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Traditionsgasthaus am Ende?

Bad Münder. Ein Traditionsbetrieb steht vor dem Aus: Das Deutsche Haus hat Insolvenz angemeldet. Die Zukunft des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Gasthauses steht in den Sternen. „Im Moment weiß ich nicht, ob und wie es weiter geht“, sagt Inhaberin Kerstin Budde. Sie leitet das Gasthaus in dritter Generation. Seit 1958 ist das Hotel-Restaurant im Besitz ihrer Familie.

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Für die finanzielle Schieflage gebe es mehrere Ursachsen, so die Geschäftsführerin. Vor drei Jahren habe das Unheil angefangen – mit einer Prüfung vom Finanzamt. „Dabei ging es um Schwarzgeld“, sagt Budde. Letztendlich verlangte die Behörde knapp 70 000 Euro. Mit Schrecken erinnert sich die Gastronomin an diese Zeit zurück. „Es war wie in einem Krimi.“ Während des Verfahrens seien die Geschäftskonten zeitweilig gesperrt worden. „So kann man keinen Betrieb führen“, sagt Budde.

Ein weiterer Grund für die Misere sei der Abbau von Arbeitsplätzen in der Stadt. Regelmäßig hätten sich Wochenendpendler für die Arbeitszeit bei ihr einquartiert, so Budde weiter. Diese Übernachtungsgäste fehlen nun. „Wenn die Glashütte 300 Leute entlässt, geht das an der Gastronomie nicht spurlos vorbei.“

Die Sanierung des nördlichen Abschnitts der Bahnhofstraße im vergangenen Jahr habe das Fass zum überlaufen gebracht, erklärt die Gasthaus-Chefin. „Die Großbaustelle direkt vor der Haustür hat viele Gäste verschreckt.“

Zu den Stammkunden des Deutschen Hauses zählen von je her Vereine, Parteien und Gremien der Stadt. Die Traditionsgaststätte ist Ort vieler Treffen, Versammlungen und Sitzungen gewesen. Aktuell wird dort nicht getagt. Wegen der Insolvenz mussten einige Vereine ihre Zusammenkünfte an einen anderen Ort verlegen. „Das kommt natürlich nicht gut an“, sagt Budde, die auch schon zahlreiche Familienfeiern absagen musste – gerade jetzt, zu Beginn der Saison. „Die Leute kommen nicht wieder.“

Mittlerweile hat sich die Pleite des Deutschen Hauses in der Stadt herumgesprochen. Mehrfach sei sie auf der Straße angesprochen worden, so Kerstin Budde. Die Reaktion der Leute habe sie angenehm überrascht. „Die meisten sind traurig und finden es schade, dass es so weit gekommen ist“, zeigt sich die Inhaberin gerührt.

Ob und wie es mit dem Deutschen Haus weiter geht, hängt nicht zuletzt vom münderschen Rechtsanwalt Matthias Wandel ab. Er wurde vom Amtsgericht Hameln als Sachverständiger eingesetzt – derzeit prüft er die Rechtmäßigkeit des Antrages. Nach Abschluss seiner Untersuchungen spricht er eine Empfehlung aus. Sollten die Tatsachen dafür sprechen, wird das Amtsgericht dann das Verfahren eröffnen und einen Insolvenzverwalter bestellen.

ch

Haus mit Tradition: Seit 55 Jahren ist das Hotel-Restaurant im Besitz der Familie von Kerstin Budde. ch



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