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Pastor Norbert Kubba aus Lauenhagen weiß als Notfallseelsorger um die Bedeutung der Unfallkreuze

Trauer am Straßenrand

Samtgemeinden. Sie stehen in Kurven, an Kreuzungen und an Bäumen: Hinter jedem der Gedenkkreuze, die entlang der Straßen der Samtgemeinden und darüber hinaus aufgestellt sind, steckt ein Schicksal. Für Angehörige ist es ein Ort der Erinnerung und Trauer, für unbeteiligte Autofahrer ein Zeichen der Mahnung. Pastor Norbert Kubba aus Lauenhagen ist leitender Notfallseelsorger der Landeskirche Schaumburg-Lippe und weiß um die Bedeutung dieser Gedenkstätten.

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Autor:

Verena Insinger

Nach tödlichen Unfällen überbringt häufig Kubba selbst die schreckliche Nachricht – begleitet von der Polizei. Er spürt den Schock, die Trauer und die Verzweiflung der Angehörigen – ungefiltert. Er und seine bis zu 30 Kollegen bei der Notfallseelsorge der Landeskirche geben Halt, wenn anderen Leuten der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Wenn Eltern mitgeteilt wird, dass der Sohn bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.

Der 50-Jährige weiß, wie wichtig es Angehörigen ist, den Ort des Unfalls zu besuchen. „Dort war der Übergang von Leben und Tod eines geliebten Menschen. Dieser Ort war die letzte und verpasste Chance des Abschiednehmens“, erläutert der Lauenhäger Pastor. Mitunter sei den Angehörigen der Baum, gegen den das Auto geprallt ist, in dem das Kind oder der Ehepartner gestorben ist, wichtiger als die Grabstätte selbst. Aus diesem Grund stellen einige Trauernde an dieser Stelle auch Holzkreuze, Kerzen, Blumen und Fotos auf.

Vor mehr als vier Jahrzehnten wurden Kreuze an den Straßen in vielen europäischen Ländern zum Symbol des Unfalltodes. Ende der sechziger Jahre ließ die Bundesregierung an Unfallschwerpunkten auf Autobahnen Kreuze mit der Mahnung „Hier starb ein Autofahrer“ aufstellen.

Grundsätzlich ist das Errichten dieser Symbole am Straßenrand nicht erlaubt, wird aber in den meisten Fällen geduldet. So auch im Landkreis Schaumburg. „Bei uns werden die Gedenkstätten natürlich toleriert“, sagt der Erste Kreisrat Klaus Heimann. Dennoch müsse die Verkehrssicherungspflicht gewährleistet sein. Bislang gab es allerdings in dieser Hinsicht keine Probleme. Ganz im Gegenteil: Heimann sieht auch noch einen positiven Effekt für andere Verkehrsteilnehmer. „Sie werden durch die Unfallkreuze sensibilisiert, dass die Gefahr immer mitfährt.“

So sieht es auch Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Wichtig sei, dass durch das Aufstellen und die Pflege der Gedenkstätte weder der Angehörige selbst noch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Sollte das einmal nicht gegeben sein, suche die Behörde das Gespräch mit den Angehörigen. „Sehr vorsichtig und mit Augenmaß“ werde dann eine Lösung gesucht.

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