beförderungsmöglichkeiten wie Taxi hat der Bahnkunde allerdings keinen Anspruch. Reisende, die ihre Fahrt mit der Bahn als Zubringer für einen Flug eingeplant haben, sollten entweder viel Zeit einkalkulieren oder auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Auch wenn ein Flug wegen des Bahnstreiks versäumt wird, besteht kein Anspruch auf Entschädigung.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt