×
Urteile im Jugendbande-Prozess: Drei sollen in Haft, zwei bekommen Bewährung, zwei müssen zahlen

Trotz aufrichtiger Reue: Vier Jahre Gefängnis

Rinteln / Bückeburg (ly). Dreister geht's nicht: Zum Teil vor den Augen der Geschäftsleute hat ein Rintelner Diebesgut aus Läden geschleppt. Vielleicht hatte sich der Drogensüchtige aber auch zeitweise "um den Versta nd gekifft", wie Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein glaubt. Im Prozess gegen eine siebenköpfige Gruppe krimineller Burschen hat das Bückeburger Landgericht den 21-Jährigen als Haupttäter zu vier Jahren Jugendhaft verurteilt. Allein er hat 40 Diebstähle auf dem Kerbholz, dazu vier Fälle von Betrug.

Ebenfalls in den Jugendknast, allerdings für ein Jahr, soll ein Komplize (20). Zwei Männer kommen dank günstiger Sozialprognosen mit Bewährungsstrafen von zwei Jahren beziehungsweise 21 Monaten davon, die mit strengen Auflagen wie gemeinnütziger Arbeit verbunden sind, ein dritter mit 500 Euro Geldbuße (plus 50 Sozialstunden). Bereitszu Beginn hatte die 1. Große Jugendkammer gegen einen Mann 14 Monate Haft verhängt, gegen einen anderen 500 Euro Geldstrafe. Auf das Konto der Rintelner Gang, die nach Auffassung der Richter zumindest im juristischen Sinne keine Bande ist, gehen 91 Straftaten in wechselnder Beteiligung,überwiegend Ladendiebstähle, Einbrüche oder Betrügereien in Rinteln und Umgebung. Weitere 33 Fälle waren eingestellt worden, weil eine Verurteilung kaum weiter ins Gewicht gefallen wäre. Die Beute sollte zu Geld für Rauschgift gemacht werden, bevorzugt Haschisch und Marihuana sowie chemischeDrogen. Die Tatzeit lag zwischen Januar 2005 und Juni 2006. Für später war Drogenhandel im großen Stil geplant. Vom Saulus zum Paulus: Bis zum Prozess hat der Hauptangeklagte, wegen anderer Sachen bereits in Haft, eine Wandlung zum Besseren durchgemacht. Er galt als Kopf der Gruppe sowie Erfinder eines Systems mit akribischer Buchführung über den Warenbestand, sorgfältiger Lagerhaltung und gut organisiertem Verkauf als Internet-Versand. In ihrer Urteilsbegründung attestierte die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus dem Rintelner aufrichtige Reue und Einsicht. "Durch ein herausragendes Geständnis hat er die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Gericht gefördert", hieß es. Auf der anderen Seite ließen sich schädliche Neigungen, die Voraussetzung für eine Jugendstrafe, nicht leugnen. "Und die Schuld wiegt schwer", so Brüninghaus. Hinter Gittern hat der 21-Jährige eine Lehre begonnen, sich losgesagt von Drogen und falschen Freunden. Völlig anders hatte sich der zu einem Jahr Jugendhaft verurteilte Komplize (20) präsentiert. Noch im August 2007 soll der Rintelner mit fast 200 Gramm Marihuana in eine Zollkontrolle geraten sein. Im Prozess blieb der Heranwachsende dabei, dass Cannabis keine Droge sei und schon gar nicht gefährlich. "Das ist eindeutig falsch", widersprach Richterin Brüninghaus. Cannabis sei eine Einstiegsdroge. "Deshalb ist es richtig, Handel, Besitz und Einfuhr unter Strafe zu stellen."




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt