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Aussteller sind zufrieden mit ihrer ersten Puppen- und Teddy-Börse in der neuen Wandelhalle

Traurige Petunia findet keinen Liebhaber

Bad Nenndorf (rwe). Die Unterlippe nach vorne gerollt, die blauen Augen blicken ein wenig traurig drein: Petunia sucht ein neues Zuhause, und ein wenig wundert es schon, dass diese zuckersüße Gesicht noch nicht das Herz eines Puppenliebhabers erweicht hat. Eigentlich sucht auch nicht Petunia ein neues Heim für sie, sondern ihre Puppenmutter Rita Meyer-Hochheim aus Nienstädt.

Rita Meyer-Hochheim aus Nienstädt ist zum ersten Mal in der Wand

Sie gehört zu den 20 Ausstellern der ersten Puppen- und Teddybörse, die Matthias Lübker in Bad Nenndorf veranstaltet. Draußen scheint die Sonne und lädt die Menschen zum Spaziergang ein. "Das Wetter ist einfach zu gut für eine Veranstaltung in der Halle. Deshalb bin ich zufrieden, auch wenn es ruhigmehr Besucher sein dürften", sagt der Organisator. Eine genaue Zahl nennt er nicht, aber zwischen 300 bis 400 Gäste lösen an diesem Tag bei ihm an der Kasse für vier Euro ein Ticket. Dann streifen sie entlang der Tische, auf denen hunderte kleine und große Puppen wie Petunia darauf warten, mitgenommen zu werden. "Das sind alles Unikate", betont Meyer-Hochheim. Die Köpfe und Körper aus Porzellan sind zwar in einer vorgefertigten Form gebrannt, doch die Gesichter handgemalt, jedes Kleid von Hand genäht. Drei bis vier Wochen dauert es, ehe sie ein Exemplar fertig hat. Daher kommt der Preis nicht von ungefähr. Petunia kostet 100 Euro. "Das dürfen Sie nicht auf die Stunde umrechnen, dann lohnt sich das nicht", sagt Meyer-Hochheim. Ihr mache es Spaß, eine Puppe herzustellen und damit andere zu erfreuen. Wenn kein Platz mehr bei ihr ist, fährt sie mit ihrem Mann los. Acht bis neun Mal pro Jahr sind die beiden in der näheren Umgebung unterwegs. Über die Sonne heute freut sich die Bastlerin. "Dann gehen die Leute wenigstens raus." Das Geschäft in Bad Nenndorf läuft für sie aber eher mau. "Eineinhalb Puppen" hat sie verkauft. Petunia war nicht dabei. Auch für Irmgard Nierling aus Heuerßen lief der Verkauf schon besser, doch die Wirtschaftslage mache sich bemerkbar. Die handgemachten Puppen seien schließlich ein echter "Luxusartikel". Sie stellt schon seit 13 Jahren mit viel Liebe ihre Puppen her. "Als ich die erste fertig hatte, wollte ich noch eine." Die Leidenschaft führte dazu, dass sie zwischenzeitlich jedes zweite Wochenende mit Ehemann Dieter bundesweit unterwegs war und sogar schon im ehemaligen Kurhaus eine Börse organisierte. Bis zu 660 Euro können Liebhaber bei Nierling für ein 93 Zentimeter großes Porzellanmädchen anlegen. Mittlerweile bietet sie auch Bausätze an. Da bekommen die Kunden nur die Puppe samt liebevoll gemaltem Gesicht und Echthaar, die Kleidung dazu nähen sie selber. "Das ist mittlerweile sehr beliebt", sagt sie. Wer sich noch mehr für das Hobby interessiert, kann bei ihr in der Puppenstube einen Kurs belegen. Den Wert der Handarbeit erkennen nach ihren Worten vor allem diejenigen, die sich im Fernsehen ein industriell gefertigtes Billig-Exemplar bestellen. "Manche stehen dann damit vor uns und wundern sich, was ihnen angedreht wurde." Danach komme so ein Kunde lieber gleich zu ihr. Das dürfte Organisator Lübker gerne hören. Die Aussteller seien mit dem Tag in Nenndorf zufrieden, sagt er. Deshalb will er nächstes Jahr wiederkommen. Petunia dürfte bis dahin aber sicher einen Liebhaber gefunden haben.

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