weather-image

Tischlein-deck-Dich für Insekten

BAD MÜNDER. Sonnabendfrüh, zwei Grad Minus, dichter Morgennebel. „Eigentlich ideale Bedingungen für eine Heckenanpflanzung“, meint Matthias Großmann, der Vorsitzende des Nabu Bad Münder. Gut 100 Holzpfähle liegen bereit. Sie müssen im Abstand von zweieinhalb Metern eingeschlagen werden.

Trotz Nebel und Kälte kann Heckenpflanzen richtig Spaß machen, meinen Arzu (vorne) und Dilara. Foto: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

Einmal die Heckenlänge rauf, einmal runter. „Wir müssen die Hecke vor dem Verbiss durch die Rehe, die schon im Wald lauern, schützen“, erklärt Großmann. Zwei bis drei Jahre lang wird die Hecke aus Schutzgründen eingezäunt bleiben, aber schon mit Zaun wird die Hecke die Streuobstwiese des Nabu zum Weg, der zum Schützenhaus und zum Rockzelt führt, abgrenzen.

111 Patenschaftsbäume stehen momentan auf der Nabu-Streuobstwiese. Das Areal hat die mündersche Nabu-Ortsgruppe in den vergangenen Jahren komplett erworben.

Rund 50 000 Euro an Fördermitteln sind durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, EU-Zuschüsse und das Projekt „Landschaftswerte“ des Umweltministerium bislang in das Nabu-Projekt „Refugium für Kinder, Tiere und Pflanzen“geflossen.

„Die Hecke soll jetzt einen gewissen Schutz und Abschluss bieten“, so Großmann, „denn auf dem Weg gibt es An- und Abfahrten und auch viele Leute mit Hunden gehen dort spazieren.“

Rund 3000 Euro kostet die Anlage der neuen Hecke. Neben dem Nabu-Vorsitzenden ist auch der 46-jährige Umweltingenieur Jens Becker bei der Heckenanpflanzung mit dabei. Und auch junge Helfer fehlen nicht: Zusammen mit der zehnjährigen Dilara und der zwei Jahre jüngeren Arzu gräbt Becker die Löcher, in denen später ganz unterschiedliche Gehölzarten angepflanzt werden. „Das sind alles heimische Nährgehölze und Nistpflanzen“, sagt er. Die neue Hecke ist bewusst als Vogel- und Insektenschutzgehölz konzipiert. „Gerade durch die moderne, strukturarme Landwirtschaft und die Ausbringung von zuviel Pestiziden gerät die Artenvielfalt auch bei uns in große Bedrängnis“, so Becker. Heimische Gehölze wie etwa Hartriegel, aber auch Weiden und andere Pflanzen sollen ein „Tischlein-deck-dich“ für Insekten, Vögel sowie für die existenzbedrohten Bienen und Hummeln darstellen.

Am Rand des Geländes steht eine fast schon tote Esche auf städtischem Grund. „Die wird sicherlich bald gefällt werden müssen, denn sonst fällt sie beim nächsten Sturm in die Stromleitung“, so Großmann. Sie ist eines der Opfer des im Süntel durch einen Pilz momentan stark verbreiteten Eschensterbens (wir berichteten).

Als sich der Nebel später etwas hebt, kommen auch andere Baumpaten mit ihren Familien hinaus zum Nabu-Gelände, um mitzuhelfen. Gut 630 Mitglieder hat die Nabu-Ortsgruppe derzeit. „Die Anpflanzung hat auch einen naturpädagogischen Wert“, sagt Becker. Und dass Heckenpflanzen trotz Nebel und Kälte auch richtig Spaß machen kann, das zeigen Dilara und Arzu an diesem Morgen mit vollem Einsatz.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt